Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.05.2014

10:23 Uhr

Anti-Diät-Tag

Getrieben vom Magerwahn

Gegen Magerwahn und ungesunde Ernährung hat Feministin Mary Evans Young den Anti-Diät-Tag initiiert. Sie litt selbst an Magersucht.

Falsches Schönheitsideal: Isabelle Caro wurde mit einer vieldiskutierten Plakat-Kampagne bekannt. Mittlerweile ist die Französin an den Folgen der Magersucht gestorben. dpa

Falsches Schönheitsideal: Isabelle Caro wurde mit einer vieldiskutierten Plakat-Kampagne bekannt. Mittlerweile ist die Französin an den Folgen der Magersucht gestorben.

Diäten gehören angesichts des in Werbung und Medien weit verbreiteten Schlankheitsideals heutzutage für viele zum Alltag. Geht die Fastenkur allerdings weiter, obwohl das gewünschte Gewicht erreicht ist, nimmt das Streben nach dem vermeintlichen Idealgewicht krankhafte Züge an. „Ich finde es beispielsweise gut, wenn Frauenzeitschriften auch normalgewichtige Models zeigen – und zwar nicht nur einmal im Jahr am Anti-Diät-Tag“, sagt Laura Pape, die an Magersucht litt. In wenigen Monaten hungerte sie sich rund 20 Kilo ab.

Laura Pape hat ein Buch über ihre Magersucht geschrieben. dpa

Laura Pape hat ein Buch über ihre Magersucht geschrieben.

Auch die Initiatorin des internationalen Anti-Diät-Tags kämpfte mit einer Essstörung: Die britische Feministin Mary Evans Young rief den Tag nach einer überstandenen Magersucht ins Leben. Seit 1992 wird der No-Diet-Day in vielen Ländern am 6. Mai begangen. Er soll auf Gesundheitsrisiken durch falsches Abnehmen hinweisen und wirbt für den Kampf gegen Essstörungen.

Viele Menschen liefen einem Schönheitsideal hinterher, das sich mit einem gesunden Lebensstil nicht vereinbaren lasse, warnen Vereine. Besonders die sogenannten Jo-Jo-Diäten könnten zu gesundheitlichen Schäden führen, wenn das Gewicht nach einer Hungerkur umso schneller wieder steigt.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte gesundheitliche Risikofaktor?

Auch bei Laura Pape begann die Krankheit mit einer ersten Diät und dem gefürchteten Jo-Jo-Effekt. „Schon in der fünften Klasse habe ich die erste gemacht, weil meine Mitschülerinnen immer etwas schlanker waren als ich“, erinnert sich die heute 20-Jährige. „Nach ein, zwei Wochen gesunder Ernährung kam die Lust auf Schokolade.“ Und das Gewicht schnellte in die Höhe.

Während Gesunde ihre normalen Essgewohnheiten nach einer Diät wieder aufnehmen, hungern Magersüchtige weiter – auch wenn die Gesundheit Schaden nimmt: Magen- und Darmbeschwerden, Herz-Kreislauf-Störungen, Osteoporose oder organische Schäden können die Folge sein. Vor allem die Seele leidet unter dem Schlankheitswahn: Es drohen Schlafstörungen, Panikattacken und Depressionen. „Für mich war das Schwerste, vom ständigen Kalorienzählen loszukommen“, erinnert sich Pape an die Zeit, in der sie der Kontrollwahn verfolgt hat. Als Risikogruppe gelten Fachleuten zufolge vor allem Mädchen und Frauen zwischen 15 und 24 Jahre, junge Männer sind erheblich seltener betroffen.

Anti-Diät-Tag: „Heidi Klum sollte über Essstörungen aufklären“

Anti-Diät-Tag

„Heidi Klum sollte über Essstörungen aufklären“

Laura Pape hat die Magersucht überwunden und will nun andere für das Thema sensibilisieren.

Essstörungen wie Magersucht oder Ess-Brech-Sucht gehören zu den häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen im Kindes- und Jugendalter. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden 2012 in deutschen Krankenhäusern rund 11.500 Fälle behandelt. Einer Studie des Instituts zufolge sind Kinder aus wirtschaftlich schwächeren Familien sowie Migranten in Deutschland besonders gefährdet.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.05.2014, 13:47 Uhr

Ohne jetzt das Problem „Magersucht“ wegwischen zu wollen, denke ich doch, dass „Dünne“ nicht das Problem reicher Länder wie z.B. Deutschland sind.

Wir sind im Durchschnitt viel zu fett und das kostet!!

Zitat aus dem verlinkten Artikel, den ich mal als seriöse Quelle interpretiere:

„Die Kosten der Adipositas allein im Gesundheitswesen mit über 20 Mrd. € p.a. übersteigen die
direkten Kosten von Alkohol (ca. 10 Mrd. € p.a.) und Tabak (ca. 8 Mrd. € p.a.) deutlich.“

http://www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/bwl/rechtderwirtschaft/institut/2013_09_24_DGepi-Poster_Kosten_von_Adipositas_in_Deutschland_Tobias_Effertz.pdf

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×