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31.10.2013

06:00 Uhr

150 Jahre Deutsches Rotes Kreuz

Wer überall helfen will, hat neutral zu bleiben

Hilfe nach dem Maß der Not - nach diesem Grundsatz arbeitet das Deutsche Rote Kreuz seit 150 Jahren. Hier und in der Welt. Eine besondere Herausforderung liegt aber abseits aller Katastrophen.

Hilfsgüter des Deutschen Roten Kreuzes: Das Deutsche Rote Kreuz arbeitet in mehr als 50 Ländern. dpa

Hilfsgüter des Deutschen Roten Kreuzes: Das Deutsche Rote Kreuz arbeitet in mehr als 50 Ländern.

StuttgartDie Idee zum Roten Kreuz ist eher einem Zufall zu verdanken. Der Schweizer Henry Dunant wird im Jahr 1859 in Italien Zeuge der Schlacht von Solferino. Erschüttert von der Hilflosigkeit der rund 40.000 Verwundeten und Sterbenden beginnt er, Freiwillige zur Versorgung der Opfer zu bewegen - egal ob Freund oder Feind.

Mit vier gleichgesinnten Humanisten schafft Dunant später eine Organisation für freiwillige und neutrale Kriegssanitäter. 1863 geben die Gründer ihr den Namen „Internationales Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege“. Wenig später wird ein schlichtes rotes Kreuz zum Symbol bestimmt. In Deutschland entsteht der erste Verein dieser Art noch im selben Jahr 1863 in Württemberg. Das 150. Jubiläum dieser Gründung wird am Donnerstag (31.10.) gefeiert.

Das Deutsche Rote Kreuz

Wohlfahrtsverband

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist einer der großen Wohlfahrtsverbände in Deutschland mit rund 3,3 Millionen Mitgliedern. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Berlin arbeitet nach den Grundsätzen der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Halbmondgesellschaften und bekennt sich unter anderem zu Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit.

Aufgaben

Das DRK nimmt im In- und Ausland Aufgaben wahr, die sich aus den Genfer Abkommen von 1949, Bundes- und Landesgesetzen ergeben. Dazu gehören unter anderem humanitäre Hilfe bei bewaffneten Konflikten und Naturkatastrophen, Katastrophenschutz und ziviler Rettungsdienst. Bekannt sind auch der Blutspendedienst und der Suchdienst. Das DRK ist in Deutschland auch Träger von Krankenhäusern und Pflegeheimen und organisiert Sozialarbeit, Kinder- Jugend- und Familienhilfe.

Zahlen

In Deutschland waren 2012 rund 143 000 Menschen hauptamtlich beim DRK beschäftigt. Im vergangenen Jahr flossen dem Verein 22,2 Millionen Euro Spenden zu, im Katastrophenjahr 2011 waren es 67,9 Millionen Euro. Das DRK veröffentlicht seine Geschäftsberichte im Internet. Es trägt das DZI-Spendensiegel, das unter anderem für Transparenz und angemessene Verwaltungskosten steht.

Der Festakt steigt in Stuttgart, wo Henry Dunant in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für rund zehn Jahre lebte - von der Welt vergessen und mittellos. 1901 erhielt er den allerersten Friedensnobelpreis. Heute, im 150. Jahr seines Bestehens, zählt das Rote Kreuz in Deutschland 3,3 Millionen Mitglieder - darunter 400.000 ehrenamtliche und 142.700 hauptamtliche Mitarbeiter.

Die oberste Grundsätze lauten: strikte Unabhängigkeit, Überparteilichkeit und Neutralität. Wer zwischen allen Fronten helfen will, muss sich aus der Politik heraushalten. Sonst wäre es kaum möglich, Sanitäter und Ärzte in Kriegsgebiete zu schicken, in denen die jeweiligen Machthaber eigentlich keine ausländischen Helfer dulden. „Deswegen stehen wir nicht an der Spitze derer, die Kritik üben“, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters.

Fragen und Antworten zum Deutschen Roten Kreuz

Ist der Rote Halbmond dasselbe wie das Rote Kreuz?

Der Rote Halbmond ist das Schutzzeichen von Hilfsorganisationen in islamischen Ländern, die im Sinne der Genfer Abkommen arbeiten. Wie das Rote Kreuz kümmert sich der Rote Halbmond um Opfer von Katastrophen, sichern medizinische Versorgung und setzt sich für die Einhaltung der Menschenrechte ein. Die nationalen Gesellschaften sind in der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften zusammengeschlossen und Teil eines weltweiten humanitären Netzwerkes. Der Rote Halbmond ist seit 1929 formal als gleichberechtigtes Schutzzeichen anerkannt.

Wer finanziert das DRK?

Zunächst mal die gut 3,3 Millionen Mitglieder. Ohne regelmäßige Spenden geht es aber nicht - vergangenes Jahr waren es 22,2 Millionen Euro. Bundesregierung, Länder und Kommunen stellen zweckgebundene Mittel für Aufgaben bereit, die im öffentlichen Interesse liegen. Weiteres Geld gibt es aus der Kostenerstattung der gesetzlichen Sozial- und Krankenversicherungsträger. Trotz dieser Finanzierung ist das Rote Kreuz aber keine staatliche Organisation.

Gibt es regionale Unterschiede?

Ja. So gibt es in den nördlichen Bundesländern deutlich mehr Kindertagesstätten unter Federführung des DRK als in den südlichen. Nach Angaben des DRK in Stuttgart gibt es in Baden-Württemberg nicht mal zehn DRK-Kitas, im Norden seien das acht- bis zehnmal so viele. Dafür ist der Süden besonders stark beim Rettungsdienst: So liege der Anteil des DRK im Süden bei 80 Prozent, in Norddeutschland hingegen bei nur 50 Prozent. Beim ehrenamtlichen Engagement gibt es ein West-Ost-Gefälle.

Wer hat das Rote Kreuz gegründet?

Das war der Schweizer Kaufmann Henry Dunant, der später dafür auch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. 1859 trifft er durch Zufall auf das Schlachtfeld von Solferino. Erschüttert von den Hilferufen der rund 40 000 sterbenden und verwundeten Soldaten, beginnt er, Freiwillige aus der Gegend zur Versorgung der Opfer - egal ob Freund oder Feind - zu bewegen. Am 17. Februar 1863 gehört Dunant zu den Gründern des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes. Zur 1. Genfer Konferenz treffen sich Delegierte aus 16 Nationen, um Dunants Ideen weiterzuentwickeln.

Was sind die Genfer Abkommen?

Die Genfer Abkommen sind Kernstück des humanitären Völkerrechts. Sie schützen Menschen vor Grausamkeit und Unmenschlichkeit in Kriegssituationen. Dies gilt insbesondere für Verletzte, Kranke, Schiffbrüchige und Zivilpersonen. 194 Staaten haben die Genfer Abkommen ratifiziert.

Im Ersten Weltkrieg ist das Deutsche Rote Kreuz dann in vielen den Lazaretten und Spitälern präsent. Später wird es von den Nazis schrittweise gleichgeschaltet. Per Gesetz wird das DRK dem NS-Staat vollständig einverleibt. Nach dem Zweiten Weltkrieg steht der Suchdienst im Fokus: Nach eigenen Angaben gelingt es dem DRK in den Folgejahren, die Familien von 16 Millionen ausgebombten, vermissten, verschleppten und vertriebenen Menschen wiederzufinden.

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