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03.01.2001

19:24 Uhr

Händler halten weiteren Fall für möglich

Intershop setzen Talfahrt fort

Der Aktienkurs des Software-Spezialisten Intershop Communications ist am Mittwoch nach den starken Verlusten des Vortages noch einmal eingebrochen. Zwischenzeitlich verlor das Papier über ein Viertel auf 7,16 Euro, nachdem es bereits am Dienstag nach einer Umsatz- und Ertragswarnung mehr als zwei Drittel seines Wertes eingebüßt hatte.

Reuters FRANKFURT. Am späten Nachmittag notierte der Titel noch 18 % im Minus bei 7,96 Euro. Hintergrund der Ergebniswarnung ist nach den Angaben vom Vortag das schwächere US-Geschäft. Das Geschäft in Europa laufe jedoch sehr gut, sagte Finanzvorstand Wilfried Beek am Mittwoch. Händlern zufolge könnte der Kurs noch weiter an Wert verlieren.

Die Intershop-Aktien gehörten am Mittwoch wie am Vortag zu den am stärksten gehandelten Papieren. Der Kurs werde weiter verlieren, bis ein Boden gefunden sei, sagte ein Händler der BfG-Bank. "Bei den Massen, die umgesetzt werden, ist aber schwer zu sagen, wann dieser erreicht ist." Der Markt müsse sich zunächst wieder beruhigen. Ein Händler von M.M. Warburg sagte, sowohl private als auch institutionelle Investoren verkauften die Papiere. Aber theoretisch sei bei Intershop alles drin. Wenn das Unternehmen die Kosten in Griff bekomme und sich das US- Geschäft gut entwickle, dann werde Intershop bei den vorhandenen 100 Mill. Euro Cash-Positionen nicht bankrott gehen.

Ein Händler der WestLB Panmure sah noch keine Aussicht auf Besserung. "Der Wert wird sich nicht mehr so schnell stabilisieren." Das habe sich bereits am Dienstag angekündigt, nachdem das Unternehmen seine Prognosen reduziert und verschiedene Finanzhäuser den Wert herabgestuft hätten. Mit Intershop sei eine weitere "heilige Kuh" am Neuen Markt "geschlachtet" worden sei, sagte er. Dies wirke sich auf das Vertrauen der Anleger aus. Es werde zwei bis drei Wochen dauern, bis dieses einigermaßen zurückgewonnen sei.

Im NachrichtenRadio MDR info sagte Intershop-Finanzvorstand Wilfried Beeck, trotz der schweren Kursverluste werde es keine Entlassungen in Ostdeutschland geben. "In Jena werden auch künftig Mitarbeiter eingestellt, weil das Geschäft in Europa sehr gut läuft", sagte Beeck laut einer Mitteilung des Senders. Er sei zuversichtlich, dass das Unternehmen im ersten Quartal die Wende schaffe. Die gesamte Branche habe gute Zukunftsaussichten. Der "Wirtschaftswoche" sagte Beeck laut Vorabmeldung, um das US-Geschäft anzukurbeln, werde Intershop künftig verstärkt auch mit Wettbewerbern wie Commerce One zusammenarbeiten. Zudem wolle Intershop bei den Marketing- und Verkaufsaktivitäten vorerst die Ausgaben auf 50 Mill. Euro je Quartal begrenzen.

Nach der Gewinnwarnung reduzierten auch am Mittwoch verschiedene Finanzinstitute ihre Empfehlung für die Intershop-Aktie. UBS Warburg reduzierte Intershop auf "Hold" von "Strong buy" und das Kursziel auf zehn Euro. Die Credit Suisse First Boston senkte ihre Umsatzschätzung für 2001 auf 187 Mill. Euro von 275 Mill. Euro und ihre Schätzungen für das operative Ergebnis auf einen Verlust von 4,4 Mill. Euro von 26 Mill. Euro. Robertson Stephens reduzierte das erwartetet Ergebnis je Aktie 2000 auf-0,36 von 0,02 Euro und für 2001 auf-0,08 von 0,04 Euro.

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