Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2001

19:31 Uhr

Halbleiter-Hersteller müssen in neue Technologien investieren

AMD sucht Partner für ein neues Chipwerk

Die Hersteller von Halbleitern befinden sich in einem Teufelskreis: Auf der einen Seite können sie durchaus realistisch mit einer durchweg steigenden Nachfrage nach Chips rechnen. Doch es werden derzeit so viele neue Produktionskapazitäten aufgebaut, dass spätestens 2002 ein Überangebot droht.

gil/ruk/sgr DÜSSELDORF. Der Halbleiterhersteller Advanced Micro Devices (AMD) aus dem kalifornischen Sunnyale will eine neue Fabrik bauen und ist hierfür auf Partnersuche. Dabei sind die Namen Motorola, Fujitsu, Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) und United Microelectronics im Gespräch. Es sind vor allem Kostengründe, die Intels größten Herausforderer zum Neubau einer dritten Fabrik für Mikroprozessoren veranlassen.

Die bisherigen beiden Werke stehen im texanischen Austin und in Dresden. Der Ort für die neue Fabrik steht nach Angaben von AMD noch nicht fest. Dresden rechnet sich natürlich Chancen aus, zumal dort genügend Platz für ein neues Werk wäre.

Die Investitionen für einen Neubau werden auf etwa 4 Mrd. $ veranschlagt; sie soll bis zum Jahr 2004 ihren Betrieb aufnehmen. Vor Oktober 1999, als AMD über lediglich eine Fabrik verfügte, kam es immer wieder zu Störungen, weil alleine die Möglichkeiten für notwendige Testläufe nicht vorhanden waren. Erst mit der Aufnahme der Fertigung in Dresden konnte AMD Lieferengpässe beseitigen und seinen Marktanteil deutlich ausweiten.

AMD und Fujitsu sind Partner

AMD wird in dem geplanten neuen Werk auf eine Fertigungsmethode umsteigen, die mit Rohsiliziumscheiben (Fachbegriff: Wafer) im Durchmesser von 300 Millimeter statt der bisher üblichen 200 Millimeter arbeitet. Dies erklärte AMD - Präsident Hector Ruiz auf einer Konferenz des Verbandes "Semiconductor and Equipment und Materials International Trade" in Pebble Beach in Kalifornien.

AMD arbeitet bereits in einem Joint Ventures mit Fujitsu Ltd. zusammen, das den Bau einer neuen Fabrik für Speicherbausteine in Flash-Technik (nicht flüchtige Speicher) vorsieht. 2002 soll das Werk seinen Betrieb aufnehmen und ebenfalls in 300-Millimeter-Technik arbeiten. Flashspeicher werden häufig in digitalen Kameras, Organizern oder Handys eingesetzt.

Fast alle Chiphersteller rüsten ihre Fabriken derzeit auf die 300-Millimeter-Technik um. Vom Branchenprimus Intel war zu hören, dass die neuen Fabriken im US-Bundesstaat New Mexico und in Irland bereits in der zweiten Hälfte dieses Jahres ihren Betrieb aufnehmen werden. Die Kosten werden nach Angaben von Intelsprecher Chuck Mully auf jeweils 3 Mrd. $ geschätzt.

Durch Investitionen könnten auch neue Krisen drohen

Auch in Japan wird kräftig investiert. Die beiden großen japanischen Elektronikkonzerne NEC und Mitsubishi Electric kündigten den Ausbau ihrer Halbleitersparten an. Die Japaner setzen dabei auf Spezialitäten wie Hochfrequenzhalbleiter und Fiber-optische Chips. So will auch die Siemens-Tochter Infineon verstärkt auf spezielle Chips setzen, etwa für die drahtlose und digitale Hochgeschwindigkeitskommunikation. Denn lediglich für diese Bereiche erwarten Branchenbeobachter in den nächsten Jahren einen "echten" Boom.

Durch die zahlreichen Investitionen könnte die Halbleiterbranche ihrer nächsten Krise entgegen steuern. Obwohl in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach Chips stetig stieg, die Hersteller dabei ordentlich verdienten und auch in den nächsten Monaten die Kunden verstärkt die Produkte nachfragen werden, droht ein Überangebot. Doch die Chipproduzenten sind trotz der schlechteren Vorhersagen gezwungen, ihre Kapazitäten auszuweiten, obwohl sich der in den vergangenen Jahren durchschnittlich erzielte Marktzuwachs von 17 % sich 2001 und 2002 wohl nicht wiederholen lassen wird. Die mit der Umstellung auf 300-Millimeter-Wafer verbundenen Einsparungen bei der Fertigung von rund 30 % kann kein Anbieter auslassen, der im Preiswettbewerb bestehen will.

Auf der Tagung in Pebble Beach wurde folgende Prognose für das Wachstum des Chipmarktes gestellt: Plus 7 % in diesem und plus 9 % im nächsten Jahr. Zwar werden Chips in immer mehr Geräte eingebaut, doch allein das nachlassende Wachstum der US-Wirtschaft und die höheren Energiepreise führen dazu, dass Unternehmen ihre Investitionen in neue Computer verschieben und die privaten Kunden mit dem Kauf von neuen Mobiltelefonen lieber noch etwas warten. Dataquest prognostiziert für 2001 zwar noch ein Umsatzwachstum von "wenig mehr als 20 %", doch nach den Dataquest-Berechnungen wurde 2000 auch noch ein Plus von 31 % erreicht.



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×