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18.02.2002

08:32 Uhr

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Haider erklärt Rückzug vom Rückzug

Nach dem lauten Murren über seinen Solidaritätsbesuch bei Saddam Hussein steckten Haiders innerparteiliche Kritiker wieder zurück. Prompt mache der Rechtspopulist seine trotzige Rückzugsdrohung rückgängig.

dpa WIEN. Der langjährige Parteichef der in Österreich mitregierenden Freiheitlichen (FPÖ) Jörg Haider wird trotz seiner Ankündigung weiter in der Bundespolitik seines Landes aktiv bleiben. Wie es am Sonntag in Wien nach einer sechsstündigen Krisensitzung der Parteiführung weiter hieß, wird Haiders schärfster Kritiker, der Fraktionschef Peter Westenthaler, entgegen früheren Drohungen nicht entlassen, sondern bleibe weiter im Amt. Am späten Abend zeigten sich der heutige Landeshauptmann (Ministerpräsident) des Bundeslandes Kärnten, Haider, und Westenthaler einmütig in einer Talk Show des öffentlich-rechtlichen Fernsehens (ORF). Die FPÖ hat ihre schwere innerparteiliche Krise damit offenbar vertagt. "Eine solche Situation wird sich nicht mehr wiederholen", sagte die FPÖ-Chefin und Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer nach der Sitzung.

Die Zerreißprobe der FPÖ war am Freitag durch Haider als den "starken Mann" in der FPÖ ausgelöst worden. Er werde sich aus allen Bundesfunktionen zurückziehen, hatte der Rechtspopulist nach Kritik seines politischen Ziehkindes Westenthaler entschieden. Haider war darauf von allen FPÖ-Landesorganisationen gebeten worden, seinen Rückzug zurückzunehmen. Die FPÖ-Chefin Riess-Passer hatte ihre USA- Reise abgebrochen und hatte Westenthaler die Entlassung angedroht. Westenthaler und Haider versicherten, Meinungsverschiedenheiten in Zukunft "nicht mehr in der Öffentlichkeit, sondern in den Parteigremien" zu diskutieren.

Die Überlegungen Haiders, eine Parteispaltung herbeizuführen, sind damit offenbar vom Tisch. Ursprünglich hatte Haider nach Medienberichten geplant, seine Anhänger von der FPÖ abzuspalten und nach dem Vorbild der CSU eine eigene Fraktion im Parlament zu bilden.

Haider war erst vor wenigen Tagen wegen eines Besuches beim irakischen Präsidenten Saddam Hussein in die Kritik geraten. Haider verteidigte dagegen seine Fahrt nach Bagdad als "humanitäre Aktion".

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