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21.09.2014

14:28 Uhr

Alzheimer

Die Krankheit des Vergessens

VonJulia Hortig

Vitamin D, Cannabis oder Koffein: Forscher weltweit versuchen einen Wirkstoff zu finden, der die Entwicklung von Alzheimer stoppen kann. Bisher erfolglos, die „Volkskrankheit Nummer eins“ gilt noch immer als unheilbar.

Unseliges Vergessen: Vor gut 100 Jahren entdeckte der Psychiater Alois Alzheimer erstmals die Hirnveränderungen die zu der nach ihm benannten Krankheit führen. Bis heute gilt sie als unheilbar. dpa

Unseliges Vergessen: Vor gut 100 Jahren entdeckte der Psychiater Alois Alzheimer erstmals die Hirnveränderungen die zu der nach ihm benannten Krankheit führen. Bis heute gilt sie als unheilbar.

Es fängt schleichend an. Zuerst ist es das Vergessen eines Namens oder ein verlegter Schlüssel, im späten Stadium werden dann selbst Angehörige vom Erkrankten nicht mehr erkannt: Die Diagnose Alzheimer trifft viele Patienten schwer, die Angst vor neurologischen Erkrankungen ist groß.  Denn wer an der Alzheimer-Krankheit leidet, verliert nach und nach sein Gedächtnis. Die geistigen Fähigkeiten wie das Sprachverständnis oder das Orientierungsvermögen nehmen langsam immer mehr ab, die Erkrankten werden zunehmend hilfloser und sind auf Betreuung angewiesen.

Nach Angaben des Alzheimer-Weltberichts leiden mehr als 36 Millionen Menschen an Demenz. Bis zum Jahr 2030 werden den Vorausberechnungen zufolge sogar mehr als 65 Millionen Menschen erkrankt sein. Eine Aussicht auf Heilung gibt es nicht, es wurde noch kein Mittel gefunden, das den geistigen Verfall stoppt.

 Die schleichende Krankheit

Eine frühe Diagnose kann zwar dabei helfen den Abbau-Prozess zu verlangsamen, der sich oft über Jahrzehnte hinzieht. Wo die Zerstreutheit aufhört und die Krankheit anfängt, ist oft nicht klar zu erkennen, da gerade ältere Menschen zu den Betroffenen zählen.

Nicht jeder verlegte Schlüssel deutet auf Alzheimer hin. Allerdings sind Wissenschaftler sich einig, dass die Krankheit schon lange vor den ersten deutlichen Symptomen beginnt.

 „Error“ im Gehirn

Eine abnormale Ablagerung von Eiweißstoffen, den sogenannten Beta-Amyloiden, gilt als Auslöser. Bei gesunden Menschen werden diese Ablagerungen im Gehirn im selben Maße wie sie auch produziert werden, entfernt. Ganz anders das Hirn des Alzheimer-Kranken: hier funktioniert dieser Abbau nicht schnell genug. Es bilden sich Ansammlungen und Verklumpungen, die schließlich auch zu einem Verlust von Nervenzellen und dem Abbau von Hirnsubstanz führen.

 Cannabis als mögliches Heilmittel?

Trotz intensiver Forschungsbemühungen ist es den Wissenschaftlern noch nicht gelungen herauszufinden, warum ein Mensch an Alzheimer erkrankt.

Je schneller jedoch eine Diagnose gestellt und eine Therapie begonnen werden kann, desto größer sind die Chancen auf eine Verzögerung der Demenz. Eine medikamentöse Behandlung der Betroffenen kann insbesondere im frühen und mittleren Stadium die Alzheimer-Symptome lindern und das Fortschreiten der Krankheit hinauszögern.

Und immer wieder werden neue Mittel oder Methoden auf ihre Wirksamkeit überprüft. Zuletzt haben US-Forscher laut dem „Journal of Alzheimer’s Disease“ in der Cannabis-Pflanze einen Wirkstoff entdeckt, der bei der Behandlung helfen könnte. Eine niedrige Dosis des Cannabis-Wirkstoffes THC könnte die Verklumpungen im Gehirn verhindern.

Ähnlich positive Auswirkung werden Vitamin D oder Koffein nachgesagt: Ein deutsch-französisches Forscherteam hat herausgefunden, dass sich die psychoaktive Substanz die sich in Kaffee oder Tee befindet, positiv auf die Ablagerungen im Gehirn auswirkt. Außerdem soll ein zu niedriger Vitamin D-Spiegel das Risiko, an Demenz zu erkranken, deutlich erhöhen.

 Keine Angst vor der Diagnose

Die Furcht vor Alzheimer bleibt. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leiden alleine in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen an Demenz, bis zum Jahr 2050 soll die Anzahl auf 3 Millionen ansteigen. Selbst ohne einen Durchbruch in der Therapie, würden 74 Prozent der Menschen weltweit es wissen wollen, ob sie an einer neurologischen Erkrankung wie Alzheimer leiden – selbst, wenn diese als unheilbar gilt. Eine aktuelle Studie hat sich eingehend damit beschäftigt, wie die Betroffenen diese Nachricht aufnehmen würden. 76 Prozent der Frauen und 70 Prozent der Männer weltweit wollen demnach erfahren, woran sie erkrankt sind. Einer der Gründe dafür lautet, dass die Betroffenen dann schneller mit einer Behandlung anfangen können, die ihnen hilft, die Symptome besser in den Griff zu bekommen. Die Diagnose „Unheilbar“ ist somit kein Grund, alle Hoffnungen zu verlieren.

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