Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2001

20:53 Uhr

Händler sehen aber keine Trendwende bei der Gemeinschaftswährung

Euro gibt nach US-Daten und O'Neill zweitweise nach

Der Euro ist am Mittwoch nach der Veröffentlichung neuer US-Konjunkturdaten und Äußerungen des designierten US-Finanzminister O'Neill rund ein Prozent unter 0,93 $ gefallen.

Reuters FRANKFURT. Insbesondere der moderate Anstieg der US-Verbraucherpreise hat Analysten zufolge die Erwartung einer weiteren Zinssenkung in den USA bestärkt. Dies habe die Furcht vor einer möglichen harten Landung der US-Konjunktur etwas gedämpft. Was dem $ nützte, schadete dem Euro. Auch O'Neills Bekenntnis zu einer Politik des starken $ habe die Gemeinschaftswährung geschwächt. Händler sagten jedoch, die Kursverluste vom Mittwoch bedeuteten noch keine Wende des seit Wochen anhaltenden Aufwärtstrend des Euro.

Gegen 20.45 Uhr MEZ kostete der Euro wieder 0,9334/38 $, nachdem er zwischenzeitlich mit 0,9290 $ auf den tiefsten Stand seit fast zwei Wochen gefallen war. Am Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Euro-Referenzkurs noch mit 0,9396 $ ermittelt. Im Tagesverlauf verlor der Euro damit insgesamt über einen US-Cent. Zum Yen notierte der Euro am Abend wenig verändert mit 110,60/70 Yen.

Die US-Verbraucherpreise stiegen im Dezember nach Angaben des US-Arbeitsministeriums wie erwartet um 0,2 % zum Vormonat. Die Kernrate - also die Preise ohne Energie- und Lebensmittel - beschleunigte sich allerdings nur um 0,1 %. Analysten hatten mit einem Anstieg von ebenfalls 0,2 % gerechnet. Die US-Industrieproduktion ging im Dezember nach Angaben der Fed um 0,6 % zurück. Analysten hatten mit minus 0,5 % einen etwas leichteren Rückgang vorausgesagt. Im vierten Quartal fiel die Industrieproduktion um 1,1 % zum Vorquartal, stieg aber im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 %.

Händler sagten, die US-Daten hätten die Finanzmärkte erleichtert, da sie sogar etwas besser ausgefallen seien als erwartet. Zudem erhöhten die Zahlen Analysten zufolge die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinssenkungen der US-Notenbank Fed. Die Fed hatte Anfang Januar überraschend früh die Leitzinsen um 0,5 %punkte auf 6,00 % gesenkt und dies mit der deutlichen Konjunkturabschwächung in den USA begründet. "Wir fangen jetzt an, uns auf eine mögliche Zinssenkung Ende Januar einzustellen", sagte ein Devisenanalyst. Die Frage sei, ob es zu einer erneuten Dollar-Verkaufsrunde komme, wenn die Fed sich nicht entsprechend der Markterwartungen verhalte.

Der Euro baute seine Verluste am Nachmittag Händlern zufolge wegen der Äußerungen des designierten US-Finanzministers Paul O'Neill weiter aus. O'Neill hatte sich vor dem Finanzausschuss des US-Senats klar für die Steuersenkungspläne des künftigen US-Präsidenten George W. Bush und für eine Politik des starken $ ausgesprochen. "Ich favorisiere einen starken $", sagte O'Neill. Der Euro verlor danach etwa einen halben US-Cent auf Kurse knapp unter 0,93 $ und notierte damit so schwach wie seit dem 4. Januar 2001 nicht mehr.

Händler warnten jedoch davor, die Kursverluste vom Mittwoch als einen Trendwende beim Euro zu betrachten. "Der Euro könnte sogar noch weiter runtergehen, ohne auf mittlere Sicht wirklichen Schaden zu nehmen", sagte ein US-Händler. Der Euro folge einem Aufwärtstrend, bei dem er oft zwei Schritte vor und einen zurück gehe. Nach den vorangegangenen Kursgewinnen des Euro nehme der Markt nun Gewinne mit.

Während die Märkte davon ausgehen, dass die Fed die Zinsen bei ihrer Sitzung am 30./31. Januar erneut senken wird, gehen Volkswirte und Devisenhändler für die Euro-Zone zunächst noch nicht von einer Änderung der Geldpolitik aus. Für die am Donnerstag anstehende Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) rechnen Analysten nahezu einstimmig mit unveränderten Leitzinsen. Die EZB gibt ihre Zinsentscheidung voraussichtlich um 13.45 Uhr MEZ bekannt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×