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10.12.2013

11:27 Uhr

Brustimplantate-Urteil

Vier Jahre Haft für PIP-Gründer

Jean-Claude Mas muss für vier Jahre ins Gefängnis. Mehr als 5000 Frauen sollen in Deutschland die reißanfälligen und nicht zugelassenen Implantate seiner französischen Firma PIP verwendet haben. Ein Nebenkläger: der TÜV.

PIP-Gründer Jean-Claude Mas während einer Verhandlungspause in Marseille. AFP

PIP-Gründer Jean-Claude Mas während einer Verhandlungspause in Marseille.

MarseilleIm weltweiten Skandal um Billig-Brustimplantate ist der Gründer der französischen Herstellerfirma PIP zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Ein Strafgericht im südfranzösischen Marseille verhängte am Dienstag gegen Jean-Claude Mas zudem eine Geldstrafe von 75.000 Euro und ein Verbot, im Medizin- oder Gesundheitsbereich tätig zu sein und ein Unternehmen zu führen. Mas musste sich in dem Prozess wegen schwerer Täuschung und Betrugs verantworten.

Der Strafverteidiger des 74-Jährigen kündigte umgehend an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Er sei über das Urteil „enttäuscht, aber nicht überrascht“, sagte Anwalt Yves Haddad. Wegen der Berufung und weil das Gericht keine sofortige Vollstreckung der Haftstrafe anordnete, bleibt Mas vorläufig auf freiem Fuß.

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Niederlage für den TÜV Rheinland: Der Prüfdienstleister trägt im Skandal um Billig-Brustimplantate eine Mitschuld, wie ein französisches Gericht entschieden hat. Das Unternehmen will in Berufung gehen.

Mas hatte zugegeben, die Brustimplantate mit einem nicht zugelassenen, billigeren Industriesilikon gefüllt zu haben. Die Einlagen reißen schneller und werden für Entzündungen verantwortlich gemacht. Mas bestreitet aber eine Gesundheitsgefährdung durch die Einlagen. Die Firma hatte weltweit hunderttausende Implantate verkauft, in Deutschland sind etwa 5000 Frauen betroffen.

Vier mitangeklagte frühere Mitarbeiter von PIP wurden von dem Gericht in Marseille ebenfalls schuldig gesprochen. Sie kamen mit leichteren Strafen davon, die zwischen 18 Monaten Haft auf Bewährung und drei Jahren Haft liegen, von denen zwei zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Weltweit implantierten Chirurgen Schätzungen zufolge Hunderttausenden Frauen Silikonkissen des mittlerweile insolventen Unternehmens Poly Implant Prothèse (PIP). Mehr als 7000 von ihnen traten in dem ersten Strafprozess als Nebenkläger auf – wie auch der TÜV Rheinland. Der Prüfdienstleister war für die Zertifizierung der Implantate und des PIP-Qualitätssicherungssystems zuständig.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

10.12.2013, 11:22 Uhr

Er hat den Tod von Menschen aus Geldgier in Kauf genommen. Das wird in unserer Zeit mit 4 Jahren Haft bestraft!

Erbärmlich. Jegliche Werte sind verloren gegangen!

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