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24.12.2014

11:16 Uhr

Batman spielen und Harry Potter treffen

Herzenswünsche kranker Kinder gehen in Erfüllung

Es ist Hochsaison für Weihnachtswünsche. Die amerikanische „Make-A-Wish“-Stiftung erhört das ganze Jahr die Wünsche schwerkranker Kinder. Einen Star treffen? Batman spielen? Den jungen Patienten wird nichts abgeschlagen.

Träume werden wahr: Der an Leukämie erkrankte Miles Scott durfte als Batkid in San Francisco das Verbrechen bekämpfen. Tausende Schaulustige feuerten ihn an. ap

Träume werden wahr: Der an Leukämie erkrankte Miles Scott durfte als Batkid in San Francisco das Verbrechen bekämpfen. Tausende Schaulustige feuerten ihn an.

Charon Adair ist ein großer Harry-Potter-Fan. Das sieht man der elfjährigen Kalifornierin sofort an. Im Zauberlehrlings-Kostüm mit Umhang, Schal und Zauberstab schwärmt sie von ihrem Besuch im Freizeitpark „The Wizarding World of Harry Potter“ in Florida. Mitte November ging für die kleine Krebspatientin dort ein großer Traum in Erfüllung. „Total aufregend“, erzählt Charon über den magischen Ausflug. Organisiert wurde die Reise mit ihren Eltern und Geschwistern von der „Make-A-Wish“-Stiftung.

„Sie war recht müde und deprimiert nach ihren letzten Behandlungen“, meint ihre Mutter Tina Adair. „Die Vorfreude auf die Reise und dann der Trip dorthin gaben ihr richtig Auftrieb, wir alle hatten riesigen Spaß“, erzählt die 47-Jährige. Eine Woche lang Verwöhnprogramm für die ganze Familie zum Nulltarif. Auch der Flug, erster Klasse, mit Besuch im Cockpit, war gespendet.

Charon Adair ist ein großer Harry-Potter-Fan: Im Zauberlehrlings-Kostüm mit Umhang, Schal und Zauberstab schwärmt sie von ihrem Besuch im Harry-Potter-Freizeitpark, der von der "Make-A-Wish"-Stiftung organisiert wurde. dpa

Charon Adair ist ein großer Harry-Potter-Fan: Im Zauberlehrlings-Kostüm mit Umhang, Schal und Zauberstab schwärmt sie von ihrem Besuch im Harry-Potter-Freizeitpark, der von der "Make-A-Wish"-Stiftung organisiert wurde.

„Davor war es ein hartes Jahr“, sagt die Mutter über Charons Kampf gegen das Hodgkin-Lymphom, mit Chemotherapie und Bestrahlung. Die ausgefallenen Haare des Mädchens sind jetzt als schwarze Lockenwirbel wieder nachgewachsen.

Keinen Wunsch abgeschlagen

Charons Ärzte in San Francisco hatten der „Wünsch-Dir-Was“-Stiftung, so die wörtliche Übersetzung, ihren Fall geschildert. Die weltweite Organisation mit Sitz in Tuscon (US-Staat Arizona) hat seit 1980 mehr als 300 000 Wünsche kranker Kinder erfüllt. Es begann damals mit dem Traum des siebenjährigen Leukämie-Patienten Christopher, einmal Polizist zu sein. Seine Mutter wandte sich an eine Wache, die den Jungen einen Tag lang Cop spielen ließ. Die rührende Geschichte machte Schlagzeilen. Die Idee, todkranken Kindern ein besonderes Erlebnis zu schenken, war geboren.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte gesundheitliche Risikofaktor?

Die Anwärter müssen nur wenige Kriterien erfüllen. Sie sind zweieinhalb bis 17 Jahre alt und lebensgefährlich erkrankt. „Wir haben in diesem Jahr keinen einzigen Wunsch abgeschlagen“, versichert Jen Wilson vom „Make-A-Wish“-Büro in San Francisco. Allein diese Zweigstelle kam den Wünschen von 390 Kindern und Jugendlichen und ihren Familien in Nordkalifornien nach.

Tausende Schaulustige halfen "Batman"

Weltweit Schlagzeilen machte die „Batkid“-Aktion im November vorigen Jahres. Einmal ein Superheld sein, davon träumte der damals fünfjährige Miles Scott, der mit 20 Monaten an Leukämie erkrankt war. Im kleinen Batman-Kostüm tobte sich der Miniheld stundenlang in den Straßen von San Francisco aus. Polizei, Feuerwehr und Zigtausende Schaulustige spielten mit, als Miles Verbrechern das Handwerk legte und als Retter auftrumpfte. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Story auf Twitter und Facebook und rührte Menschen in aller Welt. Miles gehe nun zur Schule, seinen Krebs habe er besiegt, teilten seine Eltern kürzlich mit.

Auszeichnung: Der Bürgermeister von San Francisco überreichte dem fünfjährigen Miles den Schlüssel zur Stadt. ap

Auszeichnung: Der Bürgermeister von San Francisco überreichte dem fünfjährigen Miles den Schlüssel zur Stadt.

Die Wünsche sind vielfältig: Feuerwehrmann, Ballerina oder Prinzessin werden, Disneyland besuchen, einen Star treffen. Miley Cyrus, Katy Perry, Justin Bieber haben schon Herzenswünsche erfüllt, ebenso zahlreiche Schauspieler, Sportler und TV-Stars. Jen Wilson und ihr Team schmieden derzeit Reisepläne für einen Trip nach München. Ein 15-jähriger Patient möchte unbedingt ein Heimspiel seiner Lieblings-Fußballmannschaft miterleben, dem FC Bayern München. Auch diesen Wunsch will die Stiftung umsetzen.

Viele Amerikaner spenden für den guten Zweck

Auf den Geldbeutel der Familien schauen sie nicht, erklärt Wilson. „Wir denken uns Dinge aus, die auch eine Familie mit mehr Geld nicht unbedingt umsetzen kann.“ Es soll ein „magisches“ Erlebnis für die jungen Patienten sein. Die Gelder dafür kommen aus verschiedenen Quellen, wie Spenden und Wohltätigkeitsaktionen. Tausende Ehrenamtliche helfen mit. Hotelketten, Fluggesellschaften und andere Unternehmen bieten ihren Service umsonst an.
Millionenspenden für einen guten Zweck sind in den USA gang und gäbe. Einer Statistik zufolge machten die Amerikaner 2013 mehr als 335 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke locker. Den Löwenanteil leisteten dabei Privatleute, nur 5 Prozent der Gelder kamen von Unternehmen. Gut 95 Prozent der Haushalte spendeten demnach. Zudem brachten es rund 65 Millionen erwachsene US-Bürger auf 7,9 Milliarden ehrenamtliche Stunden.

„Make-A-Wish“ erfüllt jedem Kind nur einen Wunsch. Hätte Charon noch einen Weiteren offen, so würde sie gleich wieder in den Harry-Potter- Park jetten. Doch nun ist das Mädchen auf seinem Weg der Genesung mit kleineren Dingen zufrieden: „Zu Weihnachten wünsche ich mir ein Videospiel, das können meine Eltern leichter beschaffen.“

Von

dpa

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