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08.07.2013

16:00 Uhr

Branche in der Krise

Deutsche verbauen weniger Solaranlagen

Der Solarstrom war bisher einer der größten Kostentreiber bei der Energiewende. Nun wird sich der Zubau in diesem Jahr wohl fast halbieren. Sinkende Strompreise bedeutet das für die Bürger aber trotzdem nicht.

Bei Weitem kein Regelfall: Die Installation von Solaranlagen auf Privatdächern, hier in St.Peter im Hochschwarzwald. dpa

Bei Weitem kein Regelfall: Die Installation von Solaranlagen auf Privatdächern, hier in St.Peter im Hochschwarzwald.

BerlinDie Deutschen bauen nach mehreren Förderkürzungen bedeutend weniger Solaranlagen auf ihre Hausdächer als noch in den Vorjahren. In den vergangenen drei Jahren seien jeweils etwa 7500 Megawatt an neuer Solarleistung hinzugekommen, 2013 würden es nur noch etwa 4000 Megawatt, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) am Montag in Berlin. So könnten die Kosten für die Verbraucher gemildert werden. Während allein die 2010 installierten Anlagen die Bürger in diesem Jahr 2,2 Milliarden Euro kosteten, seien es bei den Anlagen aus diesem Jahr nur noch rund 300 Millionen. Die Förderkosten werden per Ökostrom-Umlage auf den Verbraucher-Strompreis umgelegt.

„Der Ausbau der Photovoltaik war in den letzten drei Jahren völlig außer Kontrolle geraten“, sagte Altmaier. Vor einem Jahr hatten Bund und Länder die Solarförderung daher reformiert - Altmaier sagte, die Wirkung der Reform übertreffe die Erwartungen. Neben automatischen weiteren Kürzungen bei einer bestimmten Zubaumenge soll es bei 52 000 Megawatt installierter Leistung für Neuanlagen keine Förderung mehr geben. Laut Altmaier wird diese Grenze 2017 oder 2018 erreicht sein.

Wegen hoher Strompreise nutzen immer mehr Bürger den Sonnenstrom vom Dach zur Eigenversorgung. Altmaier bekräftigte, dass es auch bei der Windenergie eine ähnliche Regelung mit einer Deckelung geben solle.

Für jede Kilowattstunde Solarstrom wird eine feste, auf 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung gezahlt. Die Differenz zwischen dem an der Strombörse dafür erzielten Preis und dem Vergütungssatz zahlen die Bürger per Umlage über den Strompreis. Trotz des Abbremsens des Solarausbaus wird die Umlage weiter steigen - denn die Preise an der Strombörse fallen, wenn mehr Wind- und Solarstrom erzeugt wird. An vielen Tagen gibt es schlicht ein Überangebot. So wachsen - auch ohne weiteren Ökostrom-Zubau - die Differenzkosten bei der Umlage.

Ein Problem sind die hohen Solarvergütungen der Vorjahre. Für eine im Juli 2009 ans Netz gegangene Anlage werden über 20 Jahre 43,01 Cent je Kilowattstunde gezahlt - hier fallen enorme Differenzkosten an, wenn der Preis an der Strombörse teilweise unter 3 Cent fällt. Für eine jetzt im Juli neu gemeldete Kleinanlage gibt es nur noch 15,07 Cent Vergütung. In den ersten sechs Monaten 2013 wurden nur noch 1800 Megawatt an neuer Solarleistung installiert - dabei im Juni 315 Megawatt. Allein im Juni 2010 waren es satte 2109 Megawatt.

Von

dpa

Kommentare (12)

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laika0231

08.07.2013, 12:13 Uhr

Das bedeutet also, dass die Versprechungen einiger Politiker der Koalition, durch den Stopp des Zubaus neuer PV-Anlagen die Strompreise senken zu wollen, leere Worthülsen sind.
Die Berechnungsgrundlage für die EEG-Umlage und die Ausnahmen für sog. "energieintensive Betriebe" müssen dringend auf den Prüfstand!

vandale

08.07.2013, 12:23 Uhr

Teil des Regierungskonzepts ist es die Subventionssätze für Solaranlagen gem. des Zubaus mehr und mehr zu reduzieren.

In den vergangenen Jahren sanken die Preise für Solaranlagen durch die Produktionsverlagerung nach Asien rasant und so lohnte sich der Bau dieser Anlagen für die Betreiber trotz sinkender Subventionssätze.

Mittlerweile verlangsamt sich die Preisreduktion der Solarmodule. Die Installationskosten bleiben gleich, oder steigen entsprechend der allgemeinen Preissteigerung.

Strom ist sehr begrenzt speicherbar. Einspeisung und Stromabnahme müssen in jedem Augenblick im Einklang stehen. Dies wird durch regelbare Kraftwerke im Netz sichergestellt. Der Wert des beliebig eingespeisten Solarstroms ist in einem bedarfsgesteuertem Netz demzufolge nahe 0, möglicherweise unter Berücksichtigung von Netzausbaukosten, kurzfristiger Frequenzstabilisierung negativ.

Der Satz...Während die 2010 installierten Anlagen die Bürger in diesem Jahr 2,2 Milliarden Euro kosteten, seien es bei den Anlagen aus diesem Jahr nur noch rund 300 Millionen, die auf den Strompreis umgelegt werden...ist etwas seltsam und wahrscheinlich ein mathematisches Kunstwerk. Jede neue Anlage erhöht die Kosten für die Gesellschaft. Auch bei Subventionssätzen von 15c/kWh ist das Verhältnis zwischen dem Wert des eingespeisten Stroms und den vergüteten Subventionen > 10.

Vandale


Analyst

08.07.2013, 12:31 Uhr

Wir brauchen ein Gesetz das die 20 Jahre gerantierte Einspeisevergütung mit den Jahren degressiv gestaltet und zwar rückwirkend. Die EEG-Umlage ist bald doppelt sowie wie der Börsenstrompreis - das kann nicht rechtens sein. Hier hat jemand seine Kompetenzen überschritten - hier ist meines Erachtens bei einer vollstädigen Prüfung der Folgen des EEGs ein rückwirkender Eingriff in die Zusagen zulässig. Es geht ja nicht um rückwirkende Gesetze. Keiner will den Leuten die Vergütung von 2012 wegnehmen. Es ist lediglich eine tatbestandliche Rückanknüpfung, bei der viel niedrigere Hürden gelten. Und diese Hürden sind genommen. Wie kann es sein dass die Bahn mit "100% Ökostrom" wirbt, die Oma von Ihrer bescheidenen Rente aber dafür bezahlt? Das ist eine Sauerei.

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