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14.08.2013

12:09 Uhr

Analyse der Umwelthilfe

Unternehmen leiden nicht unter Energiewende

Die Deutsche Umwelthilfe stellte am Mittwoch ihre Analyse zu den Strompreisen für die deutsche Industrie vor.

Umspannwerk eines Stromversorgers: Ist die Energiewende zurecht Sündenbock für die steigenden Kosten? dapd

Umspannwerk eines Stromversorgers: Ist die Energiewende zurecht Sündenbock für die steigenden Kosten?

BerlinDie deutsche Industrie ist nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wegen sinkender Strompreise der große Gewinner der Energiewende. "Große Teile der Industrie und vor allem die energieintensive Branche profitiert von der Energiewende", sagte der Geschäftsführer des Umweltverbandes DUH, Michael Spielmann, am Mittwoch in Berlin.

Der Ausbau des Ökostroms habe die Börsenpreise in den letzten Jahren massiv gedrückt, wovon in erster Linie die Großabnehmer Vorteile hätten. Der Kunden-Verband der industriellen Kraftwirtschaft (VIK) belege dies auch mit einem von ihm berechneten Preisindex, der auf dem niedrigsten Stand seit acht Jahren liege.

Etwa die Hälfte des Industrie-Stromverbrauchs ist zudem von der Umlage zur Ökostrom-Förderung befreit, um die Betriebe im internationalen Wettbewerb zu schützen. Die Bundesregierung hatte diese Privilegierung ausgedehnt. 2014 werde sie einen neuen Rekordstand von sieben Milliarden Euro erreichen, sagte die DUH voraus. In diesem Jahr waren es fast fünf Milliarden Euro, 2012 noch 2,7 Milliarden Euro.

Für die von Teilen der Industrie behauptete Bedrohung der Wettbewerbsfähigkeit gebe keinen einzigen tragfähigen volkswirtschaftlichen Hinweis, sagte Spielmann. Im Vergleich zum europäischen Ausland habe sich die Schere im Vergleich zu Ländern mit billigerem Strom geschlossen, im Vergleich zu Ländern mit höheren Preisen wie Italien oder Großbritannien dagegen ausgeweitet.

Selbst in den USA, deren Energiepreise stark von der Fracking-Fördermethode für Gas und Öl profitiert hätten, seien die Börsenpreise in den vergangenen Jahren nicht stärker als in Deutschland gesunken und zuletzt sogar wieder gestiegen.

Die Kosten der Industrie-Sonderregelung müssen wiederum die übrigen Verbraucher über die Ökostrom-Umlage mitschultern. Haushalte und mittelständische Betriebe würden so von steigenden Strompreisen weit überdurchschnittlich belastet, kritisierte Spielmann. Wie erwartet seien zudem die Versorger Verlierer der Energiewende. RWE und E.ON hatten wegen des Verfalls der Großhandelspreise angekündigt, zahlreiche Kohle- und Gas-Kraftwerke vom Netz zu nehmen, da sie nicht mehr kostendeckend produzierten.

Von

dpa

Kommentare (8)

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SteuerKlasseEins

14.08.2013, 14:06 Uhr

Wenn man jetzt schon von anderen gesagt bekommt, was gut für einen ist, kann man wohl das Denken einstellen, und jegliche Kritik oder Protest ist damit zwecklos. Man wird praktisch mundtot gemacht.

Genau das wird hier versucht: Die Industrie hat sich mit klaren Worten geäußert, und die Deindustrialisierung ist nicht nur Theorie, sondern ist schon längst im Gange. Die deutschen Autohersteller fertigen bereits in China...

Docto_homini_vivere_cogitare

14.08.2013, 16:22 Uhr

Fragt sich, ob die Deindustrialisierung ein Problem der Energiewende ist oder ob es diesen Effekt nicht auch schon vorher gab.
Außerdem stört mich an der ganzen Debatte um "DIE ENERGIEWENDE", dass nur die wirschaftliche Seite betrachtet wird und Erneuerbare Energie meiner Meinung nach an Akzeptanz in der Bevälkerung verlieren.
Es muss allerdings nicht nur der Faktor "GELD" in Betracht gezogen werden, sondern der Nutzen (auch auf längere Sicht).
Außerdem sollte man sich fragen, warum der Strom überhaupt so billig ist und warum wir in so einem Überfluss leben? Warum können/wollen wir es uns Leisten 5 Smartphones im Jahr zu besitzen und alle 5-10 Jahre ein neues Auto? Woher kommt dieser Gedanke? Warum müssen wir konsumieren? Wieso MUSS unsere Wirtschaft wachsen? Was sind die Kosten (ökologisch) dafür? Warum können wir es uns Leisten Jeans aus Indien oder I-Phones aus China zu kaufen, die dafür sorgen, dass dort die Umwelt schonungslos zerstört wird? Warum kann es sich die Menschheit leisten die Erde innerhalb von wenigen Jahrhunderten völlig unbewohnbar zu machen?
Warum können wir es uns dann nicht leisten in Forschung zu investieren und einen angemessenen Preis für Strom zu bezahlen?

SteuerKlasseEins

14.08.2013, 18:00 Uhr

Es sollte in der Tat nicht kollekiv für Alle irgendetwas von oben herab beschlossen werden. Die ideale Gesellschaft ist die, in der jeder Einzelne ein Maximum an individueller Freiheit hat. D.h. jemand der in größerem Wohlstand leben will, kann danach streben. Wer andere Dinge mehr schätzt und ökologisch leben will kann sich auch frei entfalten.

Unser Problem ist der Kollektivismus, der nahezu allen Parteien (mit winzigen Ausnahmen, Teile der FDP, PdV) gemeinsam ist. Man will auf Basis einer demokratischen Abstimmung das Schicksal aller Bürger "in einen Topf" werfen, und für alle entscheiden. Im aktuellen Beispiel wird zentral entschieden, daß jetzt das ganze Land auf Ökostrom umstellen soll, ob die einzelnen das nun wollen oder nicht. Das ist für jeden freiheitsliebenden Menschen inakzeptabel!

Sicherlich gibt es bei der Gewährung maximaler Freiheit für jeden Einzelnen auch Grenzen. (nach dem Motto: Die Freiheit seine Faust zu schwingen hört am Kinn des Nachbarn auf.) Dinge die allen gemeinsam gehören, so wie Flüsse, Straßen, Seen, Atmosphäre/Klima müssen (solange sie nicht auch privatisiert werden) demokratisch verwaltet werden. Wenn man jetzt soweit geht daß die ganze Energieversorgung deshalb umgebaut werden soll, hört aber das Verständnis auf. Die Umwelt ist dann nur noch ein Alibi für andere Ziele der Politiker.

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