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20.08.2013

17:01 Uhr

Bioprinting

Organe aus dem Drucker?

VonSascha Karberg

Der Göttinger Organspende-Skandal hat vor allem Eines gezeigt: Es fehlt überall an Spenderorganen. Künstliche Organe aus dem Drucker könnten die Lücke schließen helfen. Die Rettung soll aus China kommen.

Ein 3D-Drucker bei der Herstellung von künstlichem Knorpelgewebe. Die Nachfrage nach Organen wächst stetig. Forscher hoffen, sie einmal durch gedruckte künstliche Körperteile ersetzen zu können. Wake Forest Institute for Regenerative Medicine

Ein 3D-Drucker bei der Herstellung von künstlichem Knorpelgewebe. Die Nachfrage nach Organen wächst stetig. Forscher hoffen, sie einmal durch gedruckte künstliche Körperteile ersetzen zu können.

BerlinAuf den ersten Blick ähneln sie eher Ravioli-Nudeln aus der Dose, doch was der chinesische Gewebezüchter Xu Mingen vor wenigen Tagen stolz in die Kamera von ChinaView hielt, hatte mit Teigwaren nichts zu tun. Die Petrischale enthielt fünf Miniatur-Nieren, hergestellt mit Hilfe eines umfunktionierten Tintenstrahldruckers.

Zellschicht für Zellschicht wurden die Nieren aus Millionen eigens gezüchteter menschlicher Nierenzellen in einem Hydrogel in Form gedruckt. In der Kulturschale seien die Konstrukte bis zu vier Monate lebensfähig und könnten sogar ihre Funktion zur Blutfiltration erfüllen und Urin produzieren, so der Forscher von der Huazhong Universität in der östlichen Zhejiang Provinz. Ob diese 3D-Drucktechnik jedoch die Hoffnungen tausender Patienten auf ein Spenderorgan erfüllen kann, ist noch sehr fraglich. 

Die Nachfrage nach Organen wächst stetig, nicht zuletzt aufgrund einer älter werdenden Bevölkerung. In Deutschland warten mittlerweile rund 11.000 Menschen auf ein Spenderorgan, doch mehr als 1200 Organspender standen in den letzten Jahren nie zur Verfügung. 2012, nach dem Göttinger Organspende-Skandal, der derzeit vor Gericht aufgearbeitet wird,  waren es sogar nur rund 1000.

Vor allem Nieren werden benötigt, in Deutschland etwa 8000 jährlich und damit etwa dreimal so viele wie vermittelt werden können. Künstliche Organe aus dem Drucker könnten diese Lücke schließen helfen, da für die Herstellung Organproben des Patienten im Labor vermehrt werden können.

Ein gewisses Maß an Skepsis ist zwar angebracht, da Forscher Xu Mingen die erfolgreiche Nierenzucht bislang weder in einer wissenschaftlicher Fachzeitschrift veröffentlicht und damit der Kontrolle durch unabhängiger Gutachter unterzogen, noch auf Presseanfragen reagiert hat. Doch dass Gewebezüchter inzwischen weltweit mit Hilfe umfunktionierter Tinten- und Laserstrahltechnik eine ganze Reihe von Geweben und Organen drucken können, steht außer Frage.

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