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24.07.2014

06:00 Uhr

D wie Drohne

Die unbemannte Größe

VonFlorian Hückelheim

Sie können ein fliegendes Auge sein und Menschenleben retten – oder beenden: Die Entwicklung von Drohnen offenbart Vorzüge und Nachteile einer technischen Entwicklung, auf die immer weniger Branchen verzichten wollen.

Bundeswehr-Mikro-Aufklärungsdrohne „Mikado“: Gut 160 Drohnen dieses Typs besitzt die Bundeswehr. Ein Teil davon kommt in Afghanistan zum Einsatz. dpa

Bundeswehr-Mikro-Aufklärungsdrohne „Mikado“: Gut 160 Drohnen dieses Typs besitzt die Bundeswehr. Ein Teil davon kommt in Afghanistan zum Einsatz.

DüsseldorfDie Privatsphäre im eigenen Garten hat ihren Preis – derzeit etwa 180 Euro. In den kommenden Jahren dürfte er noch weiter sinken. So teuer sind nämlich derzeit Quadrocopter mit Live-Bildübertragung. Sie zählen zur bezahlbarsten Evolutionsstufe des Drohnenbooms der vergangenen Jahre.

Zwar bezeichnet „Drohne“ im eigentlichen Sinn eine männliche Biene, die nicht stechen kann, doch ihr militärisches Pendant ist nicht selten weit davon entfernt, unschädlich zu sein. Das US-Militär setzt inzwischen seit mehr als zehn Jahren die unbemannten Flugzeuge im Anti-Terror-Kampf und in der Überwachung ein.

Reine Überwachungsdrohnen wie die „RQ-7 Shadow 200“ des US-Herstellers AAI Corporation waren bislang aber selten Grund für Schlagzeilen. Statt in geringer Höhe von bis zu 4,6 Kilometern zu fliegen, operieren waffenfähige Drohnen wie die „MQ-9 Reaper“ in über 15 Kilometern Höhe und haben eine Reichweite von rund 5900 Kilometern. Das entspricht in etwa einem Flug von Helsinki nach Madrid und zurück. Die größten Drohnen wie der „Euro Hawk“ können fast viermal längere Strecken bewältigen. Das liegt nicht zuletzt an ihrer Spannweite von knapp 40 Metern und ihrem Strahltriebwerk. Zum Vergleich: Ein Airbus A320, der je nach Ausstattung bis zu 180 Passagiere transportiert, misst fast fünf Meter weniger in der Spannweite, ist aber 23 Meter länger.

Die Bewaffnung von Drohnen nahm Mitte der 1990er Jahren erste Gestalt an. Die US-Luftwaffe stellte die Drohne „MQ-1 Predator“ in Dienst. Sie konnte damals zwei Boden-Luft-Raketen transportieren und abfeuern. Gesteuert wurde sie durch einen Piloten am Boden. Noch heute gilt der Hersteller dieses Drohnenmodells, General Atomics, als führend bei unbemannten Flugzeugen. Seither sind zahlreiche Drohnentypen auf den Markt und zum Einsatz gekommen. Allein 2012 flogen US-Drohnen unbestätigten Medienberichten zufolge 333 Angriffe in Afghanistan. Seit 2004, so berichtet es das Netzwerk Bureau of Investigative Journalism, gab es in Pakistan 386 Drohneneinsätze, bei denen bis zu 3743 Menschen zu Tode gekommen sein sollen; fast ein Viertel davon waren Zivilisten.

Sowohl das Töten aus der Ferne als auch zivile Opfer werden seit Bekanntwerden der Einsätze immer wieder kritisiert. Während Drohnen-Skeptiker fürchten, dass die Schwelle zum Waffeneinsatz sinkt, führen Befürworter an, dass bei Kampfhandlungen keine eigenen Piloten mehr in Gefahr gerieten und lediglich der Abschuss der Drohne zu befürchten sei. Ein teures Unterfangen. Während die „Shadow“-Aufklärungsdrohne umgerechnet rund 200.000 Euro kostet, wären für die Wiederbeschaffung einer „Reaper“-Drohne fast 7,4 Millionen Euro nötig.

Der Verlust eines Drohnenmodells von der Größe des „Euro Hawk“ wäre um ein Vielfaches teurer. So beziffert ein Bericht an den US-Kongress aus dem Jahr 2013 die Kosten für das technologische US-Schwestermodell „Global Hawk“ auf 222,69 Millionen Dollar (umgerechnet 163,3 Millionen Euro). Die zusätzliche Entwicklungsarbeit für das „Euro Hawk“-Steuerungssystem und die nicht realisierte Zertifizierung für den zivilen europäischen Luftraum hätten die Stückkosten für die europäische Militärdrohne zudem noch deutlich weiter nach oben getrieben.

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