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13.01.2003

08:14 Uhr

Handel und Reisekonzerne auf der Sonnenseite

Starker Euro tut vielen Unternehmen weh

Die europäische Währung beweist gegenüber dem Dollar Stärke und erklimmt neue Jahreshöchststände. Für viele Exportunternehmen ist das jedoch alles andere als ein Grund zur Freude. Sie müssen um ihre Margen und Marktanteile fürchten. Aber es gibt auch Gewinner: Handel und Reisekonzerne gelten als Profiteure der Aufwertung.

bef/ebe/hz FRANKFURT/M. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking kennt die Situation. Sein Unternehmen hatte sich Anfang der 90er Jahre, als der Autohersteller ein Sanierungsfall und die gute alte Mark gegenüber dem Dollar stark war, nicht gegen Währungsschwankungen abgesichert. "Da gab es jeden Tag ein kleines Waterloo", erinnert sich Wiedeking. Manchem deutschen Unternehmen geht es derzeit ähnlich: der Euro-Höhenflug hat sie auf dem falschen Fuß erwischt. Sie müssen ihre Produkte für den Dollarraum verteuern - womit die Marktanteile in Gefahr geraten.

Zwar liefern deutsche Firmen nur rund 10 % ihrer Ausfuhren in die USA. 70 % der deutschen Exporte gehen hingegen in den Euroraum. Doch viele Firmen stehen auch in Europa und Asien in direkter Konkurrenz zu Anbietern aus dem Dollarraum - die nun günstigere Preise machen können. Besonders exportintensive Branchen bringt der Aufwärtstrend der europäischen Gemeinschaftswährung deshalb in die Bredouille. Noch ist Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement nicht alarmiert: "Die Unternehmen sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge."

Die deutschen Autobauer verfolgen die Aufwärtskurve des Euro mit Sorge. Automobil-Analyst Peter Rieth achtet derzeit besonders auf Porsche und BMW, die ein starkes US-Geschäft haben. Die Zuffenhausener Sportwagenhersteller produzieren ausschließlich im Euro-Raum, verkaufen aber die Hälfte ihrer Autos in Amerika. Doch Porsche hat die Lektion gelernt, ebenso wie die Bayern sind die Schwaben zumindest in den nächsten fünf Jahren gegen Wechselkursrisiken abgesichert. Volkswagen hingegen soll nicht ganz so gut wie BMW vorgesorgt haben, heißt es aus Branchenkreisen. Dennoch haben auch die Wolfsburger schon gegengesteuert, sie verlagern derzeit Produktion zum Standort Mexiko.

Deutliche Spuren könnte der Eurokurs nach Ansicht von Experten mittelfristig bei den Maschinen- und Anlagenbauern hinterlassen. Gerade die Anlagenexporteure hatten die Stärke der US-Währung genutzt, um Marktanteile zu gewinnen. Jetzt könnte die Dollarschwäche schmerzhaft auf die Margen der Unternehmen drücken.

Die deutsche Chemieindustrie ist dagegen weit weniger von der Dollarschwäche betroffen als angenommen. Der starke Euro macht zwar Chemiekonzernen mit hohem Umsatzanteil in Nordamerika zu schaffen - so etwa der Bayer AG und Celanese. Im Gegenzug wird jedoch auf der Einkaufsseite Öl als wichtigster Rohstoff preiswerter, heißt es beim Fachverband. Davon profitieren Pharmakonzerne nicht: sie trifft die Eurostärke heftig, weil sie vom US-Markt abhängig sind.

Auf der anderen Seite haben deutsche Unternehmen, die Importgüter aus Ländern außerhalb des Euro-Raum kaufen Grund zur Freude. Die deutschen Zigarettenfabrikanten zum Beispiel sind auf Tabak aus den Vereinigten Staaten angewiesen und können günstig einkaufen. Auch Sportartikelfabrikanten wie Adidas und Puma sind auf der Sonnenseite. Der Großteil ihrer Sportschuhe und Trikots stammt aus Fernost und muss mit Dollar bezahlt werden. Auch die Touristikkonzerne hoffen auf ein wachsendes Geschäft mit Reisen in den Dollar-Raum.

Allenfalls mittelfristig sehen die Experten Gefahren auf die Wirtschaft zukommen, sollte der Euro stark bleiben. Bundesbank-Chef Ernst Welteke bleibt gelassen: "Wir haben in den vergangenen Jahren wieder einen Rekord im Export aufstellen können. Deshalb sehe ich die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte nicht gefährdet."

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