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03.03.2014

13:43 Uhr

Ärztemangel

Worauf man sich als Patient einstellen muss

Die Zeit der Einzelkämpfer in der Arztpraxis geht dem Ende zu. Das meinen die Krankenkassen. Patienten müssen sich umgewöhnen - doch einen Königsweg gegen Ärztemangel gibt es nicht.

Unbesetzte Arztpraxis: Telemedizin ist eine Möglichkeit für die medizinische Versorgung in der Zukunft. dpa

Unbesetzte Arztpraxis: Telemedizin ist eine Möglichkeit für die medizinische Versorgung in der Zukunft.

BerlinZuhause haben die Patienten mit Herzschwäche Waage, EKG- und Blutdruckmessgerät. Täglich messen sie ihre Werte. Mit einem weiteren Gerät leiten sie die Daten von ihrem Wohnort auf dem Land in Brandenburg an die Berliner Charité weiter. Von dort können Ärzte und Pfleger telefonisch eingreifen, in Absprache mit Ärzten vor Ort etwas an der Medikation ändern oder einen Notarzt losschicken.

Noch ist es eine Studie, um Telemedizin zu testen - doch sie weist einen von vielen Wegen für eine andere medizinische Versorgung in der Zukunft. Auf was müssen sich Patienten in Deutschland also einstellen?

Ärztemangel macht erfinderisch

Zuschüsse

Viele Länder bieten Medizinern Zuschüsse von mehreren zehntausend Euro, damit diese sich in strukturschwachen Regionen niederlassen. In Bayern gibt es dafür bis zu 60.000 Euro, Baden-Württemberg stellt bis zu 30.000 Euro zur Verfügung, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen fördern mit bis zu 50.000 Euro.

Studienförderung

In vielen Ländern fängt die Förderung schon in der Uni an. So können Medizin-Studenten in Sachsen auf ein Stipendium von 1000 Euro pro Monat hoffen, wenn sie sich verpflichten, nach dem Studium als Hausarzt aufs Land zu gehen. Außerdem werden für künftige Landärzte in Sachsen sogar die Studiengebühren an der ungarischen Universität Pécs übernommen. Das Angebot zielt auf junge Menschen, die wegen des Numerus clausus in Deutschland nicht Medizin studieren können. Auch in Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Niedersachsen gibt es Studien-Förderungen.

Anstellung

Drei Gemeinden an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste wollen Ärzte anstellen, um die medizinische Versorgung zu gewährleisten. In Büsum, Lunden und St. Michaelisdonn im Kreis Dithmarschen werden „kommunale Eigeneinrichtungen“ entwickelt. Dort sollen die Kommunen Ärzte in „Gemeindepraxen“ anstellen. Damit haben die Mediziner den Vorteil fester Arbeitszeiten sowie kein finanzielles Risiko wie bei dem Aufbau einer eigenen Praxis.

Rollende Praxis

Im niedersächsischen Landkreis Wolfenbüttel soll eine rollende Praxis, die in den ländlichen Regionen unterwegs ist, die Hausärzte in der Region entlasten. In Brandenburg sind es mobile Krankenschwestern, die den Ärzten kleinere medizinische Maßnahmen abnehmen sollen.

Wohnort

Rheinland-Pfalz will den ländlichen Raum attraktiver machen, indem es Hausärzten nicht mehr vorschreibt, am Praxisort auch wohnen zu müssen.

Geht es nach Deutschlands Krankenkassen, soll kräftig umgebaut werden. „Wir glauben, dass wir wegkommen müssen vom Einzelkämpfer-Dasein“, sagt der Vizechef des Verbands, Johann-Magnus von Stackelberg. Noch stehen nach jüngsten Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) rund 82.000 Einzelpraxen etwa 20.000 Gemeinschaftspraxen und gut 1800 Medizinische Versorgungszentren gegenüber. Doch immer mehr Ärzte arbeiten gemeinsam unter einem Dach oder sind angestellt.

Die Kassen wollen den Trend verstärken. Denn mit dem Älterwerden der Gesellschaft haben immer mehr Menschen gleichzeitig mehrere Krankheiten - zum Beispiel Allgemeinmediziner, Internisten und Orthopäden unter einem Dach sind da besser. Doch scheut auch der Nachwuchs oft den vollen Einsatz mit Überstunden und der ganzen wirtschaftlichen Verantwortung.

Die Sorge gilt vor allem den Hausärzten. Etwa nur jeder zweite findet heute einen Nachfolger. Ihr Prestige ist unter angehenden Medizinern oft gering. Und mehr als zwei Drittel der Medizinabsolventen sind Frauen. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, hat für sie oft höhere Priorität als bei Männern. Übernahme einer Einzelpraxis im Vollzeitjob? Viele winken ab.

Kommentare (1)

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03.03.2014, 14:40 Uhr

Ärztemangel ist genau so eine Lüge wie Fachkräftemangel. Schließlich verlassen Tausende Ärzte jährlich Deutschland. Es gibt also - wie bei Ingenieuren keinen Mangel, sondern ein Problem bei der Bezahlung.
Und dies muß korrigiert werden. In Regionen mit Ärzteüberschuß muß das Honorar gesenkt und in ländlichen Regionen muß es erhöht werden.
Ebenso müssen viel mehr Ärzte ausgebildet werden. Iregdnwann müssen die Probleme eben mal angepackt werden.
Und die Kosten? Solange die medizinische Versorgung allein mit Geldern aus Lohneinkünften bezahlt werden müssen wird das nie gehen. Ebenso wie in der Schweiz müssen irgendwann alle Einkünfte mit Sozialbeiträgen belastet werden. Dies ist insbesondere in Zeiten sinkender Löhne angezeigt.

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