Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.05.2003

16:45 Uhr

Hambrecht rückt an die Spitze

Neuer BASF-Chef tritt in große Fußstapfen

Nach einem Juristen kommt nun wieder ein Chemiker an die Spitze des weltgrößten Chemiekonzerns BASF. Ansonsten steht der Führungswechsel bei BASF ganz im Zeichen der Kontinuität: auch der Vorname bleibt, wenn Jürgen Strube mit der Hauptversammlung am kommenden Dienstag das Ruder an den Asienspezialisten Jürgen Hambrecht abgibt.

Reuters FRANKFURT. Strube hinterlässt Hambrecht nach 13 Jahren an der Spitze einen Chemiegiganten in glänzender Verfassung. Unter dem in den Aufsichtsrat wechselnden Konzernlenker hatte sich die zuvor stark diversifizierte Gesellschaft in der vergangenen Dekade ganz auf ihre Kerngeschäfte fokussiert und zugleich die Internationalisierung vorangetrieben: mittlerweile ist BASF der nach Umsatz führende Chemiekonzern weltweit.

Auch in der Wirtschaftsflaute kann der Konzern immer noch mit respektablen Gewinnen aufwarten. So konnten die Ludwigshafener 2002 trotz trüber Konjunktur ihren Betriebsgewinn um ein Viertel steigern. Auch das Auftaktquartal in diesem Jahr bescherte BASF dank guter Erträge in der Öl- und Gassparte und starker Chemikaliengeschäfte ein Ergebnisplus von 15 %. Keine ganz leichte Aufgabe also für den Schwaben Hambrecht, die Nachfolge seines erfolgreichen Vorgängers zu anzutreten.

Analysten zuversichtlich

Nach Einschätzung von Analysten ist der 1946 in Reutlingen geborene Hambrecht der vor ihm liegenden Aufgabe aber gut gewachsen. Der vierfache Familienvater ist seit 27 Jahren im Konzern und kennt daher die BASF wie seine Westentasche. "Kein Zweifel, Hambrecht muss in große Fußstapfen treten, aber es gibt keinen Grund, warum er nicht dazu in der Lage ist", sagt etwa Deutsche-Bank-Analyst Tim Jones. Hambrecht gilt als konservativer Manager, mit Blick für das Detail. Zudem wird dem in organischer Chemie promovierten Chemiker, ein scharfes Auge für die Erkennung von Möglichkeiten zur Kostensenkungen nachgesagt.

Nach der sehr erfolgreichen Ära unter Strube sei die Nachfolgefrage schwierig gewesen, sagt Silke Stegemann, Chemieexpertin bei der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). "Die Wahl von Hambrecht als Nachfolger scheint aber geglückt zu sein", sagte sie. Hambrecht mache einen sehr kompetenten Eindruck und habe bereits der BASF neue Ziele vorgegeben, wie etwa die Stärkung der Kundenbindung und Steigerung der Kapitalverzinsung. "Auch scheint es, dass Hambrecht der Kommunikation mit den Kapitalmärkten große Bedeutung zumisst." Hambrecht übernimmt mit seinem Wechsel an die Spitze auch die Verantwortung für Investor Relations, die zuvor beim Finanzvorstand lag.

Kein dramatischer Richtungswechsel erwartet

Von einem Richtungswechsel in der künftigen Ära Hambrecht gehen Experten nicht aus. "Sie werden nicht finden, "Der Hambrecht geht jetzt in die Touristik'", sagte er selbst kürzlich in einem Zeitungsinterview. Unter Strube wurde die Verbundstrategie des Konzerns, bei der Abfall- oder Nebenprodukte kostensparend wiederum als Rohstoffe am selben Standort für andere Chemieprodukte eingesetzt werden zum geflügelten Wort. Dass er dieses bewährte Konzept - mittlerweile fast ein Markenzeichen der BASF - weiterführen will, hatte Hambrecht zuletzt mehrfach betont.

"Ich erwarte keine dramatische Änderung in der Strategie des Konzerns", prognostiziert daher auch Ulle Wörner, Chemieanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Mit großen Zukäufen rechnet der Experte derzeit nicht. "Kleine Akquisitionen etwa im Öl und Gasbereich sind aber nicht auszuschließen," so der LBBW-Analyst. Jetzt gehe es erst einmal darum, die Profitabilität der Bereiche zu steigern, die BASF in den letzten Jahren aufgebaut hat. Unter Strube hatte der Konzern Firmen mit einem Umsatz von rund zehn Mrd. ? verkauft und sich zugleich mit Zukäufen in etwa der gleichen Höhe verstärkt.

Das bei der BASF in Bezug auf Akquisitionen eher ruhigere Zeiten anstehen, hatte Hambrecht bereits angedeutet. Punktuelle Zukäufe schließt der Manager aber nicht aus. "Es gibt jedoch keine Riesenakquisition", hatte er gesagt. Einen Bereich, dessen bisherige Ergebnisse der künftige BASF-Chef noch für unbefriedigend hält, hat er auch schon ausgemacht: den Pflanzenschutz. "In diesem Jahr wird sich das Ergebnis im Pflanzenschutz verbessern - und zwar wirklich sichtbar", hatte Hambrecht in Aussicht gestellt.

Asien rückt stärker in den Blickpunkt

Asien wird nach Einschätzung von LBBW-Analyst Wörner unter Hambrecht nun noch stärker in den Blickpunkt der BASF rücken. Seit den 80er Jahren hatten die Ludwigshafener in zunehmendem Maße auf die wachsenden Märkte Süd- und Ostasiens gesetzt. Seit Anfang der 90er Jahre flossen dabei immer mehr Investitionen nach China. Bis Ende 2010 will die BASF rund ein Fünftel ihres Konzernumsatzes in Asien erwirtschaften. "Besonders in Asien und China haben wir die Möglichkeit, aus eigener Kraft zu wachsen", hatte Hambrecht im Dezember in einem Reuters-Interview gesagt. Hambrecht war unter Strube für den Aufbau in Fernost vor Ort selbst in starkem Maße mit verantwortlich. "Hambrechts Kenntnis von Asien und Europa ist sehr gut und er versteht auch gut die politischen Zusammenhänge in Asien", sagt Jones. So wurde Hambrecht 1995 die Leitung des damaligen Ostasien-Länderbereichs mit Sitz in Hongkong übertragen. Ab 1997 übernahm er im Vorstand die Leitung des neuen Ressorts Asien.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×