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22.05.2014

17:33 Uhr

Antibiotikaresistenz

Böse Keime in unseren Mettbrötchen

Massenhafter Antibiotika-Einsatz in der Tiermast steht seit langem in der Kritik - weil Keime widerstandsfähig gegen die Arznei werden. Die Grünen warnen, solche Bakterien könnten auch in Mettbrötchen landen.

Keime in Wurstprodukten: Antibiotikaresistente Keime gefährden die Gesundheit. dpa

Keime in Wurstprodukten: Antibiotikaresistente Keime gefährden die Gesundheit.

BerlinIn mehreren Wurstprodukten aus Supermärkten sind in einer Stichprobe problematische Keime gefunden worden - besonders in Puten-Zwiebelmettwurst. In 10 von 63 Proben wurden ESBL-Bakterien nachgewiesen, wie die Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion ergab. Diese Keime produzieren Enzyme, die sie gegen Antibiotika resistent machen. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter kritisierte das Tiermastsystem. „Mit den Produktionsmethoden beim Billigfleisch gefährden wir unsere eigene Gesundheit.“ Kritiker warnen, dass ESBL-Keime durch den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung ins Fleisch gelangen können. Die Verwendung soll generell sinken.

Dem Bundesernährungsministerium liegen keine belastbaren Daten vor, an denen sich ein allgemeiner Trend wie in der Grünen-Untersuchung festmachen ließe. Generell sei das Problem antibiotikaresistenter Keime sehr ernst zu nehmen, sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Berlin. Ansatzpunkt neuer rechtlicher Vorgaben für Tierhalter und Tierärzte sei daher, die Menge und Häufigkeit umstrittener Antibiotika-Gaben in der Nutztierhaltung zu reduzieren.

Die Spur der Antibiotika

Kritische Keime in Wurstprodukten

Wenn Kunden im Supermarkt eine Zwiebelmettwurst kaufen, machen sich wohl nur wenige Gedanken über mögliche späte Spuren der Tierhaltung. Dabei können manche Mettbrötchen kritische Keime tragen, wie eine Stichprobe im Auftrag der Grünen im Bundestag ergab. Das Problem: Diese Bakterien sind widerstandsfähig gegen infektionshemmende Antibiotika. Kritiker warnen seit langem, dass die massenhafte Medikamentengabe in Mastanlagen auch Auswirkungen auf Lebensmittel haben kann. Generell sollen weniger Antibiotika in den Stall. Denn zusehends schlagen sie auch bei Menschen nicht mehr an.

Ergebnisse der Untersuchung der Grünen

Für eine Stichprobe wurden in 13 deutschen Städten Wurstprodukte in Supermärkten und Bäckereien gekauft: Mett, Teewurst, Salami und Schinken. Dies sind Rohwurstsorten, die bei der Herstellung nicht erhitzt und vor dem Essen nicht gebraten oder gekocht werden, wie die Grünen-Fraktion erläutert. In 10 der 63 Proben wurden in einem Labor ESBL-Keime gefunden, nämlich sechsmal in Zwiebelmettwurst, in einer Teewurst, einer Salami und zwei Mettbrötchen. Dramatisch sei vor allem das Ergebnis bei Putenprodukten, sagt Grünen-Agrarexperte Friedrich Ostendorff: sechs von neun Proben waren positiv.

Wie die Keime in Wurstprodukte gelangen

Problematisch sind die entdeckten Keime, weil sie Enzyme namens ESBL (extended-spectrum beta-lactamases) produzieren. Diese machen sie gegen bestimmte Antibiotika unempfindlich (resistent). Generell fördere die Anwendung von Antibiotika auch bei Tieren die Verbreitung von ESBL-Bakterien, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung - weil ihre Widerstandsfähigkeit ihnen einen Vorteil im Vergleich zu konkurrierenden Bakterien verschaffe. „Mastställe sind quasi ein riesiges Trainingsgebiet für Keime“, formulieren es die Grünen. Auf Lebensmittel übertragen würden derartige Bakterien etwa beim Schlachten oder der Milchgewinnung, erläutert das Bundesinstitut.

Um welche Antibiotika-Mengen es in den Ställen geht

Die Gesamtmenge der Antibiotika für die Tierhaltung ist zuletzt etwas zurückgegangen. Nach jüngsten Daten für 2012 wurden 1619 Tonnen an Tierärzte abgegeben und damit 87 Tonnen weniger als im Jahr zuvor. Als besorgniserregend gilt aber eine markante Zunahme bei einigen besonders wichtigen Wirkstoffen - diese dienen als Reserve, wenn normale Antibiotika nicht mehr anschlagen. In riesigen Mastanlagen mit Tausenden Hühnern oder Schweinen bekommen oft ganze Gruppen Medikamente, wenn ein Tier krank ist. Die Grünen fordern daher eine Abkehr vom „System der massenhaften Billigfleischproduktion“.

Wie der Antibiotika-Einsatz eingedämmt werden soll

„Wir nehmen die Problematik sehr ernst“, sagt eine Sprecherin des Bundesernährungsministeriums. Dabei könnten sich Resistenzen auf harmlose wie krankmachende Keime beziehen. Zum 1. April sind gerade schärfere Regeln in Kraft getreten. Künftig müssen Bauern für Hühner, Puten, Schweine und Rindern alle sechs Monate melden, welchen Stoff sie wie vielen Tieren in welchen Mengen über wie viele Tage geben. In einer bundesweiten Datenbank soll sichtbar werden, wenn ein Landwirt übermäßig viel Antibiotika einsetzt. Liegt eine Mastanlage in der oberen Hälfte oder sogar im obersten Viertel gemessen am Betriebstyp, muss gegengesteuert werden - etwa mit besserer Hygiene im Stall.

Für die Stichprobe der Grünen wurden Ende April/Anfang Mai Wurstsorten in 13 Städten getestet, nämlich Mett, Teewurst, Salami und Schinken. Auffällig waren den Angaben zufolge besonders Putenprodukte, bei denen in sechs von neun Fällen ESBL-Keime nachgewiesen wurden. Gekauft wurden die Lebensmittel in Geschäften in Berlin, Potsdam, Leipzig, Erfurt, Wiesbaden, Mainz, Saarbrücken, Düsseldorf, Dortmund, Münster, Hannover, Hamburg und Kiel.

Grünen-Agrarexperte Friedrich Ostendorff mahnte, die Branche müsse die Haltungsbedingungen vor allem bei Puten verbessern. Einseitige Zucht auf Hochleistung müsse revidiert werden. „Nur so können die Antibiotika-Gaben deutlich verringert werden.“ Die Grünen fordern unter anderem kleinere Tierherden und mehr Platz pro Tier im Stall.

Um den Antibiotika-Einsatz in der Tiermast einzudämmen, gelten seit 1. April neue Meldepflichten und strengere Vorgaben. Tierhalter müssen Anwendungen bei Schweinen, Hühnern, Puten und Rindern künftig alle sechs Monate amtlich melden. Die Daten werden bundesweit erfasst und bewertet. Behörden können Prüfungen und Gegenmaßnahmen anordnen. Antibiotika sollen generell so selten wie möglich verwendet werden, um zu verhindern, dass sie auch bei Menschen nicht mehr wirken.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

22.05.2014, 19:35 Uhr

Wann veröffentlichen eigentlich die Grünen ihren internen Untersuchungsbericht zu den Verstrickungen in die sog. Päderasten-Szene? Wird das Thema jetzt konsequent mittels Mettbrötchen totgeschwiegen?

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