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05.08.2013

15:58 Uhr

Biotech-Medikamente

Blockbuster aus dem Genlabor

VonSiegfried Hofmann

Biotechnisch hergestellte Krebs-, Rheuma- und Diabetesmedikamente bescheren der Pharmabranche Milliardenumsätze. Doch Entwicklung und Herstellung sind wesentlich teurer als bei klassischen Generika.

Biotech-Labor: Viele der sogenannten Biologicals entpuppten sich bislang als sehr erfolgreich. dpa

Biotech-Labor: Viele der sogenannten Biologicals entpuppten sich bislang als sehr erfolgreich.

FrankfurtDas Zeitalter der Biotech-Medikamente begann vor gut 30 Jahren, als die US-Firmen Genentech und Eli Lilly erstmals die Gentechnologie nutzten, um ein synthetisches Insulin zu produzieren. Seither haben Pharmafirmen mehr als drei Dutzend weitere solcher Medikamente auf den Markt gebracht.

Bei den sogenannten Biologicals handelt es sich durchweg um komplizierte Eiweißstoffe, die auf herkömmliche Art mittels chemischer Synthese nicht hergestellt werden können. Stattdessen nutzen Pharmafirmen genmodifizierte Bakterien oder Zellen. Diese werden in Bioreaktoren vermehrt, anschließend filtert man die von den Mikroorganismen produzierten Wirkstoffe aus der Nährlösung heraus.

Etliche dieser Produkte entpuppten sich als kommerziell sehr erfolgreich. So stellen Biologicals inzwischen acht der zehn umsatzstärksten Medikamente weltweit. Spitzenreiter ist das einst von BASF entwickelte und heute vom US-Konzern Abbvie vertriebene Rheumamittel Humira mit zuletzt knapp zehn Milliarden Dollar Umsatz. Ab 2014 laufen die Patente für mehrere dieser Blockbuster aus, so etwa für das Krebsmittel Herceptin von Roche und das Insulin Lantus von Sanofi.

Aufgrund der speziellen Produktionsweise lassen sich Biologicals allerdings nicht eins zu eins kopieren. Denn Nachahmer können zwar die gleichen Gene nutzen wie die Originalhersteller; sie können diese aber nicht in dieselben Zelllinien oder Bakterien einbauen. Ihre Kopien sind daher nicht 100-prozentig identisch mit den Originalen.

Die Hersteller müssen Wirksamkeit und Sicherheit ihrer "Biosimilars" daher in eigenen Studien nachweisen. Sowohl die Produktentwicklung als auch die Herstellung ist folglich wesentlich teurer als bei klassischen Generika. Es sind daher im Wesentlichen die großen Generikafirmen wie Sandoz oder Teva, die sich im Bereich der Biosimilars engagieren. Darüber hinaus drängen aber auch etablierte Originalhersteller in das Geschäft. Dazu gehören etwa der US-Biotechkonzern Amgen und der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim. Sie arbeiten unter anderem an Biosimilar-Versionen von Krebsmedikamenten wie Herceptin, Rituxan und Avastin, die bisher noch exklusiv vom Pharmakonzern Roche vermarktet werden.

Aufgrund der Besonderheiten in Entwicklung und Produktion wird erwartet, dass die Preisdifferenzen zu den Originalen relativ moderat sein werden und die Nachahmer auch weniger Marktanteile erobern können als bei klassischen Generika. Dennoch geht das Marktforschungsinstitut IMS Health davon aus, dass der Umsatz von Biosimilars von derzeit 700 Millionen Dollar auf bis zu 25 Milliarden Dollar im Jahr 2020 ansteigen könnte.

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