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03.02.2014

10:09 Uhr

Alternative zu Tierversuchen

Versuche an „Menschen auf dem Chip“

Noch sind Tierversuche in der medizinischen Forschung unverzichtbar. Nicht nur aus ethischen Gründen wachsen aber Zweifel daran. In den USA wird nun eine Alternative ausprobiert: an menschlichen Organen im Miniformat.

Immer intensiver suchen Forscher Alternativen zu Tierversuchen – auch, weil viele Versuche am Tier noch einmal am Mensch wiederholt werden müssen. dpa

Immer intensiver suchen Forscher Alternativen zu Tierversuchen – auch, weil viele Versuche am Tier noch einmal am Mensch wiederholt werden müssen.

KonstanzWenn Marcel Leist über seine Kollegen in den USA spricht, meint man fast, so etwas wie Neid herauszuhören. „Dort forschen sie an sogenannten Organs on a chip, also Organen im Miniformat“, sagt der Toxikologe, der Deutschlands einzigen Lehrstuhl für Alternativen zu Tierversuchen innehat. An der Universität Konstanz am Bodensee untersucht Leist mit seinem Team, wie man Tests an Tieren vermeiden oder sie zumindest möglichst schmerz- und stressfrei vornehmen kann. „Wir wollen die Gesamtmenge Leiden verringern.“

Daher auch der neidvolle Blick in die USA: Denn dort wurden laut Leist entsprechende Forschungen im vergangenen Jahr mit 200 Millionen Dollar (knapp 150 Millionen Euro) gefördert. Zum Vergleich: Die EU stellte rund 150 Millionen Euro bereit - in den vergangenen 15 Jahren. US-Wissenschaftler hätten an der Universität Harvard beispielsweise eine Art Mini-Lunge hergestellt, die atmen kann, sagt Leist. Das Ziel: mehrere dieser Organe - beispielsweise Leber, Niere, Herz, Lunge - miteinander zu verbinden, um für Tests eine Art „Menschen auf dem Chip“ zu erhalten.

Aber auch in Europa gibt es bereits einige Alternativen zu Tierversuchen - beispielsweise In-Vitro-Verfahren, bei denen Substanzen an menschlichen oder tierischen Zellen getestet werden. Leist, der auch das 2010 gegründete Zentrum für Alternativen zum Tierversuch in Europa (CAAT-Europe) leitet, entwickelt ebenfalls tierversuchsfreie Testverfahren, um Chemikalien auf ihre Schädlichkeit für das Nervensystem zu untersuchen. Doch soweit, ganz auf Tierversuche zu verzichten, sei man noch lange nicht, sagt der Toxikologe. „Was in 100 oder 200 Jahren ist, weiß man nicht. Aber in den nächsten 20 Jahren sind sie noch absolut unverzichtbar.“

Allein in Baden-Württemberg wurden 2012 mehr als 544 000 Wirbeltiere in Tierversuchen verwendet oder für wissenschaftliche Zwecke getötet. Bundesweit waren es 2012 knapp 3,1 Millionen Tiere, wie aus einer Statistik des Bundesagrarministeriums hervorgeht. Darunter waren mehr als 2,2 Millionen Mäuse, außerdem 418 000 Ratten, 166 000 Fische und 97 000 Kaninchen.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte gesundheitliche Risikofaktor?

Tierschützer, aber auch manche Wissenschaftler, halten Tests an Tieren unter anderem aus ethischen Gründen für nicht vertretbar. „Das Quälen und leidvolle Töten von Tieren ist moralisch verwerflich“, heißt es beispielsweise beim Verein „Ärzte gegen Tierversuche“. Die Tiere würden dabei zu Messinstrumenten degradiert, die nach Gebrauch weggeworfen würden. „Doch auch Tiere haben ein Recht auf artgemäßes Leben und Unversehrtheit, das geachtet werden muss.“

Kommentare (2)

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Inhumanmedizin

03.02.2014, 14:21 Uhr

1. Tierversuche, die für die Tiere mit Qualen und Stress verbunden sind, verbieten sich allein schon aus ethischen und rationalen Gründen: Eine Inhumanmedizin behandelt auch Menschen inhuman, wie wir täglich beobachten können und zerstört die Basis jeder Zivilisation und die Basis nachhaltigen Überlebens: Eine tiefe Ehrfurcht vor allem Leben, die verhindert, dass wir das Leben auf diesem Planeten zerstören, was wir in täglich steigendem Maße tun.
2. Tierversuche sind kontraproduktiv, denn die Ergebnisse lassen sich eben nicht auf den Menschen übertragen, was immer wieder zu fatalen Fehleinschätzungen führt. Und sie lenken die Medizin in die falsche Richtung. Statt sich damit zu befassen, wie man Krankheiten verhindern kann, richtet sich unsere Medizin auf die platte Behandlung von Symptomen, statt die systemischen Ursachen zu beseitigen, und erzeugt dank der unerwünschten Nebenwirkungen der eingesetzten Medikamente Neuerkrankungen. Die Pharmaindustrie freut's, denn an gesunden Menschen hat sie naturgemäß keinerlei Interesse.
3. Es ist daher hohe Zeit, an Alternativen zu forschen. Aber das allein reicht nicht. Wir brauchen ein grundlegendes Umsteuern der Medizin hin zur präventiven Medizin. In China bekommt ein Arzt nur solange Geld, solange sein Patient gesund ist.

fuerTiere

06.02.2014, 13:31 Uhr

- Für Tierversuche müssen Tiere extremste Schmerzen und Qualen ohne Narkose ertragen
- Für viele Tierversuche werden Tiere qualgezüchtet oder absichtlich krank gemacht
- Tierversuche gefährden die Gesundheit des Menschens, da Ergebnisse nicht auf den Mensch übertragbar sind (auch Contergan wurde ausreichend an Tieren getestet!)
- Für Tierversuche werden Steuergelder in gigantischen Summen verschwendet
- Tierversuche behindern den medizinischen Fortschritt
- Jedes Jahr sterben allein in Deutschland über zwei Millionen Tiere im Tierversuch
- Es gibt ausreichende Alternativen zu Tierversuchen

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