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18.10.2013

06:00 Uhr

200 Jahre Völkerschlacht

Vom Nationalismus zur Versöhnung

Sie gilt als größte und blutigste Schlacht bis zum Ersten Weltkrieg: Die Völkerschlacht zu Leipzig 1813. Vielfach wurde sie politisch instrumentalisiert. Zum 200. Jahrestag heißt das Motto jedoch: Versöhnung.

Feier in Uniformen: Leipzig erinnert in diesen Tagen an die Völkerschlacht vor 200 Jahren. dpa

Feier in Uniformen: Leipzig erinnert in diesen Tagen an die Völkerschlacht vor 200 Jahren.

LeipzigWie ein Raubvogel blickt der steinerne Erzengel Michael, Schutzpatron der Deutschen, den Besuchern des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig entgegen. Über der Statue erhebt sich das massige Denkmal. 1913 fertiggestellt, sollte es an den vermeintlichen Aufstand des deutschen Volkes gegen Napoleons Vorherrschaft und an den Sieg in der Völkerschlacht 1813 erinnern. „Dabei“, sagt Steffen Poser, Leiter des Völkerschlachtdenkmals, „war die Völkerschlacht nichts weniger als ein deutscher Volksaufstand. Mit viel gutem Willen könnte man von einem preußischen Volksaufstand sprechen.“

Jede Zeit und jedes politische System hat sich das blutige Ereignis vor den Toren Leipzigs zurechtgedeutet. Jetzt steht der 200. Jahrestag der Völkerschlacht an - und lässt die Frage nach der Einordnung der gewaltigen Schlacht neu aufkommen. Zum Jahrestag sind in der Stadt zahlreiche Veranstaltungen geplant, die Gedenkwoche beginnt am 16. Oktober und endet am 20. Oktober mit einer großen historischen Nachstellung des Gemetzels.

„Wir sprechen nicht von einem Jubiläum, sondern von einem Erinnern und Gedenken an die Völkerschlacht. Wir wollen darstellen, dass es sich um ein sehr ernstes Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte handelt“, sagt Volker Rodekamp, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums in Leipzig und Organisator der Feierlichkeiten.

Vom 16. bis 19. Oktober 1813 kämpften die verbündeten Truppen Preußens, Russlands, Schwedens und Österreichs gegen die Armeen Napoleons. 500.000 Soldaten standen auf den Schlachtfeldern. Die Verluste waren gewaltig: Mehr als 90.000 Mann kamen ums Leben. Am Ende müssen die Franzosen geschlagen abziehen. Die Völkerschlacht reiht sich damit in eine Kette von Niederlagen Napoleons - vom verheerenden Russlandfeldzug 1812 bis zur letzten Schlacht in Waterloo (Belgien) 1815.

Kommentare (1)

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Weltgeist

18.10.2013, 11:10 Uhr

Was eiern die Herren Poser, Britsche und Rodekamp in ihrer "Wir-sind-alle-so-lieb" Ansprache nur herum?
Natürlich war es eine nationale, gerechte Erhebung gegen das französische Joch. Eine Begeisterung, bewegend beschrieben u.a. durch Theodor Körner.
Wir müssen uns das vorstellen, Hundertausende haben ihr Leben eingesetzt, das geht nicht nur durch Kabinettsbeschluss.
Natürlich hätte ich gerungen und gezweifelt, an diesem Befreiungskampf teilzunehmen, weil ich Napoleon, der einen Stab Wissenschaftler auf seine Kampagnen mitnahm, bewundere. Das kg, Meter, Stein von Rosette, Fourier
Analysis und "Jeder hat den Marschallstab im Tornister", das danken wir Napoleon. Und weil später 1848 die Erwartungen enttäuscht wurden. Aber da zeigten Studenten die deutschen Farben.
Und nun überschlägt sich unser Dreigestirn und hat wohl die Jahrhunderte verwechselt: nur eine "Episode" (es war das Ende Napoleons in Deutschland!). "Versöhnung", "[kein] Revanchismus", (Revanche wofür? Napoleon wurde
besiegt, vielleicht Reparationszahlungen?), "Aufklärungsarbeit", "Brücke bauen". Ist das eine Satire? Nein leider nicht, es ist ein Beispiel deutscher
Schuld- und Minderwertigkeitskultur und wie mit Gesinnung statt mit Verstand Karriere befördert wird. Keine Panik, es ist ok, wenn man stolz ist, Deutscher zu sein.
Bei soviel Urteilskraft darf ich das Dreigespann bitten, ihre Bewertung der Varusschlacht abzuliefern. Vielleicht zusammen mit einer Entschuldigung und Versöhnungsanzeige an den römischen Senat?

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