Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2014

09:41 Uhr

Australien

Schockbilder auf Zigarettenpackungen wirken

Wenn Zigaretten in trostlosen Packungen mit Ekelbildern verkauft werden, steigt bei Rauchern der Wunsch aufzuhören. Das zeigt eine Studie aus Australien. Dort sind die Vorschriften besonders strikt.

Einheitszigarettenpackung in Australien: Einer Studie zufolge helfen die Maßnahmen der Regierung. dpa

Einheitszigarettenpackung in Australien: Einer Studie zufolge helfen die Maßnahmen der Regierung.

SydneyEinheitsschachteln mit abschreckenden Bildern haben in Australien nach einer Studie positive Wirkungen im Kampf gegen den Tabakkonsum. Die Zahl der Anrufe bei der Telefon-Hotline „Quitline“ habe seit Einführung dieser Verpackungen im Oktober 2012 um 78 Prozent zugenommen, heißt es in der am Montag von der Fachzeitschrift „Medical Journal of Australia“ veröffentlichten Studie. „Quitline“ bietet Menschen Hilfe, die mit dem Rauchen aufhören wollen.

Seit Oktober 2012 dürfen Zigaretten in Australien nur noch in einheitlich schlammfarbenen Schachteln mit großflächigen Bildern von Krebsgeschwüren oder Raucherlungen verkauft werden. Der Markenname findet sich nur noch klein und unauffällig auf den Schachteln.

Die Untersuchung bezieht sich auf die Bevölkerung des Bundesstaates New South Wales und den australischen Hauptstadtdistrikt. Die Zahl der Anrufe stieg laut Studie von 363 pro Woche vor der Einführung der neuen Verpackungen auf 523 bis 780 in der Zeit danach. Der Untersuchungszeitraum ging bis April 2013.

Die Ergebnisse wurden auch mit einer Analyse nach der Einführung grafischer Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen im März 2006 verglichen. Heraus kam, dass damals die Zunahme der Anrufe zunächst ähnlich stark war, der Effekt aber nicht so lange anhielt.

„Dies ist die erste faktenbasierte Studie, die zeigt, dass diese Verpackungen einen positiven Effekt auf das Ausstiegsverhalten hatten“, sagte Mayanne Lafontaine, die beim Krebsforschungsinstitut des Bundesstaates New South Wales das Antitabakprogramm leitet. „Dies sollte Ländern wie dem Vereinigten Königreich Zuversicht geben, solche Programme ebenfalls einzuführen“, fügte sie hinzu.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Prophet

14.01.2014, 10:33 Uhr

Ich sehe Schockbilder eher kritisch. Es besteht eine große Gefahr, das man durch die große Suggestionswirkung bei den Betrachtern eben genau diese Krankheiten auslöst.
Das ist dann ein negativer Placebo-Effekt. Der Schuss kann also nach hinten losgehen. Vermutlich erkranken dadurch auch Raucher, die ohne diese Bilder vermutlich gesund geblieben währen.
Da solche Sachverhalte bekannt sid, halte ich derartige Bilder für verantwortungslos.

Logo

14.01.2014, 12:12 Uhr

also lieber @prophet ,selten so ein schwachsinn gelesen .

J_Mellin

15.01.2014, 11:54 Uhr

Wenn man sich jedoch die “Studie” genauer betrachtet, dann bemerkt man, dass die Autoren der “Studie” lediglich einen Anstieg auf einen Höchststand von ca. 300 Anrufen pro Woche beobachtet haben.

Diese fallen danach um ca. 14% pro Woche, um dann nach wenigen Wochen wieder auf das normale Maß zu sinken! Gesamt waren das dann ca. 2000 Anrufe, die in dem Zeitraum zu beobachten waren.

Info: Das sind in etwa ein halbes Prozent der Raucher in Australien!

Oder wenn man es netter ausdrücken will: Ein (kurzfristiger) Anstieg der Anrufe um 10% gegenüber den gewöhnlichen Zahlen.

Diese “Studie” sagt also nichts darüber aus, ob diese Schockbilder wirklich die Jugend davon abhalten mit dem Rauchen anzufangen. Das Einzige was diese “Studie” aussagt, ist dass nach der Einführung 10% mehr Anrufe bei der “Quitline” waren (ob diese danach mit dem Rauchen aufgehört haben bleibt leider offen).

Nochmal: Die Anrufe von aufhörwilligen Rauchern gingen kurzfristig um 10% nach oben.

Der Grund für Plain Packaging: Kinder sollten davon abgehalten werden mit dem Rauchen anzufangen!

Also: Wenn die Begründung für die Ekelbilder die Annahme war, dass Kinder dadurch vom Rauchen abgehalten werden – Wie kann die Anrufquote von Aufhörwilligen ein Beweis für die Wirksamkeit sein?

Und: Diese "Studie" kein Beweis, dass “Plain Packaging” funktioniert: Nur weil kurzfristig bis zu 300 Anrufer mehr die Woche bei der “Quitline” angerufen haben, bedeutet das nicht, dass diese auch mit dem Tabakrauchen aufgehört haben.

Und das wären auch die einzigen Zahlen, die etwas bedeuten würden: Weniger Jugendliche, die mit dem Rauchen anfangen und mehr Raucher, die mit dem Rauchen aufhören.

Beides hat diese “Studie” _nicht_ geliefert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×