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05.01.2002

15:00 Uhr

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Gute Vorsätze für das neue Jahr

VonPeter Köhler

Den Deutschen eilt der Ruf voraus, in vielen Dingen ordnungsliebend zu sein. Bei der Wertpapieranlage trifft dieses Vorurteil aber nicht zu. Experten geben Tipps für einen Neuanfang mit Struktur.

HB DÜSSELDORF. An den ruhigeren Tagen zum Jahreswechsel nehmen sich viele Privatleute die Zeit, ihre Depotauszüge zu studieren. Meist werden die Zahlenreihen zur Seite gelegt, ohne genau zu wissen, ob man nun im abgelaufenen Jahr reicher oder ärmer wurde. Dabei lohnt es sich, einmal grundsätzlich über die "Anlagepolitik" nachzudenken. Denn die grundlegende Aufteilung des Geldvermögens auf die verschiedenen Anlageformen und Währungen entscheidet nach übereinstimmender Meinung der Anlageprofis über 80 bis 90 Prozent des Anlageerfolgs.

Das Risiko ist der Dreh- und Angelpunkt des Investierens, erkannte Harry Markowitz, Nobelpreisträger und Vater der modernen Portfoliotheorie. In einem Depot mit unterschiedlichen Wertpapierarten und Währungen entwickeln sich die Papiere nie allesamt in die gleiche Richtung. Vielmehr wird der Verlust zum Beispiel bei einer Aktie durch Gewinne bei einem anderen Papier aufgefangen.

Am Anfang des Depotaufbaus steht erst einmal die schwerste aller Fragen: Welcher Anlegertyp bin ich, und wie viel Risiko kann ich (ver)tragen? Generell neigen die Investoren dazu, sich in sonnigen Zeiten an der Börse risikohungriger zu zeigen, als sie wirklich sind - um diesen Mut dann in schlechteren Phasen zu bereuen. Besser ist es, ein paar einfache Kriterien zu definieren, die unabhängig von der aktuellen Börsenphase relevant bleiben. Beispielsweise sollte sich der Anleger fragen, welche Kursschwankungen er tolerieren will, wie lange er sein Geld entbehren kann und welche Rendite er anstrebt.

Danach geht es um das Auffüllen des Depots, wobei keine Eile geboten ist. "Viele Anleger setzen sich unter Zeitdruck. Dabei macht es keinen Sinn, hoch gelaufenen Aktien nachzujagen", sagt Marc-Oliver Lux von der Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner KG. Dagegen sollten Titel, von denen man überzeugt ist, nach der "cost-average"-Methode eingesammelt werden - also stetig mit einer gleich bleibenden Summe, so dass man bei niedrigen Kursen automatisch mehr und bei hohen weniger Stücke kauft.

Wichtig ist, etwa alle sechs Monate die Ausrichtung des Portfolios im Hinblick auf die Risikobereitschaft und das Anlageziel zu überprüfen. Lebensumstände sind nicht statisch, wenn die Familie wächst, nimmt meist die Risikobereitschaft ab, und wenn das Rentenalter naht, sollte man die Aktienquote langsam senken, um nicht auf das Geld angewiesen zu sein, wenn es mit den Kursen bergab geht.

Vor diesem Hintergrund sind die auf dieser Seite abgebildeten Musterdepots eher als "Starter-Kits" zu verstehen, die permanenter Pflege bedürfen. Für kleinere Vermögen bieten sich dabei Fonds an, weil damit die Transaktionskosten in einem erträglichen Rahmen bleiben. Je länger der Anlagehorizont geplant wird, umso höher kann der über Fonds abgedeckte Aktienanteil sein, erläutert Michael Friebe, Partner bei dem unabhängigen Vermögensverwalter Fond Consult Asset Management AG in München. Dabei seien im langfristigen Durchschnitt für den Aktienanteil Renditen zwischen zehn bis 15 Prozent pro Jahr und für den Rentenanteil zwischen fünf bis sechs Prozent als realistisch anzusehen. Bei der Auswahl sei entscheidend, ob die Manager ihrem Investmentstil auch in schwierigen Zeiten treu geblieben sind. Ferner sei es wichtig, dass der Fonds über einen längeren Zeitraum hinweg zu den besten seiner Gruppe zähle und möglichst eine Outperformance gegenüber der maßgeblichen Benchmark (Vergleichsindex) erwirtschafte. Die einschlägigen "Renn- oder Hitlisten" seien mit Vorsicht zu genießen, mahnt Friebe. Diese basieren auf historischen Daten, die keine Garantie für den zukünftigen Erfolg liefern. "Viele Fonds, die vor drei Jahren zu den Top-Titeln zählten, sind jetzt extrem zurückgefallen", erklärt Friebe.

Am Beispiel des "Ausgewogenen Depots" wurde für die Abdeckung der US-Börsen zum Beispiel auf den Vontobel US Value zurückgegriffen, der laut Fonds Consult mit seinem Value-Ansatz in seiner Vergleichsgruppe stets eine überdurchschnittliche Performance erzielt habe. Das Management konzentriere sich auf Aktien, die auf Basis einer Cash-Flow-Berechnung mindestens 25 Prozent unterbewertet seien. Für Europa sind im Musterdepot der Gartmore Continental Europe und der Fidelity European Growth mit jeweils acht Prozent gewichtet, wobei der Gartmore-Fonds zu 75 bis 80 Prozent auf kontinentaleuropäische Titel mit hoher Marktkapitalisierung setzt, während der Fidelity zu 50 Prozent in kleine und mittlere Unternehmen investiert und die zweite Hälfte in Blue Chips fließt.

Im Rententeil des Depots findet sich der Adiglobal, der international investiert und dabei auch versucht, von Währungsschwankungen zu profitieren. Der BW-Renta-Universal setzt auf europäische Anleihen und gehörte laut Fonds Consult im langfristigen Vergleich zu den besten Produkten in diesem Segment. Mit 15 Prozent am stärksten gewichtet ist der offene Immobilienfonds CS Euroreal, der in den vergangenen Jahren eine Rendite von fünf bis sechs Prozent p.a. herausholte.

Bei den Einzeltiteldepots haben die Portfoliomanager der DZ Bank ein Vermögen von 125 000 ? angenommen. Im "Wachstumsorientierten Depot" sei der langfristige Wertzuwachs mit acht bis neun Prozent pro Jahr zu veranschlagen. Die historisch gemessene Schwankungsbreite der Aktien spreche dabei für einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren, erläutert DZ-Bank-Stratege Matthias Volkert. Nach dieser Zeit wachse die Wahrscheinlichkeit, dass der Anleger mit seinen Dividendentiteln im Plus landet. Ein Viertel des Depots wird dabei über "Stars"-Zertifikate und einen Partizipationsschein auf den Nasdaq-100-Index bestritten, womit innerhalb des Depots eine nochmalige Diversifizierung erfolgt. Hätte man eine Million ? zur Disposition, würde der Anteil der Fonds oder Zertifikate kleiner ausfallen, erklärt Volkert. Beim Betrag von 125 000 ? sei der Einsatz dieser Instrumente sinnvoll, da man sonst mit vielleicht nur einer Aktie eine ganze Branche abbilden müsse, was aber dem Gedanken der Risikostreuung zuwider laufen würde. Bei den Einzeltiteln konzentriere man sich auf Gesellschaften, die zu den Spitzenwerten ihrer Branche zählten, sagt Depotmanager Marcus Zasada. Beispiel Depfa-Aktie: Hier könnten zukünftig Unterbewertungen entdeckt werden, wenn es zur Aufteilung in Immobilien- und Kommunalfinanzierungen kommt. Und RWE profitiere von der Schwerpunktsetzung in der Wasserversorgung.

Das schönste Depot nutzt aber wenig, wenn man steuerliche Aspekte außer Acht lässt. Vermögensverwalter Lux nennt als Stichpunkte:

- mehr auf langfristige Kursgewinne abstellen statt auf Zinserträge, deshalb Anleihen mit niedrigem Kupon bevorzugen;

- Minderung der Einnahmen aus Kapitalvermögen durch negative Stückzinsen (Verlagerung der Zinszahlung ins nächste Jahr);

- Streckung von Zinszahlungen in die Zukunft, etwa den Ruhestand, mit Bundesschatzbriefen Typ B und Nullkuponanleihen.

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