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04.01.2002

14:51 Uhr

Halbleiterhersteller freuen sich auf das Jahr 2002

Steigende Chippreise sorgen für Optimismus

Infineon-Chef Ulrich Schumacher hätte sich keinen besseren Start ins neue Jahr wünschen können. Fast wie in den früheren Glanzzeiten zeigt der Kurs der Infineon-Aktie seit Beginn des Börsenjahres 2002 steil nach oben.

dpa MÜNCHEN. Nach der schlimmsten Krise in der Halbleiterbranche mit Milliardenverlusten und Massenentlassungen sehen Infineon und die anderen Hersteller dank steigender Preise für Speicherchips endlich einen Silberstreif am Horizont. "Es scheint, dass wir den Beginn des nächsten Aufschwungs sehen", sagte Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck & Co am Freitag in München.

Die Nachfrage nach Halbleitern steigt nach Angaben von Infineon wieder, und die Preise für Speicherchips gehen kräftig in die Höhe. Der dramatische Preisverfall für die Speicherchips war die Hauptursache für die Verluste im vergangenen Jahr. Durch die High- Tech-Krise hatten die Chip-Hersteller ihre Produkte teilweise zu Schleuderpreisen abgegeben, die längst nicht mehr die Kosten deckten. Noch immer produzieren sie mit jedem Chip einen Verlust.

Ausgerechnet der koreanische Hersteller Hynix, den Schumacher zusammen mit Samsung hauptsächlich für den Preisverfall verantwortlich gemacht hatte, will diese Entwicklung nun stoppen. Auf einen Schlag erhöhte der drittgrößte Chiphersteller die Preise für die so genannten DRAM-Chips zum Jahresanfang um durchschnittlich 30 %. Schon im Dezember hatte das Unternehmen die Preise in kleineren Stufen angehoben. Nach diesem Vorstoß werden nach Einschätzung von Branchenkennern auch alle anderen Hersteller höhere Preise durchsetzen. An der Börse sorgte die Nachricht deshalb für ein Kursfeuerwerk bei den Chipherstellern, das auch nach drei Tagen noch nicht erloschen war. Allein die Infineon-Aktie legte bis Freitag innerhalb von drei Tagen um rund 20 % auf mehr als 27 Euro zu.

Die Sektkorken knallen in der der Münchner Firmenzentrale aber noch nicht. Niemand wisse zurzeit, wie lange die Entwicklung anhält, sagte ein Sprecher. "Wir kennen diese Branche schließlich." Die Zurückhaltung musste der einstige Börsenliebling Schumacher erst schmerzlich lernen. Auch sein Unternehmen hatte die Wucht des Abschwungs in der High-Tech-Branche im vergangenen Jahr kalt erwischt. Weltweit muss Infineon wegen Milliardenverlusten 5000 Arbeitsplätze streichen, viele Beschäftigte sind seit Monaten in Kurzarbeit. Viele Anleger verloren die Hoffnung in das Unternehmen. Mit einem Minus von 42 % gehörte die Aktie im Jahr 2001 zu den größten Verlierern im Deutschen Aktienindex Dax.

Von der Gewinnschwelle ist Infineon noch immer wesentlich weiter entfernt als die Konkurrenz aus Korea. Während dort ein 128-Megabit- Chip für rund 3,50 $ hergestellt werden kann, kostet Infineon ein solcher Halbleiter gut 6 $ (rund 6,50 Euro). Der Marktpreis liegt aber trotz eines Anstiegs um mehr als zehn Prozent in dieser Woche erst bei durchschnittlich 2,60 $. Für Euphorie ist es nach Einschätzung von Analysten deshalb noch viel zu früh. Auch sie sind durch die beispiellose Krise der Branche vorsichtiger geworden.

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