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26.03.2014

06:00 Uhr

Daimler-Vorstand Thomas Weber

„Das Auto hat die Welt grundlegend verändert“

Von Bertha und Carl Benz bis zum Elektroauto: Thomas Weber, Forschungs- und Entwicklungsvorstand der Daimler AG, über die Innovationsgeschichte des Automobils und „kreative Tanksäulen“.

Thomas Weber: Seit 2004 leitet er den Vorstandbereich Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung.

Thomas Weber: Seit 2004 leitet er den Vorstandbereich Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung.

Welche Innovation hat Ihrer Meinung nach die Welt am nachhaltigsten verändert?
Es wird Sie nicht überraschen, dass mir hier als erstes die Erfindung des Automobils einfällt. Vor gut 125 Jahren ist Bertha Benz mit dem ersten Automobil von Mannheim nach Pforzheim gefahren. Diese Innovation hat die Welt grundlegend verändert. Ich denke in diesem Zusammenhang etwa an kulturelle Veränderungen als Folge davon: Entfernungen waren plötzlich kein Thema mehr, die Welt wurde kleiner. Gesellschaftlich wurde Mobilität zu einem Grundwert. Die Kehrseite: es kommt zu Unfällen. Die Innovation bedeutet aber auch maßgebliche Veränderungen für unsere Umwelt. Straßen werden gebaut, das Verkehrsaufkommen wächst. Und es entstehen neue Herausforderungen, wie der steigende CO2-Ausstoß. Die umweltgerechte und gesellschaftlich akzeptierte Weiterentwicklung der individuellen Auto-Mobilität ist eines der größten Zukunftsthemen unserer Zeit, wir treiben dies massiv.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Sie meinen, außer Gottlieb Daimler und Carl Benz? (lacht) Im Ernst. Ich habe oft das Gefühl, dass wir heute ganz viele Visionäre unter uns haben. Bei allen Risiken, die das Internet und die Digitalisierung auch mit sich bringen. Beeindruckend finde ich trotzdem, wie viele gerade junge Menschen diese technischen Möglichkeiten nutzen, um ihre Ideen erfolgreich der ganzen Welt zugänglich zu machen. So wie Steve Jobs in der elterlichen Garage den ersten Mac gebaut hat, entstehen heute am heimischen Schreibtisch zum Beispiel neue Apps oder ganze Startups. Da ist extrem viel Dynamik und Zukunft drin.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Viele gute Ideen kommen mir im Austausch mit jungen Mitarbeitern oder mit Studenten z.B. an der Uni Stuttgart. Seit 2010 habe ich dort eine Honorarprofessur. In der Diskussion stelle ich oft fest, dass junge Ingenieure häufig mit einem viel breiteren Blickwinkel an neue Themen herangehen, als wir es im Industriebetrieb machen. Deshalb sind diese Veranstaltungen sehr wertvoll für mich. Um es in der Automobilsprache zu sagen: sie sind eine Art „kreative Tanksäule“, aus denen ich viel Motivation und Tatendrang zapfe.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Ich würde sagen, bevor er zum Arzt geht, kommt er besser zu uns. Denn bei Mercedes-Benz sind Visionäre stets willkommen. Das Besondere am Automobil ist doch, dass es seit über einem Jahrhundert immer wieder neue Visionen und Ideen ermöglicht. Technische Fragestellungen sind auch heute unser Kerngeschäft. Hätte ich Ihnen vor 10-15 Jahren von selbstfahrenden Autos erzählt, hätten Sie wahrscheinlich gedacht, ich habe zu viele Science Fiction Filme geschaut. Heute wird die fahrerlose Fortbewegung dank viel größerer Rechenleistung, neuer Sensor-Technik und Umfelderkennung in Verbindung mit der Digitalisierung und Vernetzung unseres Alltags immer greifbarer. Und das ist nur eines von vielen Beispielen für kreative Zukunftsgestaltung.

Worin sehen Sie für Autobauer die größte Herausforderung der Zukunft?
Wir haben bei Mercedes zwei große Ziele: die Vision vom emissionsfreien Fahren und die Vision vom unfallfreien Fahren. Dazu gehört auch das autonome Fahren. Sie entwickelt sich aus diesem Streben nach Sicherheit und mehr Komfort, wenn es um das möglichst nervenschonende Fahren von A nach B geht. Und gerade diese Vision stellt uns vor immer neue Aufgaben. Wir werden z.B. intensiv an der Optimierung von Karten sowie einer nochmals deutlich gesteigerten Rechnerleistung arbeiten. Technische Fragestellungen sind aber nur das Eine. Auf der anderen Seite müssen auch grundlegende gesetzliche Veränderungen und die nötige gesellschaftliche Akzeptanz geschaffen werden, damit die Vision vom autonomen Fahren eines Tages Realität wird. Dieses Thema habe ich daher bei uns zur Chefsache gemacht, um durch die richtigen Rahmenbedingungen bei diesem wichtigen Zukunftsthema maximal Speed aufzunehmen.

Kommentare (2)

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26.03.2014, 18:44 Uhr

Vielleicht gehören die riesigen Parkplätze bald der Vergangenheit an- man hält,steigt aus das Auto sucht sich selbst einen Platz zum Parken oder wird "geshared" mit anderen und rechtzeitig bevor man es braucht bestellt man es per SMS wieder her.

Account gelöscht!

26.03.2014, 19:50 Uhr

Ich kann Herrn Weber nur zustimmen: Wir haben ungeheuer viele Menschen mit kreativen, guten und auch sinnvollen Ideen, die die Welt verändern können. Es ist geradezu erstaunlich, welche Ideen und technische Kompetenz Menschen etwa in Leserbriefen zu Herausforderungen und Aufgenstellungen haben. Nehmen wir das Beispiel, das Herr Weber angesprochen hat; die emissionsfreie Mobilität. Diese erreichen wir nur durch (annähernd) emissionsfreie Stromerzeugung. Europa hätte dazu Küsten vom Nordkap über Dänemark, Frankreich und Portugal sowie von Schottland, England, Irland. Diese Energie ließe sich kaum noch verbrauchen. Oder das Problem, dass die Sonne nachts nicht scheint: können wir da die Energie aus den hellen Zeitzonen in die dunklen leiten? Mit Gas geht das, auch mit Kleidung aus Indien.
Und wie machen wir das jetzt konkret, Herr Weber. Wer beginnt diese Sachen aufzubauen, durchzusetzen und dafür zu werben?
Aktuell sehe ich, dass die Welt verändert wird, durch Bewahrer, Verhinderer und Bedenkenträger. Das sieht dann so aus, dass die E-Autos als emissionsfrei definiert werden und so den Flottenverbrauch senken. Wenn es jetzt noch gelingt die tatsächlichen Verkaufszahlen nicht gegenrechnen zu müssen, braucht man sie nich mal mehr herstellen: es reicht, wenn man sie mal vorgezeigt hat.
Ein zweiter Aspekt ist die Frage, ob es billiger ist 25% der Bevölkerung etwa in Spanien nichts machen zu lassen oder eben in diesen sinnvollen Projekten zu beschäftigen. Das könnte auch dazu führen, dass diese sich mal ein neues Auto kaufen. Am WE waren in Madrid 2.000.000 Menschen auf der Straße ohne das dies in der Tagesschau erwähnt wurde, in der SD am Mo gab es einen kleinen Artikel auf S.7. Das sieht alles nicht danach aus, als ob die emissionsfreie Mobilität die Phantasie und Visionen der Menschen gerade herausfordert.

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