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05.02.2002

14:32 Uhr

Händler sollen mehr Rechte bekommen

Autohandel: IG-Metall fürchtet um 100 000 Jobs

Machtverschiebung im europäischen Automarkt: Die EU-Kommission will ab Herbst den Autohändlern mehr Rechte gegenüber den bisher überlegenen Herstellern einräumen. Kernpunkt ist die Lockerung der strengen Regeln für die Niederlassung von Händlern. Die großen Autobauer und die IG Metall befürchten allerdings den Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen.

ap HAMBURG. Bisher werden Neuwagen in Deutschland in der Regel über exklusive Händlernetze der Autohersteller verkauft. Markenhändler dürfen nicht außerhalb ihres Verkaufsgebietes werben oder Niederlassungen errichten. Nach den Plänen der EU-Kommission sollen Händler künftig überall in der EU werben und unter bestimmten Voraussetzungen auch Filialen einrichten können.

Der Verband der Automobilindustrie erwartet eine Konzentration in der Branche, wobei die Kleinen auf der Strecke bleiben dürften. Schätzungen zufolge sollen einige zehntausend Arbeitsplätze bei Händlern in Gefahr sein. "Bis zu 100 000 Arbeitsplätze stehen in den nächsten Jahren im deutschen Kfz-Gewerbe auf dem Spiel", warnt denn auch IG-Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Rhode.

Die Branche beschäftigt derzeit rund 532 000 Menschen. Allerdings sind viele Hersteller derzeit ohnehin dabei, ihr Händlernetz auszudünnen. Die Autoindustrie fürchtet zudem eine Beschädigung der mühsam und teuer aufgebauten Marken: BMW-Vertriebsprofis graut es vor dem Bild eines belgischen BMW-Händlers, der einen Parkplatz in Hamburg pachtet, einen Bürocontainer aufstellt und dort fabrikneue 3er oder 5er-Modelle verkauft. Noch weiß allerdings niemand, ob die Kunden solche Händler überhaupt annehmen werden.

Kern der Liberalisiersierung ist die Änderung der Gruppenfreistellungsverordnung. Dabei handelt es sich um eine Ausnahme vom Kartellrecht ("Freistellung") die extra für die Autoindustrie schon vor Jahren gemacht wurde. Danach dürfen die Hersteller Exklusivverträge mit Händlern abschließen und ihnen genaue Verkaufsgebiete vorschreiben. Die Händler müssen im Gegenzug auch den Service an den Autos übernehmen und werden von Konkurrenz der selben Marke in ihrem Gebiet freigehalten.

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