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16.01.2001

19:30 Uhr

Halbherziges Engagement voll versilbert

Energiekonzerne räumen das Feld Telekommunikation

VonDonata Riedel

Mit dem Ausstieg von Eon bei Viag Interkom endet für die Energiekonzerne in Deutschland die Ära Telekommunikation. Lediglich einige Regionalversorger halten noch Beteiligungen an Stadtnetzbetreibern - die meisten aber mit der Absicht, diese in nächster Zeit zu verkaufen.

Anfang der 90er-Jahre suchten Veba, RWE und das Bayernwerk (später Viag) nach Möglichkeiten, ihre hohen Gewinne aus dem Strommonopol zu investieren und gleichzeitig unabhängiger vom angestammten Geschäft zu werden. Der neu entstehende Markt Telekommunikation, der hohe Wachstumsraten versprach, aber hohe Anfangsinvestitionen erforderte, schien genau das richtige Betätigungsfeld zu sein. Damals war zudem der Konzern mit mehreren Sparten Mode. Entsprechend wurde die Strategie von den Aktionären unterstützt.

In der Folge beteiligten sich Veba und RWE an E-Plus und gründeten Otelo, Viag gründete mit British Telecom und Telenor die Viag Interkom. Doch die Idee hielt nicht ganz, was sich ihre Väter versprochen hatten.

Zum einen geriet die Energiewirtschaft mit den Jahren selbst immer stärker unter Liberalisierungsdruck. Längst sprudeln die Gewinne aus dem Strommonopol nicht mehr so reichlich wie noch vor zehn Jahren. Zum anderen erwies sich die Telekommunikation als eine weitaus komplexere Industrie, als es sich die Energiemanager in ihrer Anfangseuphorie erträumt hatten.

Als Erstes wurde dies bei Veba und RWE deutlich. Lange Entscheidungswege bei den Eigentümern behinderten den Aufbau der Festnetztochter Otelo. Der anschließende Tritt auf die Investitionsbremse ließ Otelo dann zum Fehlstarter des Telekom-Liberalisierungsjahres 1998 werden. Schließlich reichten die Konzerne ihre Tochter an den Konkurrenten Mannesmann Arcor weiter. Auch bei dem Mobilfunknetzbetreiber E-Plus lavierten sich Veba und RWE jahrelang zum Schaden des Unternehmens durch, ehe sie sich zum Verkauf ihrer Anteile an die niederländische KPN durchringen konnten.

Von der Viag gab es zunächst mehr Unterstützung für ihre Telekomtochter Interkom. Doch seit der Fusion von Viag und Veba zu Eon hat auch Viag Interkom den ehemaligen Veba- und heutigen Eon-Chef Ulrich Hartmann als Bremser im Aufsichtsrat. Als Eon im August 2000 die Übergabe der Interkom- Anteile an den Mitaktionär British Telecom beschloss, knallten in München die Sektkorken. Die Viag-Interkom- Mannschaft freute sich, endlich einen branchenkundigen Mehrheitsaktionär zu bekommen.

Manch einem Telekommanager stößt es sauer auf, dass nun ausgerechnet Eon-Chef Hartmann seinen Aktionären den Ausflug in die Telekommunikation als Erfolg verkaufen kann: Satte zweistellige Milliardengewinne fließen in die Eon-Kasse, während die Aktienkurse der Telekomunternehmen immer tiefer abrutschen. An der British Telecom bleiben nun die Aufräumarbeiten hängen. Sie muss das Festnetzgeschäft der Viag Interkom zu einem wettbewerbsfähigen Konkurrenten für die Deutsche Telekom umbauen und außerdem die hohen Anlaufkosten für den UMTS-Mobilfunk tragen.

Zu einer nachhaltigen Entwicklung des deutschen Telekommunikationsmarktes haben die Energiekonzerne also nicht viel beigetragen. Unter dem kurzfristigen Aspekt des Shareholder- Values war der Ausflug in die fremde Branche für sie jedoch ein voller Erfolg.

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