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19.08.2013

12:32 Uhr

Bericht

Weniger Anmeldungen für Organ-Warteliste

Etwa 24 Prozent weniger Anmeldungen zu Wartelisten für Spenderorgane sind in diesem Jahr eingegangen. Unterdessen forderten Patientenschützer professionellere Verfahren bei der Vergabe von Organen.

Ein Transportbehälter für Organe: Für die Warteliste sinken die Anmeldungen. dpa

Ein Transportbehälter für Organe: Für die Warteliste sinken die Anmeldungen.

HamburgDie Zahl der Neuanmeldungen zur Warteliste für Spenderorgane ist einem "Spiegel"-Bericht zufolge nach Angaben der zentralen Organvergabestelle Eurotransplant stark gesunken, allein in diesem Jahr um 24 Prozent.

Eurotransplant-Chef Bruno Meiser führt dies nicht auf weniger Erkrankungen zurück, sondern auf eine genauere Prüfung durch die Ärzte, wie der "Spiegel" berichtete. Es werde in den Kliniken "in den vorgeschriebenen interdisziplinären Konferenzen intensiver über jeden Patienten diskutiert", sagte Meiser dem Magazin.

Die Zahl der Organspender ging dem Bericht zufolge in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Das liege weniger an der nach den jüngsten Skandalen vermutlich gesunkenen Spendenbereitschaft der Bürger, sondern vielmehr an den Ärzten, sagte Meiser. Jede Organspende setze hochmotivierte Klinikärzte voraus, "diese Motivation ist dahingeschmolzen, nachdem die Ärzte gesehen haben, dass Transplantationsmediziner manipuliert haben.

Zahlen und Fakten zur Organspende

Warteliste

Rund 12.000 Menschen warten auf ein Spenderorgan und sind bei Eurotransplant angemeldet, etwa 8000 von ihnen brauchen eine Niere.

Todesfälle

Im Schnitt sterben täglich drei Menschen, die auf den Wartelisten stehen.

Spenderausweis

74 Prozent der 14- bis 75-jährigen Bundesbürger stimmen einer Organspende grundsätzlich zu, aber nur 25 Prozent haben bislang einen Spenderausweis.

Organentnahme

Im ersten Halbjahr 2013 wurden 459 Menschen (Vergleichszeitraum 2012: 562) insgesamt 1686 (Januar bis Juni 2012: 1923) Organe entnommen.

Organtypen

Unter den 3511 im ganzen Jahr 2012 entnommenen Organen (einschließlich Lebendspenden 4555 Organe) waren 1789 Mal Niere, 919 Leber, 339 Lunge, 318 Herz, 141 Bauchspeicheldrüse und 5 Dünndarm.

Spenderalter

2012 waren von den Spendern 22 jünger als 16 Jahre, 467 waren 16 bis 54 Jahre, 227 waren 55 bis 64 Jahre und 330 waren älter als 65 Jahre alt.

Wartezeit

Patienten warten fünf bis sechs Jahre auf eine Spender-Niere.

Nierenspenden

2012 wurden 766 Nieren von lebenden Spendern übertragen. Zudem wurden 78 mal Lebendspendern Teile der Leber entnommen.

Unterdessen forderten Patientenschützer professionellere Verfahren bei der Vergabe von Organen. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, zeigte sich in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag überzeugt, der Göttinger Prozess werde die Untauglichkeit der Prüfungs- und Überwachungskommission zeigen. Überwiegend nebenamtlich besetzt, seien diese Kommissionen schlicht überfordert. "Wir müssen die Überwachung in staatliche Hände legen", forderte Brysch. "Die Öffentlichkeit braucht wieder Vertrauen in ein hochsensibles System, das Menschenleben retten soll."

Von

afp

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