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18.06.2014

06:00 Uhr

Audi-Vorstand Ulrich Hackenberg

„Der Erfolg gibt uns recht“

Bei Audi ist Ulrich Hackenberg für Innovationen und neue Ideen zuständig. Der Entwicklungschef lässt sich gern beeindrucken – ob von Start-ups aus dem Silicon Valley oder von seinen eigenen Studenten.

Zuständig für gute Ideen: Ulrich Hackenberg ist Entwicklungschef bei Audi. PR

Zuständig für gute Ideen: Ulrich Hackenberg ist Entwicklungschef bei Audi.

Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?
Für mich als durch und durch technikbegeisterten Menschen ist es schier unmöglich, eine einzige Innovation herauszustellen. Natürlich muss hier das Auto genannt werden. Es befriedigt das Grundbedürfnis nach Freiheit und Mobilität. Aber auch das Internet hat das Leben und Denken der Menschen stark geprägt. Hier vereinen sich das Wissen der Menschheit und ein wichtiges Werkzeug für Recht und Demokratie. Wenn wir also weiter Automobil und weltweite Vernetzung im besten Sinn zusammenführen, verbinden wir zwei der stärksten Megatrends.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Ich lasse mich gern immer wieder neu beeindrucken. Ob es junge Startup-Gründer im Silicon Valley sind, Künstler im MoMa in New York oder Studenten, die ich bei meinen Vorlesungen in Stanford oder Shanghai kennenlerne. Ich mag es, wenn Menschen vor Ideen und Kreativität sprudeln. Auch wenn sie hier und da über das Ziel hinausschießen, bin ich immer bestrebt, genau solche Menschen in unser Unternehmen zu holen. Erst vor kurzem haben wir bei einer Abendveranstaltung unsere Erfinder und Patentträger geehrt. Es ist wichtig, den Raum für Kreativität zu schaffen, über den Tellerrand, Ländergrenzen und Kontinente hinweg zu schauen. Bei Audi gelingt uns das ausgesprochen gut. Auch deshalb wurden wir 2014 wieder zum beliebtesten Arbeitgeber in der Branche gewählt.

Karriere zwischen Forschung und Wirtschaft

Studium

Nach Abschluss des Maschinenbaustudiums an der RWTH Aachen war Ulrich Hackenberg von 1978 bis 1985 am Institut für Kraftfahrwesen als Assistent tätig. Er leitete dort unter anderem den Forschungsbereich Fahrzeugdynamik, baute die Vorlesung Kraftradtechnik auf und promovierte 1985 über das Stabilitätsverhalten des Systems „Fahrer-Kraftrad-Straße“.

Wechsel in die Wirtschaft

1985 wechselte Hackenberg zur Audi AG, wo er 1989 die Leitung der Konzeptdefinition und später die technische Projektleitung der gesamten Produktpalette übernahm. Dies umfasste die Modelle Audi 80, A3, A4, A6, A8, TT und A2 sowie zahlreiche Konzeptstudien und Showcars, die technische Konzeption der Plattformstrategie sowie den Aufbau einer Simultaneous-Engineering-Struktur.

Abstecher zu Volkswagen

Von 1998 bis 2002 war Prof. Dr. Hackenberg für die Volkswagen AG tätig. Dort leitete er den Bereich „Aufbauentwicklung“ und übernahm Ende 1998
zusätzlich die Verantwortung für die Konzeptentwicklung. 2002 kehrte er für fünf Jahre zu Audi zurück und leitete die Sparte „Konzeptentwicklung, Entwicklung Aufbau, Elektrik/Elektronik“. In dieser Zeit entwickelte er auch den „Modularen Längsbaukasten“.

Rolls Royce Bentley Motor

Zusätzlich zu seinen Aufgaben bei Volkswagen wurde Prof. Dr. Hackenberg zum Member of the Board von Entwicklung bei Rolls Royce Bentley Motor
Cars Ltd. ernannt und restrukturierte die Technische Entwicklung des Unternehmens. Von Anfang 1999 bis Mitte 2000 konzipierte er die künftigen Bentley-Modelle sowie die Neuanläufe des Bentley Arnage Red Lable, des Rolls-Royce Seraph long wheel base sowie des Rolls-Royce Corniche.

Entwicklungschef bei VW

Am 1. Februar 2007 wurde Hackenberg Mitglied des Markenvorstands Volkswagen für den Geschäftsbereich Entwicklung. Er zeichnete für den weiteren Ausbau und die komplette Erneuerung der Volkswagen-Produktpalette sowie die Entwicklung des Modularen Querbaukastens verantwortlich. Weitere Highlights waren die Entwicklung des ersten serienmäßigen Ein-Liter-Autos XL1 und der Einstieg der Marke Volkswagen in den Motorsport.

Zurück zu seinen Wurzeln

Seit 1. Juli 2013 ist er Mitglied des Vorstands der Audi AG und verantwortet die technische Entwicklung von Audi. Zusätzlich ist er verantwortlich für die markenübergreifende Entwicklungssteuerung des Volkswagen-Konzerns.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Oft bin ich besonders kreativ, wenn ich ganz bei mir bin: Beim Autofahren über längere Strecken, beim Klavierspielen oder wenn ich meine Frau bekoche – was zugegebenermaßen zu selten vorkommt. Es gibt manchmal die kleinen besonderen Momente: Wenn man etwa eine mechanische Uhr aufzieht und dem Ticken lauscht, gibt mir das ein Gefühl für das perfekte Zusammenspiel der Technik. So etwas inspiriert mich. Aber natürlich auch der intensive Austausch mit meinen Mitarbeitern, Kreativmeetings mit Trendforschern, mit Querdenkern, mit Technikern aller Art. Das alles ist hoch-oktaniger Treibstoff für meine Kreativität.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Scheinbar Unmögliches zu erreichen, hat mich schon immer angetrieben. Etwa ein Serienauto auf die Straßen zu bringen, dass weniger als einen Liter Kraftstoff für 100 km braucht, war lange reine Utopie. Bis wir bei Volkswagen den XL1 gebaut haben. Wenn das als visionär gilt, dann sind Visionäre bei uns gut aufgehoben.

Der Anspruch von Audi ist „Vorsprung durch Technik“. Wie will Audi diesem Anspruch auch zukünftig gerecht werden?
Indem wir weiter konsequent unseren Weg gehen. Der Erfolg gibt uns Recht. Noch nie waren Audi-Modelle weltweit so gefragt wie heute. Und wenn ich mir zum Beispiel den neuen sehr fahraktiven und leichten Audi TT anschaue, bin ich überzeugt davon, dass die Anziehungskraft unserer Marke weiter wachsen wird. Natürlich haben wir aber auch immense Anstrengungen zu leisten. Auf dem Weg zum 95-Gramm-Ziel müssen wir massiv investieren und kreative Lösungen erarbeiten. Hinzu kommen weltweit unterschiedliche Gesetze und Normen, die das Entwickeln von weltweit angebotenen Autos zu einer sehr komplexen Aufgabe machen. Doch unsere Innovations-Pipeline ist gut gefüllt.

In Sachen E-Mobilität haben wir mit dem effizienten und Performance-orientierten Plug-in-Antrieb auf die richtige Karte gesetzt. Mit der e-tron-Technologie bekommt der Kunde, was er von uns erwartet: nachhaltige Premiummobilität ohne Einschränkungen. Außerdem beweisen wir in der Elektronikentwicklung immer wieder unseren Vorsprung. Von LED- oder Laserlicht über LTE-Internetverbindung bis hin zu neuen Assistenzsystemen zum pilotierten Fahren für mehr Sicherheit und weniger Stress im Straßenverkehr. Die umfassende Baukastenstrategie ermöglicht uns, vollkommen neue Konzept zu entwickeln. Somit können wir das Modellangebot von aktuell rund 50 bis 2020 auf 60 Varianten steigern.

Von

bay

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

18.06.2014, 10:18 Uhr

Mal sehen, ob Hackie es endlich schafft den Audi-Schlafsaal aufzuwecken.

Account gelöscht!

18.06.2014, 12:20 Uhr

In welchen Momenten kommen mir die besten Ideen?
Oft bin ich besonders kreativ, wenn ich ganz bei mir bin: Beim Autofahren über längere Strecken, beim Kochen... unter der Dusche, auf der Toilette, im Halbschlaf/halbwach.

Besonders im Audi-Schlafsaal beim kreativen Halbschlaf.


Account gelöscht!

18.06.2014, 13:13 Uhr

Wenn der Titel durch Herrn Hackenberg abgesegnet wurde, wovon ich ausgehe, klingt bei "der Erfolg gibt uns Recht" eine Unzufriedenheit mit den derzeitigen Autos mit. Gerade dort wo der monétaire Erfolg stattfindet in China - ist man geradezu versessen auf gutes Design. Apple ist ein Beispiel. Der derzeitige Erfolg beruht auf schierer Nachfrage. Es falsch immer mehr Zierleisten und Holzapplikationen unzusammenhängend in den Autos zu verstreuen. Ganz schlimm wird es, wenn man dem vermeindlich chinesischem Geschmack folgt - und im A8 serienmäßig die Sitze mit wechselbarer Kunststoffolien überzieht. Der derzeitige A8 ist nahe dran. Von hinten sehen viele Audis aus, wie nach einem kleinen Auffahrunfall - irgendwie geknickt. Mein Vorschlag - hochwertige Autos mit klarem Design welche schon deshalb unvergänglich und solide aussehen. Perspektiven auf neue Modelle zeigen jedoch das Gegenteil - wie der nächste A8 mit unglaublich dicken Kotflügeln.

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