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09.07.2014

09:46 Uhr

Benzinpreise

Unsinnige Transparenz

VonChristian Wermke , Johanna Geuecke

Die Politik wollte die Benzinpreise senken - seitdem gibt es mehr Preisschwankungen. Seit Dezember ist die Transparenzstelle des Bundeskartellamts im Einsatz. Doch nur wer dauernd vergleicht, kann wirklich Geld sparen.

Tägliche Schwankungen: Die erhoffte Preisberuhigung hat sich nicht ergeben. dpa

Tägliche Schwankungen: Die erhoffte Preisberuhigung hat sich nicht ergeben.

BonnMit dem Bundeskartellamt kommt der deutsche Durchschnittsbürger selten in Kontakt - es sei denn, sein Arbeitgeber steht im Verdacht den Markt zu manipulieren. Dann schauen die Beamten aus Bonn schon mal gern zur Bürodurchsuchung vorbei, nehmen haufenweise Akten und Festplatten mit, durchleuchten die Geschäftsbeziehungen und suchen nach Absprachen mit der Konkurrenz.

Seit Dezember vergangenen Jahres ist das anders. Seitdem hat bereits jeder vierte Deutsche indirekt Kontakt mit dem Kartellamt gehabt: über einen Webbrowser oder eine Smartphone-App. Denn seit sieben Monaten gibt es die "Markttransparenzstelle für Kraftstoffe".

Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich folgendes Konstrukt: Bis zu 14.000 Tankstellen melden der Behörde täglich ihre Preisänderungen bei Benzin, Diesel Co. Das Kartellamt gibt die Daten an private Verbraucherdienste weiter. Über Internetseiten, Navigationssysteme und diverse Apps (zum Beispiel "TankenApp" oder "ADAC Spritpreise") können Autofahrer damit dann die günstigste Tankstelle in ihrer Umgebung finden.

Die ehemalige schwarz-gelbe Bundesregierung schuf das Werkzeug ursprünglich, um Druck auf die Preise auszuüben. Nach sieben Monaten ist klar: Das ist nicht passiert. "Das eigentliche Ziel der Politik wurde nicht erreicht", sagt Sigrid Pook, Geschäftsführerin des Bundesverbands Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche. "Leider hat sich durch die Einrichtung der Markttransparenzstelle keine von uns erhoffte Preisberuhigung ergeben." Die Schwankungen hätten sogar noch zugenommen.

Das gibt auch Kartellamtschef Andreas Mundt zu. Wurde der Sprit früher meist am Freitag teurer, gebe es die Preissteigerungen nun fast jeden Tag. "Aral und Shell sind dabei sehr häufig die Preistreiber", erklärt Mundt. Meist würden die Preisrunden um 20 Uhr beginnen, Esso und Total zögen eine Stunde später nach, Jet erst gegen 23 Uhr.

Trotzdem lohne sich der Service, meint Mundt: "Die Verbraucher können damit jeden Tag viel Geld sparen." In einer ersten Auswertung für 120 Anbieter in der Region Köln läge die Preisspanne zwischen günstigster und teuerster Tankstelle im Schnitt bei 20 Cent. Wer davon profitieren will, muss aber dauernd vergleichen.

Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research an der Uni Duisburg-Essen, hält nichts von der Markttransparenzstelle. "Das ist der größte Unsinn seit der Erfindung des Benzins", sagte er dem Handelsblatt. "Jeder weiß, dass schwankende Preise noch lange kein Hinweis auf ein Kartell sind. Die Einrichtung war politisch lanciert, um zu zeigen, dass die FDP viel für den Autofahrer tut."

Vor allem kleinere Tankstellen mit schlechterer Software seien bestraft worden durch die neue Regelung. "Es sind hohe Administrationskosten entstanden", erklärt Dudenhöffer. Und die zahle letztendlich der Autofahrer. "Die Einrichtung war natürlich eine Herausforderung und mit Kosten verbunden", sagt auch Pook vom Tankstellenverband. Mittlerweile sei der Aufwand aber nicht mehr hoch. Kleine Tankstellen könnten von der Transparenzoffensive sogar profitieren: "Viele Verbraucher werden erst dadurch auf sie aufmerksam."

Kommentare (2)

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Herr Mohammed Chang

09.07.2014, 13:03 Uhr

Von Anfang an habe ich eine dieser Apps genutzt. Ich finde sie recht praktisch: ich arbeite ca. 30km von meinem Wohnort entfernt. Wenn ich nach Feierabend los fahre und tanken muss dann schau ich kurz aufs Handy und tanke entweder dort wo ich wohne oder wo ich arbeite, je nachdem wo es günstiger ist. Und bei einem Unterschied von oftmals über 5 Cent/Liter lohnt es sich.
Zu Ferdinand Dudenhöffer: das man dem Typen auch nur eine Zeile gönnt ist mir bis heute absolut unverständlich. Entweder labert er alles nach oder seine Aussagen sind jenseits jeglicher Realität.

Account gelöscht!

09.07.2014, 13:13 Uhr

ab und zu nutze ich diese Apps auch; wenn man mal volltanken muss kann man mal 3-4 Euro sparen.

Andresrum fällt auf das mittlerweile Preisschwankungen von 8-10 Cent/ Liter / Tag keine Seltenheit ist; besonders STAR Tankstellen fallen hier auf. Früher wären das 20 Pfennig gewesen...da wären hier wahrscheinlich Bomben gezündet worden. Und bei ARAL und Shell; tanke ich aus Prinzip nicht.

Und wenn man auf den Preis wieder rummeckert, ist man gleich wieder bei der Staatsbeteiligung und dem Umstand, das noch die Mehrwertsteuer auf die Energiesteuer gezahlt wird. Da ist der Staat noch abzockermäßiger drauf als die Ölkonzerne; und keine Behörde interessierts.


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