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27.08.2013

13:31 Uhr

Apitherapie

China setzt auf das Gift aus dem Stachel

Bienenstiche gegen schwere Krankheiten wie Krebs oder Multiple Sklerose: In China vertrauen Zehntausende auf die sogenannte Apitherapie. Vor allem in den USA bezeichnen Skeptiker sie als Quacksalberei.

Bienengift als Allheilmittel: In China ist man davon überzeugt. dpa

Bienengift als Allheilmittel: In China ist man davon überzeugt.

PekingBienenstiche gegen Krebs, Arthritis oder Multiple Sklerose: Zehntausende Patienten in China schwören auf die heilende Wirkung von Bienengift direkt aus dem Stachel. In der Klinik von Wang Menglin in einem Vorort von Peking unterzogen sich bisher mehr als 27.000 Menschen der schmerzhaften Therapie. Schulmedizinische Belege, dass das Bienengift gegen Krankheiten hilft, gibt es nicht, und vor allem in den USA bezeichnen Skeptiker die sogenannte Apitherapie als Quacksalberei.

Pro Sitzung können Dutzende Bienenstiche verabreicht werden, erklärt der Akupunktur-Experte Wang in seiner Klinik in einem Vorort der chinesischen Hauptstadt: "Wir halten die Biene an einen Punkt des Körpers, nehmen sie am Kopf und drücken, bis der Stachel erscheint." Die Bienen - Wang setzt nach eigenen Angaben eine importierte Art aus Italien ein - verenden nach dem Stich. "Wir haben Patienten mit Dutzenden Krankheiten behandelt, von Arthritis bis Krebs, alle mit positiven Ergebnissen", behauptet er. Das Bienengift könne bei der Behandlung "der meisten Volkskrankheiten der unteren Gliedmaßen" eingesetzt werden, aber auch als vorbeugende Maßnahme.

Doch die US-Website www.sciencebasedmedicine.org warnt, wenn von einem Allheilmittel und Wundermedizin die Rede sei, gehe "immer eine rote Flagge für Quacksalberei" hoch. "Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise für ihren Nutzen", heißt es bezüglich der Behandlung mit Bienenprodukten.

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Auch die US-Organisation American Cancer Society schreibt auf ihrer Website: "Es gibt keine klinischen Studien an Menschen, die die Wirksamkeit von Bienengift oder anderen Honigbienen-Produkten bei der Vorbeugung oder Behandlung von Krebs zeigen." Die Website warnt, allein auf diese Art von Behandlung zu vertrauen und konventionelle medizinische Verfahren zu meiden oder zu verzögern, könne "ernsthafte gesundheitliche Folgen" haben.

Gleichzeitig erwähnt die Krebsgesellschaft jedoch, dass der Koran auf die medizinischen Eigenschaften der von Bienen produzierten Flüssigkeiten verweise, und dass Kaiser Karl der Große (742-814) mit Bienenstichen behandelt worden sein soll.

Kommentare (2)

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RudolfBayerl

27.08.2013, 14:24 Uhr

Hildegard von Bingen hatte auch keine wisschenschaftliche Beweise erbringen können und doch hat ihre methode und ihr Wissen Millionen Menschen bis heute geholfen. Sicher wäre sie auch von diesen Institutionen als Scharlatan an den pranger gestellt worden. Eines ist ganz sicher, auch wenn das Gift der Bienen helfen würde, es wäre der logische wirtschaftliche Feind der Pharmaindustrie.

Account gelöscht!

30.08.2013, 15:20 Uhr

Tausende Wissenschaftler arbeiten an dem Problem, jede Menge einfach verständliche und noch mehr fachlich anspruchsvolle kann man sich dazu im Internet runterladen.
Dass Chinesen sich mit Bienengift behandeln lassen - die Betroffenen sind wahrscheinlich arm und nicht so gebildet.
Aber auch manche Deutschen wissen alles besser. Und in diesem Fall sterben sie dann halt früher.

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