Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.12.2014

09:46 Uhr

Bundesgerichtshof

Wie gefährlich sind Legal Highs?

Ist das, was oft als Kräutermischung angeboten wird, ähnlich wie Cannabis? Oder gefährlicher als Kokain? Und ab wann sind sogenannte Legal Highs strafbar? Der Bundesgerichtshof entscheidet darüber im Januar.

Mit Drogen versetzte Kräutermischung: Seit einigen Jahren bereiten die Modedrogen der "Legal Highs" den Fahndern Kopfzerbrechen. dpa

Mit Drogen versetzte Kräutermischung: Seit einigen Jahren bereiten die Modedrogen der "Legal Highs" den Fahndern Kopfzerbrechen.

Sie werden oft als Kräutermischungen oder als Lufterfrischer angeboten - sogenannte Legal Highs können teils aber hoch gefährliche Drogen sein. Darauf haben am Mittwoch zwei Sachverständige vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hingewiesen. Wie gefährlich diese synthetisch hergestellten Stoffe sind, darüber gingen die Meinungen auseinander. Ab welcher Menge der Besitz und Handel künstlicher Cannaboide strafbar ist, darüber will der BGH am 14. Januar entscheiden.

Bei der mündlichen Verhandlung beschrieb der Freiburger Toxikologe Volker Auwärter die große Bandbreite der Substanzen, die vergleichsweise harmlos wirken können, aber - je nach Art der Einnahme oder der Kombination mit anderen Rauschmitteln - schlimme Folgen haben können: von Angstzuständen und Erbrechen über Nierenversagen und Krämpfe bis in seltenen Fällen auch zum Tod.

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden Legal Highs meist als Räuchermischungen, Badesalze oder Reiniger verkauft, um den Zweck der Produkte - den Konsum - zu verschleiern.

„Russisch Roulette auf Kosten der Verbraucher“

Ein Problem der häufig in China oder Indien hergestellten synthetischen Rauschmittel sei bereits, dass es bei den Substanzen von Päckchen zu Päckchen starke Schwankungen geben könne und die Drogen somit immer anders wirkten, erklärte Auwärter. „Es ist Russisch Roulette auf Kosten der Verbraucher“, sagte der Freiburger Toxikologe. Das Abhängigkeitspotenzial sei von Konsumenten höher als bei Cannabis eingeschätzt worden.

Rainer Dahlenburg, Pharma-Experte beim Bundeskriminalamt, sieht künstliche Cannaboide nicht als „weiche Droge“. Er verglich die Gefährlichkeit mit Kokain.

Der 1. BGH-Strafsenat hatte die beiden Sachverständigen geladen, um herauszufinden, ab wann der Besitz oder Verkauf mancher Mischungen der Designerdrogen bestraft werden sollte. Ein schwieriges Unterfangen, wie sich bei der mündlichen Verhandlung herausstellte.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte gesundheitliche Risikofaktor?

Die BGH-Richter überprüfen ein Urteil des Landgerichts Landshut. Es hatte einem Angeklagten angelastet, drogenhaltige Kräutermischungen über das Internet verkauft zu haben. Das Landgericht verurteilte den Mann 2013 unter anderem wegen Handels mit Betäubungsmitteln zu zwei Jahren Bewährungsstrafe. Es hatte den Anteil der künstlichen Cannaboide mit insgesamt 1,75 Gramm als „nicht geringe Menge“ eingestuft. Der Mann ging daraufhin in Revision. Auch die Staatsanwaltschaft ging für eine grundsätzliche Klärung in Revision.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Krauss

08.12.2014, 14:50 Uhr

Der Hauptgrund für die Existenz dieser gefährlichen Legal Highs ist ja gerade, das Canabis verboten ist.

Die zunehmenden Probleme durch Canabiskonsum sehe ich jedenfalls eher darin, das sich Canabiskonsumenten aus der illegalen Ecke lösen wollen und deshalb "legale" Mischungen nehmen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×