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16.10.2014

09:39 Uhr

Atomstrom

Frankreich plant den Teilausstieg

VonThomas Hanke

Auch Frankreich sucht nach Alternativen: Weil der Anteil des Atomstroms sinkt, sucht die Industrie im Nachbarland verstärkt nach neuen Märkten. Diese Woche wurde ein Gesetz zur Energiewende verabschiedet.

Proteste an der Grenze: Demonstranten gehen in Frankreich gegen Nuklear-Energie auf die Straße. ap

Proteste an der Grenze: Demonstranten gehen in Frankreich gegen Nuklear-Energie auf die Straße.

ParisFrankreichs Nationalversammlung hat am Dienstag das Gesetz zur Energiewende verabschiedet, das den Anteil des Atomstroms an der Elektrizitätserzeugung bis 2025 von 75 auf 50 Prozent senkt. Angesichts dieser Verringerung sucht die Branche mit 125.000 Mitarbeitern nun umso dringender nach neuen Abnehmern im Ausland. Zeitgleich mit dem Parlamentsbeschluss organisierte sie die erste nationale Atommesse in Le Bourget bei Paris. Mit Exporten im Wert von acht Milliarden Euro ist Frankreich schon heute weltweit der wichtigste Lieferant von Atomtechnologie. Die Produktspanne reicht von Spezialstählen über Entsorgungstechnik bis zu kompletten Atommeilern.

Frankreichs Energiewende lässt noch offen, wie der partielle Atomausstieg genau organisiert werden soll. Das Gesetz schafft erst einmal den groben Rahmen: 2050 soll der Energieverbrauch nur noch die Hälfte des Werts von 2012 betragen, 2030 sollen 30 Prozent weniger fossile Energieträger eingesetzt werden als 2012. Erneuerbare sollen in sechs Jahren 23 Prozent zur Versorgung beisteuern und 2030 dann 32 Prozent. Das Absenken des Atomanteils an der Stromerzeugung auf 50 Prozent ist vor dem Hintergrund dieser Energiesparziele zu sehen: So wird deutlich, dass es nicht um einen relativen, sondern um einen absoluten Rückbau des französischen Atomparks geht.

Dabei ist offen, welche Kraftwerke davon betroffen sein werden. Das älteste AKW Fessenheim sollte als erstes abgeschaltet werden, hatte Staatspräsident François Hollande versprochen. Der staatliche Energieriese EDF als Betreiber hofft nun aber, den an der deutschen Grenze liegenden Meiler am Netz halten zu können. Er argumentiert mit einem hohen bereits geleisteten Aufwand zur Modernisierung.

Diese Ausgaben werden in den kommenden Jahren noch gewaltig steigen. 55 Milliarden Euro muss EDF in den nächsten Jahren für die Modernisierung seiner 58 AKW ausgeben, die deutlich länger genutzt werden als die ursprünglich geplanten 30 Jahre. Wegen dieser Ertüchtigung alter AKW hoffen nun auch deutsche Anbieter, die vom Atomausstieg betroffen sind, in Frankreich Fuß zu fassen. Unternehmen wie Bilfinger und KSB wollen mit Hochleistungsrohren, Pumpen und Ventilen dabei sein und hoffen, EDF später auch auf Drittlandsmärkte begleiten zu können. „Einfach wird das nicht, weil auch die französische Branche unsicher in die Zukunft schaut, aber wir haben bereits ein Rahmenabkommen“, sagt ein Bilfinger-Vertreter.

EDF-Chef Henri Proglio hat die Marschrichtung Richtung Expansion im Ausland vorgegeben. In China sind EDF und der Kraftwerksbauer Areva stark präsent, in Großbritannien kann EDF Reaktoren im Wert von 19 Milliarden Euro bauen. Nun würde Proglio „gern mit Saudi Arabien zusammen an der Vision eines starken Nuklearsektors arbeiten“, wie er Dienstag sagte. Außerdem hat er Polen und Südafrika im Visier. Proglio ist geschäftlich erfolgreich und würde den Konzern gerne fünf weitere Jahre führen. Die Regierung lässt ihn aber noch im Unklaren. Das gilt auch für Areva-Chef Luc Oursel. Dessen Unternehmen allerdings kommt nicht aus den Verlusten heraus.

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Kommentare (7)

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Herr Riesener Jr.

16.10.2014, 09:57 Uhr

Da Strom aus Kernkraftwerken praktisch CO2-frei ist, wird und sollte Kernenergie weltweit eine wichtige Säule der Energieversorgung sein.

Wenn im eigenen Land dies aus ideologischen Gründen nicht gern gesehen wird (das böse Atom gibt ein herrliches Feindbild ab), sollte man wenigstens den Nutzen des eigenen Know-Hows erkennen und etwas daraus machen. Frankreich zeigt uns, wie es gehen könnte.

Herr Peter Weber

16.10.2014, 11:13 Uhr

Kernenergie Ja! Kernspaltung Nein!

Die US-Firma Lockheed hat gestern einen Durchbruch in der Fusionstechnik gemeldet, wonach in relativ kurzer Zeit 100 MW Reaktoren realisierbar sind! Damit ist das Ende der Kernspaltung und auch der teuren alternativen Energien besiegelt!

Herr Rainer Feiden

16.10.2014, 13:44 Uhr

Wahrscheinlich lässt sich der Energiebedarf der Menschheit nur damit decken.
Hier mal ein Artikel zu dem Thema:

http://www.reuters.com/article/2014/10/15/us-lockheed-fusion-idUSKCN0I41EM20141015

Und was in Frankreich passiert, muss man mal abwarten, ich halte das angesichts der "Super-Wettbewerbsfähigkeit" der Franzosen zunächst mal für eine reine Absichtbekundung. Wie wollen die noch deutlich steigende Strompreise à la "deutsche Energiewende" stemmen?

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