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25.05.2000

18:46 Uhr

Händler für Mobilfunkgeräte im Internet plant den Börsengang – Frankreich und Spanien im Visier

Getmobile trotzt der Internet-Skepsis

Die Internet-Euphorie hat sich deutlich abgekühlt. Seit der Pleite von Boo.com sieht es besonders für Online-Shops nicht mehr gut aus. Davon will sich Getmobile aber nicht beirren lassen: Die Münchener sehen sich als Marktführer beim Verkauf von Handys im Web und wollen an die Börse.

cbu MÜNCHEN. "Mobilfunk-Telefone werden immer mehr zu einem Allerweltsprodukt", sagt Daniel Wild, Vorstand, Gesellschafter und Gründer der Getmobile AG in München. Damit werde das Handy samt Mobilfunk-Vertrag zu einer klassischen Ware, die schnell und einfach über das Internet verkauft werden kann, glaubt er. Mittelfristig könnten deshalb bis zu 30 % aller Mobilfunk-Geräte über das Web verkauft werden. Derzeit sind es in Deutschland nach groben Schätzungen erst 2 bis 3 %.

Von der erwarteten Marktdynamik will Getmobile profitieren. Die Münchener bezeichnen sich bereits jetzt als Marktführer beim Online-Verkauf von Handys. Bis Jahresende sollen 150 Geräte plus Vertrag am Tag über das Web (www.getmobile.de) verkauft werden, so die Planung. Für 2000 ist ein Umsatz von 10 Mill. DM vorgesehen, der sich dann im kommenden Jahr verdreifachen soll.

Getmobile garantiert die Lieferung innerhalb von 48 Stunden nach Hause, was nach eigenen Angaben in 95 % der Fälle auch erreicht wird. Die Vertragsunterschrift leistet der Kunde dann erst an der Haustür. Angepeilt sei aber ein Service innerhalb von einem Tag. Derzeit investiert Getmobile allein bis zu 6 Mill. DM im Jahr in das Marketing.

Von der wachsenden Nervosität der Experten und Börsianer, besonders was Online-Shop-Anbieter angeht, will sich Wild nicht beirren lassen. "Der Trend zu mehr Qualität setzt sich durch", sagt er und plant unbeirrt den Gang an die Börse. Die Gespräche mit den Investmentbanken würde trotz der Krise am Markt und der Pleite des Modeanbieters Boo.com gut laufen. Derzeit sind an Getmobile mit jeweils 20 % die beiden Gründer Wild und Tim Schwenke beteiligt. 40 % liegen bei einer Venture-Capital-Firma.

Mit rund 8 Mill. DM für 20 % der Anteile ist im März die Münchener Internet-Holding Internetmediahouse.com AG (IMH) eingestiegen. Die IMH-Manager drängen auf einen Börsengang noch in diesem Jahr. Der frühest mögliche Zeitpunkt für ein Listing am Neuen Markt sei der November, sagte dazu Wild. Die internen Planungen gingen derzeit aber von einem Going Public im Frühsommer 2001 aus. Bis dahin reiche auch das Finanzpolster. "Wir sind finanziert bis zum Börsengang", betont Wild.

Die Expansionspläne sind ambitioniert. In diesem Monat wird der Online-Verkauf auch in Österreich gestartet. Als weitere Märkte hat Wild ab Herbst Frankreich und ab Anfang kommenden Jahres Spanien im Visier. Mittelfristig sind auch Engagements in China oder Indien angedacht.

Um die Abhängigkeit vom Einzelhandel (Business to Consumer) zu reduzieren, will Getmobile derzeit zwei weitere renditeträchtige Standbeine aufbauen. Zum einen wird ein Internet-Marktplatz für Handys und Zubehör für Großhändler und Netzbetreiber aufgebaut. Dies sei umso interessanter je größer die Lieferengpässe von Endgeräte-Produzenten und damit die Fehlallokationen werden. Zudem will sich Getmobile demnächst als Dienstleister für Mobilfunk-Betreiber etablieren, etwa im Pre-Paid-Geschäft. Schon im kommenden Jahr will Getmobile die Gewinnzone erreichen.

Nur über die Web-Adresse "getmobile.com" verfügen die Münchener nicht. Die, so berichtet Wild mit Bedauern, hat sich bereits ein amerikanisches Umzugsunternehmen reservieren lassen.

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