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17.09.2013

15:46 Uhr

Brandbrief

Energiekonzerne warnen vor Kostenwelle

VonThomas Hanke

Große Energiekonzerne halten Europas Energiepolitik für gescheitert. Sie fordern deshalb weniger Subventionen für Anlagen mit erneuerbaren Energien. Gleichzeitig soll die umstrittene Fracking-Technik erlaubt werden.

Erdgasspeichers in Hamburg: Energieversorger schicken einen Brandbrief an die europäische Politik. dpa

Erdgasspeichers in Hamburg: Energieversorger schicken einen Brandbrief an die europäische Politik.

ParisIn einem dramatischen Appell an die europäische Politik warnen neun große Versorger vor einer drohenden Energiekrise: „Die Versorgung ist nicht mehr gesichert, die CO2-Emissionen steigen, die Investitionen im Energiesektor sinken drastisch, und die Kosten steigen stark an.“ Die Unterzeichner des Appells sprechen klar von einem „Scheitern der Energiepolitik“ in Europa. Lanciert haben den Aufruf die Konzerne Eon und RWE aus Deutschland, Enel und Eni aus Italien, GasTerra aus den Niederlanden, Gas Natural aus Spanien, Vattenfall aus Schweden und GDF Suez aus Frankreich. Dessen Chef Gérard Mestrallet tritt zusammen mit Paolo Scaroni von Eni als Wortführer auf.

Die Konzerne verlangen einen Rahmen für die Energiepolitik, der eine Preisbildung möglichst nahe an den Marktbedingungen ermögliche und „Energie nicht als Finanzierungsquelle für andere Politiken ansieht“. Dafür müsse der Wettbewerb gestärkt und das Funktionieren des europäischen Markts verbessert werden. Die Subventionen für neue Anlagen mit erneuerbaren Energien sollten gesenkt werden, „um dem Bedarf der Strommärkte gerecht zu werden“. Gleichzeitig fordern die Unternehmen aber eine höhere Forschungsförderung für Erneuerbare, die noch weiter von der Marktreife entfernt sind.

Besonders strittig dürfte die Forderung sein, die Versorgung mit Gas durch Nutzung lokaler Quellen „auch nicht-konventioneller Art“ zu verbessern. Dahinter steckt die Idee, die Förderung von Schiefergas mit Hilfe der Fracking-Technik, also des Aufspaltens tiefer Gesteinsschichten mittels Wasser und Chemikalien, zu erlauben. In vielen EU-Ländern, so auch in Frankreich, ist das verboten oder hochumstritten.

Ein überraschend Abwesender ist der französische Energie-Gigant EDF. Das Unternehmen wollte das offiziell nicht begründen. Doch ist deutlich, dass der Aufruf stark von Unternehmen mit einem Schwerpunkt bei Erdgas wie etwa GDF geprägt ist. EDF dagegen legt Wert „auf einen ausgeglichenen Energiemix“. Das Gros seiner Stromproduktion leisten Atomkraftwerke, doch investiert der Konzern viel in Erneuerbare und hat auch viele ältere Wasserkraftwerke.

Die stark auf Gas angewiesenen Unternehmen wie GDF stört einerseits die hohe staatliche Förderung der Erneuerbaren, andererseits der Zusammenbruch des EU-Markts für CO2-Emissionszertifikate. Das hat dazu geführt, dass stark verschmutzende Kohlekraftwerke billiger arbeiten als Gaskraftwerke und diese verdrängen. GDF musste bereits zwei Gaskraftwerke in Frankreich stilllegen. Mestrallet spricht gar von der „Gefahr eines Blackouts“ im nächsten Winter.

Kommentare (18)

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nbird.de

17.09.2013, 16:26 Uhr

Die lügen doch alle paar Monate, um Druck auf die Politik auszuüben und noch mehr Steuergelder zu kassieren. Lügenpack allesamt. Fracking ist auch eine absolute Katastrophe die aus reiner Profitgier vorangetrieben wird...

Account gelöscht!

17.09.2013, 16:57 Uhr

@nbird.de
Wer auf andere mit dem (Zeige-)Finger zeigt, bemerkt meistens nicht, dass dabei 3 Finger (Mittel- Ring- und kleiner) auf ihn selbst gerichtet sind.

Sie schimpfen einfach los - ohne irgendwelche belegbaren Argumente. Sie haben sicher woanders Ihre Stärken, aber mit solchen primitiven Kommentaren tun Sie sich keinen Gefallen.


Account gelöscht!

17.09.2013, 17:48 Uhr

Alles kommt, wie es kommen muss. Da die "Erneuerbaren" nicht grundlastfähig sind aber einen immer grösseren Antel an der Energieerzeugung ausmachen, fallen die Anteile der bisherigen konventionellen Erzeugung zurück. Die Folge ist eine schlechte Auslastung und stark fallende Ergebnisse bei den grossen Versorgern, z.B RWE verliert 62% auf nur noch 0,7 MRD Euro Ertrag in der Stromerzeugung. Es ist absehbar, dass in zwei Jahren, wenn der auf Termin verkaufte Strom noch weniger bringt, das Ergebnis weiter unter Druck gerät.
Nur: Abschalten kann man die konventionellen Kraftwerke auch nicht, da sie auf absehbare Zeit zur Bereitstellung der Grundlast gebraucht werden. Die Kosten für die "Betriebsbereitschaft" wird man wohl überwiegend wieder dem Privatmann aufhalsen. Der kann sich ja schlecht wehren und hat sich ja auch in der Vergangenheit als hervorragende Finanzierungsquelle für dieses "ausgeklügelte" Energiewende-Projekt bewährt!
Auch lachhaft: heute stand im Handelsblatt zu lesen, dass der Zubau an Windkraftanlagen 3000 MW in 2013 beträgt. Gleichzeitig will man Wasserstoff in Salzstöcken einlagern, ist allerdings derzeit noch in einer 2 MW-Pilotanlage. Bis 2022 hofft man dann 1000 MW an Speicherkapazität geschafft zuhaben. Nochmal: 3000 MW Zubau an Windkraft in 2013, 1000 MW Speicherkapazität (erhofft) in 2022! Bravo!!!!!!!!!! Der Netzbetreiber Tennet meldete die Tage im ersten Halbjahr 2013 an 177 von 181 Tagen ins Netz eingegriffen zu haben, um es vor Überlastung zu schützen. Dabei wurden Kraftwerke heruntergefahren und Windräder gestoppt. Hier bei uns auf dem Hunsrück kann ich das alle paar Tage beobachten. Bei Wind laufen von den Batterien an Anlagen welche, in derselben Anlage stehen aber einzelne Räder still - wegen Überlastung. Und der Zubau geht ungereglt weiter, als wenn es kein Morgen gäbe. Und für so einen Unsinn ruinieren wir uns unsere Landschaft und unseren Lebensraum. Die Unfähigkeit und Uneinsichtigkeit sind einfach unglaublich.

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