Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2003

17:36 Uhr

Händler rechnen mit Fortsetzung der Kontrollen im Irak

Ölpreis sinkt nach Blix-Bericht unter 30 Dollar

Der Ölpreis ist am Montag nach der Vorlage des mit Spannung erwarteten Irak-Berichts der UNO-Waffeninspekteure zeitweise wieder unter 30 Dollar gesunken. Die Suche nach Massenvernichtungswaffen werde wohl zunächst fortgesetzt, so dass ein Krieg entgegen der Befürchtung vieler Anleger doch nicht unmittelbar bevorstehe, sagten Händler.

Reuters LONDON. Ein Barrel (rund 159 Liter) der marktführenden Nordsee-Ölsorte Brent zur Lieferung im März verbilligte sich bis zum frühen Abend in London um 51 Cent auf 29,98 Dollar, nachdem der Preis am Morgen noch über 30,50 Dollar gestiegen war. "Von dem Bericht der Waffeninspekteure gehen unterschiedliche Signale aus: Bagdad kooperiert zwar nicht vollständig, aber die Inspektoren brauchen voraussichtlich noch Monate", sagte ein Händler. Die Kriegsängste seien daher etwas gedämpft worden.

Der Chef der UNO-Waffeninspektoren, Hans Blix, erklärte vor dem Sicherheitsrat in New York, Irak habe offenbar bis zum heutigen Zeitpunkt die Abrüstungsforderungen der UNO nicht wirklich akzeptiert. Das Land habe bislang nicht in vollem Umfang nachweisen können, dass es alle Massenvernichtungswaffen vernichtet hat. Die US-Regierung bekräftigte nach der Vorlage des Berichts ihren Vorwurf, Irak führe die UNO in die Irre. Irak betonte dagegen, die UNO-Forderungen erfüllt zu haben. Sorgen vor erheblichen Lieferengpässen bei einem lang anhaltenden Krieg im Irak und einer Fortsetzung des Streiks im Ölexportland Venezuela hatten den Ölpreis in den vergangenen Wochen nahe an ein Zwei-Jahres-Hoch deutlich über 30 Dollar getrieben. Die USA werfen Irak vor, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. US-Außenminister Colin Powell hatte am Wochenende erneut betont, die USA würden Irak auch im Alleingang angreifen.

"Es gibt zunehmend Spekulationen am Markt, dass den Inspektoren mehr Zeit eingeräumt wird", begründete ein Händler den jüngsten Preisrückgang. Am Montag sprach sich die Europäische Union (EU) geschlossen für eine Fortsetzung der Waffeninspektionen aus. Auch UNO-Generalsekretär Kofi Annan forderte den UNO-Sicherheitsrat auf, den Inspektoren in Irak in einer angemessenen Größenordnung mehr Zeit zu geben.

Einige Experten äußerten aber Zweifel, dass die USA noch lange einen Angriff gegen Irak hinauszögern werden. "Der Zeitplan für einen Krieg wird nicht von der Diplomatie diktiert, sondern von der notwendigen Vorbereitungszeit für einen Militärschlag", sagte Roger Diwan von PFC Energy. Er gehe weiter davon aus, dass ein Krieg spätestens Anfang März beginnen werde. In den Blickpunkt des Marktes dürfte nun die Rede zur Lage der Nation von US-Präsident George W. Bush rücken, die er am Dienstag (Ortszeit) halten wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×