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11.03.2003

17:18 Uhr

Härtere Strafen für Kinderschänder

Suche nach Pascal geht weiter

Deutsche und französische Polizisten wollen noch in dieser Woche die Suche nach dem toten Pascal aus Saarbrücken wieder aufnehmen. Das kündigte der Sprecher der saarländischen Polizei, Georg Himbert, am Dienstag an. Trotz intensiver Suche in einer Kies- und Sandgrube im lothringischen Schoeneck bei Saarbrücken waren die Beamten bislang nicht auf die Leiche des Kindes gestoßen, das wahrscheinlich von einem Kinderschänderring missbraucht und getötet wurde.

HB/dpa SAARBRÜCKEN. Vor dem Hintergrund des Falles will Ministerpräsident Peter Müller (CDU) erreichen, dass Kinderschänder und Vergewaltiger im Saarland künftig auf Dauer hinter Gefängnisgitter kommen. Nur wenn Wiederholungstaten beispielsweise durch eine freiwillige Kastration ausgeschlossen sind, sollen die Täter freikommen können. Eine entsprechende Ergänzung des Polizeirechts zur Gefahrenabwehr kündigte Müller am Dienstag als Alleingang für den Fall an, dass ein ähnlicher Gesetzesantrag der unionsgeführten Länder im Bundesrat scheitern sollte.

Müller nahm die Polizei unterdessen gegen Vorwürfe im dem Fall in Schutz. Er sagte, die Landesregierung habe keinerlei Erkenntnisse darüber, dass die polizeilichen Ermittlungen nicht ordnungsgemäß geführt worden seien. Die Hauptverdächtige des Kinderschänderrings, die 50 Jahre alte Kneipenwirtin Christa W., sei weder V-Frau der Polizei gewesen noch habe sie polizeiliche Spitzeldienste geleistet.

Ob die Kneipenwirtin gegenüber Polizisten Kleinkriminelle "verpfiffen" hat und dafür möglicherweise Vorteile bekam, ist bislang unklar. Die Saarbrücker Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb auf Grund eines entsprechenden Berichts im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" weiter gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt.

Weiter ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen unbekannte Beamte des saarländischen Landeskriminalamtes wegen des Verdachts der Aussage-Erpressung. Die im Oktober 2001 zeitweise festgenommene und inhaftierte Stiefschwester Pascals hatte laut einem Bericht der Illustrierten "Stern" erklärt, ihr falsches Geständnis sei von der Polizei durch Schläge erpresst worden. Später habe sie das Geständnis widerrufen.

Der Anwalt der jungen Frau, Lars Nozar, erhob schwere Vorwürfe gegen die ermittelnden Beamten. Seine Mandantin sei während der Verhöre im Oktober 2001 "30 Stunden ohne Wasser und Nahrung" gewesen. Bei einer Vernehmung habe sie ihren eigenen Angaben gemäß "einer der anwesenden Beamten (...) mit der Faust in das Genick geschlagen, worauf sie zusammengebrochen sei", sagte er.

Der Saarbrücker Oberstaatsanwalt Raimund Weyand sagte, bei beiden Ermittlungsverfahren könnten noch einige Wochen vergehen, bis alles geprüft sei und Ergebnisse vorlägen. Bei falschen Verdächtigungen gegen die Polizei müssten die Betreffenden selbst mit Ermittlungen rechnen.

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