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11.12.2013

17:05 Uhr

Behandlungen

Krankenkassen wollen Psychotherapie reformieren

Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse? Wenn Therapien verschrieben werden, ist es häufig Zufall, welche Behandlung ein Patient erhält. Die Krankenkassen wollen dies ändern – und Kurzzeittherapien fördern.

Die Krankenkassen fordern eine bessere Aufklärung über Psychotherapien. dpa

Die Krankenkassen fordern eine bessere Aufklärung über Psychotherapien.

BerlinDie Krankenkassen wollen mit Reformen bei der Psychotherapie Wartezeiten verkürzen und die Behandlungen zielgerichteter machen. Es sei heute oft Zufall, ob ein Patient etwa Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische Behandlung oder Psychoanalyse erhalte. In einem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Beschluss fordert der Kassen-Spitzenverband, dass Patienten vor Therapiebeginn ein bis zwei Sprechstunden absolvieren und dabei auch besser über die Unterschiede informiert werden.

Kurzzeittherapien mit 22 Therapiestunden sollen gefördert werden – man soll dafür keine Bewilligung von der Kasse mehr brauchen. Die Überleitung in eine Langzeittherapie mit bis zu 300 Stunden solle möglich bleiben. Den Sinn der Therapien soll der Patient nach Ansicht der Kassen in einer sechswöchigen Wartezeit nach der zwölften Stunde überprüfen. Die Versorgung solle besser werden, versicherte der Vizechef des Verbands, Johann-Magnus von Stackelberg.

Der Verband bemängelte zudem, dass mehr als 40 Prozent der Psychotherapeuten in Teilzeit arbeiteten und so teils längere Wartezeiten mitverursachten.

Von

dpa

Kommentare (4)

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tokchii

11.12.2013, 18:16 Uhr

Sicher ist von einer solchen Reform keine Revolution des Psychomarktes zu erwarten, allerdings wäre eine bessere Aufklärung der Patienten über Therapiemöglichkeiten - letztlich auch solche, die der jeweilige Therapeut evtl. gar nicht beherrscht - tatsächlich wünschenswert. Sinvoll fände ich einen solchen Beginn einer Psychotherapie aber nur dann, wenn die Inhalte dieser Aufklärung, mit Unterschriften von Therapeut und Patient versehen, protokolliert werden müssten.
Die frei zugängliche Kurzzeittherapie ist angesichts der explodierenden Fallzahlen psychischer Erkrankungen an sich längst überfällig.
Als längst überfällig könnte man jedoch auch eine Positionierung der Regierung zu dieser Thematik betrachten: bislang ist Forschungsförderung in diesem Bereich sehr stark auf pharmakologische Forschung beschränkt, Wirkungsevaluationen bestimmter Therapieformen von unabhängigen Stellen gibt es kaum, die zweigliedrige Krankenversicherung hat in diesem Bereich zu einem besonders ungleichen Verhältnis von privat und gesetzlich Versicherten geführt, wobei die gesetzlich Versicherten offensichtlich bislang benachteiligt werden, Fälle wie der des Herrn Mollath oder der wohl zu schließenden Haasenburgheime illustrieren die Behandlung psychisch Kranker und die UN rügen Deutschlands Umgang mit psychisch und oder seelisch Behinderten.....

Account gelöscht!

11.12.2013, 18:40 Uhr

Tokchiii, Sie schreiben: "Fälle wie der des Herrn Mollath ... illustrieren die Behandlung psychisch Kranker".
Die Behandlung kann aber so nicht illustriert werden, weil Herr Mollath nicht krank ist oder war.
Diejenigen, die ihn in die Klapsmühle gesperrt haben, sind psychisch krank.
Meinen Sie mit Revolution des Psychomarktes, dass man durch geeignete Mechanismen solche Fälle in Zukunft unmöglich mache sollte, oder nicht?

tokchii

11.12.2013, 21:06 Uhr

"Diejenigen, die ihn in die Klapsmühle gesteckt haben sind krank" mag eine Meinung sein, die durchaus vertretbar ist, allerdings glaube ich nicht, dass dieser noch nicht abschließend geklärte Fall einen Ausgang in diesem Sinne finden wird. Ebensowenig glaube ich, dass Betreiber oder Mitarbeiter der Haasenburg bzw. der dort belegenden Jugendämter und des Landesjugendamts für die Missstände der dortigen Unterbrigungsbedingungen zur Verantwortung gezogen, sprich bestraft, werden.
Zudem denke ich nicht, dass die im Artikel thematisierte Reform auch nur ansatzweise beabsichtigt, Fälle wie den des Herrn Mollath zu verhindern. Es geht m. E. vielmehr darum, weiten Teilen der Bevölkerung aus aktuellem Anlass besseren Zugang zu psychologischer Versorgung zu eröffnen, denn bislang sind die Hürden für gesetzlich Versicherte sehr hoch, und es besteht faktisch keine Möglichkeit, in Krisensituationen entsprechend Hilfe zu erhalten, wenn es Wartezeiten von mindestens einem Jahr gibt und für den glücklichen Fall einer Aufnahme in einer psychologischen Praxis dann gilt, dass man sich ja schon glücklich schätzen kann, überhaupt einen Therapieplatz bekommen zu haben und eine Therapiezusage von der KV.
Schade, dass Sie Ihre Meinung zum konkreten Artikelthema nicht mitteilen, ich jedenfalls denke, dass die angedachte Reform durchaus sinvoll ist, mit kleineren Einschränkungen, aber eben bessere Wirkungen zeigen könnte, wenn die Politik zur aktuellen Situation psychisch Kranker (deren Anzahl leider dramatisch ansteigt) Stellung beziehen würde und auch signalisieren würde, dass Deutschland auf diesem Gebiet - siehe die beispielhaft genannten Auswüchse - vielleicht tatsächlich noch zumindest teilweise Ideologien verhaftet ist, die eher der NS-Zeit zuzuordnen sind.

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