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17.10.2013

08:38 Uhr

Bakterien an Bord

Hafenärzte kommen zur Schiffsvisite

Ob Kreuzfahrtschiff oder Containerfrachter: Hafenärzte nehmen Gesundheit und Hygiene an Bord unter die Lupe. Zur Schiffsvisite kommen sie nicht im weißen Arztkittel, sondern in blauer Uniform.

Der Arzt und Leiter des hafenärztlichen Dienstes in Hamburg, Martin Dirksen-Fischer: Die Hafenärzte in Hamburg prüfen Gesundheit und Hygiene an Bord von Hafenfähren, Kreuzfahrtschiffen oder Containerfrachter. dpa

Der Arzt und Leiter des hafenärztlichen Dienstes in Hamburg, Martin Dirksen-Fischer: Die Hafenärzte in Hamburg prüfen Gesundheit und Hygiene an Bord von Hafenfähren, Kreuzfahrtschiffen oder Containerfrachter.

HamburgAuf der Hamburger Hafenfähre „Altenwerder“ hat Martin Dirksen-Fischer nichts zu mäkeln. Die Lebensmittel, die auf dem knallgelben Schiff verkauft werden, sind frisch und gut gelagert, beim Trinkwasser gibt es keine Auffälligkeiten. „Alles top“, sagt der 53-Jährige nach seiner Prüfrunde auf der Elbfähre. Er leitet den Hafen- und Flughafenärztlichen Dienst der Hansestadt - und kann bei schlechter Hygiene an Bord für ziemlichen Ärger sorgen.

Dirksen-Fischer und seine zwölf Kollegen versuchen, mögliche Infektionsquellen oder Gesundheitsgefahren im größten deutschen Seehafen, auf Schiffen und am Flughafen auszumachen. Sie kontrollieren Hygiene-Vorschriften, überwachen die Trinkwasserqualität und überprüfen die Bordapotheke, beraten aber auch Seeleute und impfen sie gegen tropische Krankheiten.

Vermeidbare Kosten im deutschen Gesundheitswesen

Mangelnde Therapietreue

Medikamente im Wert von 12,9 Milliarden Euro werden von Patienten nicht wie verordnet eingenommen.

Fehlmedikation

Ärzte verordnen falsche Medikamente im Wert von 1,8 Milliarden Euro.

Verzögerter Therapiebeginn

Bei Arzneimitteln im Wert von 1,6 Milliarden Euro beginnt die Einnahme zu spät.

Missbräuchlicher Antibiotikaeinsatz

Medikamente im Wert von 1,6 Milliarden Euro werden gegen Viruserkrankungen eingesetzt, obwohl sie hier nicht helfen.

Missmanagement von Polymedikation

Viele unterschiedliche Medikamente, die ein Patient einnehmen muss, beeinträchtigen sich gegenseitig. Einsparpotenzial: 1 Milliarde Euro

Suboptimaler Generikaeinsatz

Würden mehr kostengünstigere Nachahmermedikamente verschrieben werden, könnten 0,3 Milliarden Euro eingespart werden.

Containerfrachter, Kreuzfahrtriese, Hafenfähre: Stichprobenartig wird alljährlich ein Teil der knapp 20.000 Hamburg ansteuernden Schiffe untersucht. Allein 2011 wurden mehr als 1700 von ihnen unter die Lupe genommen. „Über die Schiffe, die alle möglichen Routen weltweit fahren, können schließlich Infektionserkrankungen in die Städte gelangen“, sagt Dirksen-Fischer.

Vor allem auf das Trinkwasser kommt es den Kontrolleuren an. Anfällig für Probleme seien vor allem Megapötte, die mehrfach umgebaut wurden und sogenannte Totstränge hätten. „Wasser muss laufen“, betont Dirksen-Fischer. „Ein Wasserhahn, der alle 17 Jahre geöffnet wird, ist hochgradig gefährlich.“

Was Supplemente wirklich bringen: Leere Versprechen um Vitaminpillen

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Leere Versprechen um Vitaminpillen

Trotz häufiger ärztlicher Empfehlungen: Die künstliche Zusatzversorgung hat ihre Tücken.

Schon die Ursprünge des Hafenärztlichen Dienstes gehen auf verseuchtes Wasser zurück: 1892 verbreitete sich der Erreger der Cholera über den Hafen. Weil die Hamburger Stadtväter hygienische Verbesserungen für überflüssig und zu teuer hielten, wurde verunreinigtes Wasser ungefiltert aus der Elbe und den Fleeten genommen. Die Menschen badeten darin und wuschen ihr Essen mit der Brühe. Mehr als 8600 Hamburger starben, fast 17.000 erkrankten.

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