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15.04.2014

10:38 Uhr

Biotech-Unternehmen

Diagnose: Immer zu wenig Geld

VonSiegfried Hofmann

Die schlingernde deutsche Biotech-Industrie fordert erstmals Hilfe vom Staat. Als Folge eines chronischen Kapitalmangels fällt die Branche im internationalen Wettbewerb immer weiter zurück.

Biotech-Firmen: Finanzprobleme hemmen zügige Produktentwicklung. dpa

Biotech-Firmen: Finanzprobleme hemmen zügige Produktentwicklung.

Es klingt nach einer guten Nachricht aus einer gesunden Industrie: Die deutsche Biotech-Branche hat im vergangenen Jahr zehn Prozent mehr Kapital eingeworben als im Vorjahr. Rund 325 Millionen Euro waren es nach Berechnung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgruppe EY. Doch eine weitere Zahl zeigt, dass die Finanzierung der deutschen Biotech-Firmen im internationalen Vergleich geradezu niedlich klein ausfällt: Der Kapitalzufluss für Firmen aus der Branche war in den USA zuletzt etwa 80-mal so hoch.

So gesehen ist es eine Nachricht aus einer kränklichen Industrie. Anfang des Jahrtausends war die Biotech-Branche in Deutschland voller Ambitionen. Die Erforschung der Gene und die Entwicklung neuer Arzneien in modernen kleinen Unternehmen galt als Nährboden einer neuen Zukunftsindustrie - einer, in der Deutschland neben den USA führend sein kann.

Doch 2014 ist davon keine Rede mehr, die Ernüchterung ist groß. "Der deutsche Biotech-Sektor befindet sich in einem Zustand fortwährender Stagnation", so lautet die Diagnose im neuen Branchenreport von EY. Die Prüfungsgesellschaft beobachtet die deutsche Biotechszene seit zwei Jahrzehnten intensiv, ihre Analysen haben in der Branche viel Renommee.

Als Folge eines chronischen Kapitalmangels fällt die Branche im internationalen Vergleich immer weiter zurück. Nur noch ein Drittel der Firmen traut sich in die Pharmaforschung - also in das Gebiet, das der ursprüngliche Kern der Branche ist. Der Rest investiert lieber in Pflanzenforschung oder in neue Stoffe etwa für Waschmittel.

Grund: Die Arzneientwicklung ist risikoreich, dauert lange und braucht viel Geld. Vergleicht man die Zahl der fortgeschrittenen Kandidaten für neue Medikamente, so ist Deutschland auf Platz sechs in Europa zurückgefallen - hinter Ländern wie Israel, Schweiz und Schweden. Dabei galt Deutschland wegen seiner erfolgreichen Arzneiforschung einst als "Apotheke der Welt".

Kommentare (1)

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15.04.2014, 11:02 Uhr

Seltsam, immer mehr Firmen /Wirtschaft wollen mehr staatliche Unterstützung. Alles nur, weil sie unfähig sind bzw. den Staat nur abzocken, schädigen wollen. Wieso müssen die Führungskräfte unbedingt wahnsinns Boni sowie überzogene gehälter beziehen? Reich etwa , sagen wir ca. 10.000,00 im Monat nicht umd die Versager = Experten zu entlohnen? Sieht man die Wirtschaftsmeldungen sind die Experten nur Abzocker und Versager!

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