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23.04.2014

18:30 Uhr

Chronisches Pilotprojekt

Intelligente Stromzähler sind noch Mangelware

Die Sonne scheint, der Wind weht - aber niemand ist Zuhause, um den Strom zu verbrauchen? Ein wichtiger Baustein der Energiewende sind intelligente Elektrogeräte, die Last aus dem Netz nehmen. Doch die nötigen smarten Stromzähler lassen immer noch auf sich warten.

Digital gegen herkömmlich: Smarte Stromzähler lassen noch auf sich warten. dpa

Digital gegen herkömmlich: Smarte Stromzähler lassen noch auf sich warten.

Stuttgart/MühlheimWaschmaschinen, die automatisch anspringen, wenn der Strom günstig, ist. Ferngesteuerte Heizungen und Tankstellen für Elektroautos, die gleichzeitig als Stromspeicher fungieren. Der Fantasie der Firmen sind kaum Grenzen gesetzt, wenn es um Anwendungsbeispiele geht, die den Nutzen der Energiewende für den Verbraucher beschreiben. Bislang ist das jedoch in den allermeisten Fällen noch ferne Zukunftsmusik.

Das Problem: Intelligente, digitale Stromzähler, die helfen, den Verbrauch zu steuern, sind in Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern noch Mangelware. Zwar ist deren Einbau seit 2010 in Neubauten und grundsanierten Gebäuden Pflicht. Bis 2022 sollen nach der Vorgabe der EU 80 Prozent der Verbraucher mit intelligenten Messsystemen ausgestattet werden. Doch auf klare Vorgaben warten die beteiligten Firmen inzwischen seit Jahren.

Nur in Pilotprojekten wie zum Beispiel in Mülheim an der Ruhr, wo der Stromversorger RWE „Smart Meter“ getestet hat, verfügen alle 100.000 Haushalte über intelligente Stromzähler. „Der Rechtsrahmen fehlt in einer endgültigen Ausprägung“, erklärt Helmut Edelmann von der Wirtschaftsberatung Ernst & Young.

Dabei gelten sogenannte Smart Meter als eine der Schlüsseltechnologien der Energiewende: Die intelligenten Stromzähler sollen helfen, den Energieverbrauch genau abzubilden und gegebenenfalls sogar zu steuern, je nach dem wie groß das Angebot an produziertem Wind- oder Sonnenstrom gerade ist. Auf diese Weise können Versorger die Stromproduktion auf den tatsächlichen Bedarf abstimmen und Schwankungen in ihren Netzen managen. Tankstellen für Elektroautos oder Nachtspeicherheizungen sollen beispielsweise als Energiespeicher dienen. Die Verbraucher sollen davon profitieren, dass ihre Stromtarife flexibel angepasst werden können.

Doch während andere europäische Länder wie Schweden, Italien oder die Niederlande längst mit dem Ausbau begonnen haben, hinkt Deutschland noch hinterher. Zwar wurden Anforderungen zum Datenschutz schon 2012 definiert, aber erst seit vergangenem Sommer liegt eine vom Wirtschaftsministerium bestellte Kosten-Nutzen-Analyse für den Rollout von Smart Metern in Deutschland der Wirtschaftsberatung Ernst & Young vor. Was nun noch fehlt, sind Verordnungen, die Details sowie Ablauf des Ausbaus regeln und klären, wer die Kosten trägt.

Finanzierungsmöglichkeiten für die in Diskussion befindliche Ausbau-Varianten würden derzeit auf Arbeitsebene sondiert, erklärt eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Ernst & Young schlägt in seiner Analyse einen mehrstufigen Rollout vor. Die Kosten sollen verteilt werden: Die Nutzer intelligenter Messsysteme mit bis zu 72 Euro pro Jahr deutlich mehr belastet als Verbrauchsstellen ohne Smart Meter mit acht Euro pro Jahr.

Die beteiligten Unternehmen hoffen, dass das Verordnungspaket noch in diesem Jahr verabschiedet wird. So steht es im Koalitionsvertrag. Hersteller wie Landis+Gyr warten dringend auf grünes Licht. Während die Firma in Großbritannien bereits Aufträge für Millionen Smart Meter erhalten hat, seien in Deutschland nur Millionen Euro investiert worden, sagt Landis+Gyr-Chef Peter Heuell. „Es wäre gut, wenn der Markt sich endlich in Bewegung setzen würde“, so Frank Schmidt, Leiter des Geschäftsfeldes Energie bei der Deutschen Telekom. Firmen wie der Bonner Telekommunikationsriese, aber auch Accenture oder Siemens, wollen ins Geschäft mit IT-Beratung und Abrechnung einsteigen.

Dass der Ausbau mit den Verordnungen dann sofort 2015 beginnen werde, bezweifelt Helmut Edelmann. „Der Rollout startet frühestens am 1. Januar 2016“, ist seine Prognose. Denn die Smart-Meter-Hersteller ließen sich zwar derzeit ihre Geräte vom zuständigen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizieren, diese müssen dann aber auch erst einmal gebaut werden. Auch die Netzagentur hat noch ein Wörtchen mitzureden.

Bis Verbraucher in den vollen Genuss variabler Tarife kommen, dürfte es deshalb noch dauern: Versorger wie RWE und EnBW wollen die Sprechern zufolge erst anbieten, wenn auch endlich die Technik steht. „Es muss erstmal ein Messsystem da sein“, sagt ein EnBW-Sprecher.

Von

dpa

Kommentare (9)

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23.04.2014, 19:23 Uhr

In einem modernen Stromnetz hat man sich an den Bedarf des Kunden angepasst. Der Verbraucher kocht wann er möchte, wäscht wann er Bedarf sieht, er steckt den Stecker ein wenn er Staubsaugen möchte. Dazu haben die Versorger ein Netz mit einer Vielzahl unterschiedlicher Erzeuger, vom umweltfreundlichen Kernkraftwerk für die Grundlast, über Kohlekraftwerke für die Mittellast und flexible Gasturbinen und Speicherkraftwerke für Lastspitzen errichtet.
In Deutschland möchte man den Strom gem. ökoreligiöser Visionen aus Wind, Sonne und der Verbrennung von Lebensmitteln (Biostrom) herstellen. Erstere speisen Strom gem. den Launen des Wetters ins Stromnetz ein. Bei einer weitgehenden Versorgung gem. dieser religiösen Visionen muss sich dann der Stromverbraucher an das Stromaufkommen anpassen. Die im Artikel genannten Lenkungsmöglichkeiten die ohne Komfortverlust möglich sind wurden einst von der DENA auf 3000 MW (ca. 5% des Bedarfs) geschätzt. Solarkönige und Ökofunktionäre werden sich auch künftig eine unterbrechungsfreie Stromversorgung leisten. Andere Verbraucher werden bei Windstille eben den Kochvorgang auf die Nacht verlegen, abends auf Beleuchtung verzichten. Vielleicht wird man auch den Bahnverkehr bei Windstille einschränken.

Account gelöscht!

23.04.2014, 19:36 Uhr

"zum Beispiel in Mülheim an der Ruhr, wo der Stromversorger RWE „Smart Meter“ getestet hat"

Ist denn de Strom in Mülheim jetzt billiger geworden?

Account gelöscht!

23.04.2014, 20:02 Uhr

"Waschmaschinen, die automatisch anspringen, wenn der Strom günstig... "

Hoffentlich ist dann auch Wäsche in der Waschmaschine, und das 'Smart Water Meter" von GeneralElectrics erlaubt die Zugabe der passenden Menge von Wasser.
Gewaltige weitere Einsparungen könnte man erzielen, wenn man nur noch eine einzige große Waschmaschine im Dorfzentrum aufstellen würde, die die Einheitswäsche der Dorfbewohner bei passenden Wetterbedingungen in einem Zug durchwaschen würde. Als Einheitswäsche könnten z.B. die Blaukittel und Blaumänner dienen, wie sie unter Mao-Tse-Tung üblich waren. Gerade in Deutschland könnten derartige Projekte sehr schnell eingeführt werden,weil viele frühere Bewunderer von Mao heute im deutschen Bundestag, in europäischen Institutionen und im Zeitungswesen an entscheidender Stelle sitzen.
Es ist bewundernswert, wie GeneralElectric hier mitwirkt, die Träume dieser mit Öko-Inbrunst erfüllten deutschen Politiker zu erfüllen. In den USA allerdings, und ich kenne die Amerikaner ganz gut, hätte dieses uramerikanische Unternehmen nicht die geringste Chance mit diesem Quatsch.

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