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10.01.2003

12:49 Uhr

Hallenfußball bleibt populär – aber nur bei kleinen Bundesliga-Vereinen

„Eine wichtige Einnahmequelle“

Bei den großen Bundesligavereinen ist Hallenfußball nicht mehr angesagt. Der Kick auf dem Kunstrasen ist nur noch ein regionales Ereignis, bleibt für die unteren Ligen aber eine wichtige Einnahmequelle.

jk/thy DÜSSELDORF. Energie Cottbus, Dynamo Dresden, 1. FC Nürnberg, Widzew Lodz und Union Berlin. So lautet die Startliste des Hallenturniers von Riesa. Vorbei die Zeiten vom DFB-Hallenmasters, bei dem der Deutsche Meister, der Pokalsieger und weitere Spitzenklubs um beachtliche 150 000 Euro Siegprämie spielten.

"Hallenfußball ist heute nur noch ein regionales Ereignis", beschreibt Dieter Maukel von Burdenski Events den Kick auf Kunstrasen. Die Firma des ehemaligen deutschen Nationaltorhüters Dieter Burdenski organisiert drei der wenigen verbliebenen Hallenturniere. "Für die großen Vereine passte die Hallenrunde halt nicht mehr in die Terminplanung", erklärt Thomas von Heesen, Manager von Arminia Bielefeld. Nachdem Klubs wie Bayern München und Borussia Dortmund ihre Stars immer häufiger zu Hause ließen, wurde der Hallenpokal des DFB vor zwei Jahren von der Veranstaltungsliste gestrichen. Die offizielle Erklärung lautete Ende 2001: Auf Grund der WM in Japan und Südkorea sei eine längere Winterpause nötig. Im Jahr darauf wurde das Thema "Hallenfußball" beim Verband und der Liga einfach nicht wieder aufgenommen.

Dabei war der überdachte Kick eine willkommene Überbrückung der bundesliga-freien Zeit für das Fernsehen und die Fans füllten die Hallen. Arminia-Manager von Heesen bedauert das Ende, schließlich "ist Hallenfußball für uns kleinere Klubs eine wichtige Einnahmequelle". Bielefeld finanziert mit den Antrittsgeldern bei den Turnieren von Burdenski sein Wintertrainingslager in der Türkei - was praktischerweise auch gleich von Dieter Burdenski organisiert wird. "80 Prozent der Profivereine in Deutschland wären für eine Hallenrunde", schätzt von Heesen. Man müsse das Ganze ja nicht zum Zwang machen.

Um den Spaßfaktor zu erhalten, bekommen die Klubs nur ein Antrittsgeld. "Eine Siegprämie gibt es bei unseren Turnieren nicht", berichtet Maukel. Trotzdem sind die Spieler motiviert, sagt von Heesen. "Welcher Fußballer möchte nicht einmal zum ,Spieler des Turniers? gekürt werden?", fragt er. Außerdem könne der Klub mit gutem Hallenfußball sein Image verbessern.

Und das, dank der Übertragungen durch das Deutsche Sportfernsehen (DSF), nicht nur in Ostwestfalen. Die Burdenski-Turniere sahen im Durchschnitt rund eine Million Zuschauer. "Mit den so genannten Privat-Turnieren waren wir bisher sehr zufrieden", sagt DSF-Sprecher Christoph Burbes. In der Zielgruppe des Spartensenders, den männlichen Zuschauern zwischen 14 und 49, lag der Marktanteil bei rund vier Prozent. Zwar bedauert auch er, dass Teams wie Dortmund und Bayern München nicht dabei sind. Aber auch in den Jahren mit Spitzenklubs war die Quote für das DSF kaum höher, sie kletterte nicht über 1,5 Millionen Zuschauer. Wichtig für den - defizitären - Sender sei, dass "wir mit den Turnieren einen positiven Deckungsbeitrag erreichen". Und dies sei der Fall.

Doch es ist nicht nur der finanzielle Aspekt, der für den Hallenfußball spricht. "Die Fans sehen die Spieler mal aus nächster Nähe", sagt Ex-Bundesligaspieler von Heesen. Und das kommt an: Die Hallen in Schwerin, Kiel und Bielefeld waren nahezu ausverkauft.

Der Fußball-Manager erinnert sich auch gerne an die Hallenturniere während seiner aktiven Zeit zurück: Sein damaliger Trainer beim Hamburger SV, Ernst Happel, habe während des Trainingslagers die Mannschaft mit den Worten ins Flugzeug gesetzt: "Wir fliegen da jetzt zwei Stunden hin, holen den Pokal und fliegen wieder zurück."

Quelle: Handelsblatt

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