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18.09.2014

17:37 Uhr

Deutsche Brauer

Fracking-Gesetz ist unzureichend

Die Brunnen der Hersteller müssten stärker geschützt werden, fordert der Deutsche Brauer-Bund. Die Bundesregierung argumentiert mit rechtlichen Problemen dagegen.

Fracking: Brauer sind mit dem geplanten Gesetz mehr als unzufrieden. dpa

Fracking: Brauer sind mit dem geplanten Gesetz mehr als unzufrieden.

OsnabrückDie deutschen Brauer haben das geplante Fracking-Gesetz der Bundesregierung als unzureichend kritisiert. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Donnerstag, es sei "absurd und völlig unverständlich", dass Trinkwasserbrunnen von Lebensmittelherstellern und Brunnen von Brauereien, Mineral- und Heilquellen nicht erfasst würden. Diese würden nicht eigens geschützt.

Begründet wird die Ausnahme von der Bundesregierung nach Angaben des Brauer-Bundes mit rechtlichen Problemen. Gemeinsam mit dem Verband Deutscher Mineralbrunnen sowie der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) rief der Brauer-Bund dem Bericht zufolge ein "Bündnis zum Schutz von Wasser" ins Leben, um strenge Auflagen für die Energiegewinnung durch Fracking zu erreichen.

Fracking: Segen oder Umweltverbrechen?

Erbitterter Streit

Neue Technologien sind oft umstritten. Doch beim Fracking geht der Streit weit über das normale Maß hinaus. Ist die Fördertechnik für Erdgas der Umweltfeind Nummer eins seit der Atomkraft? Oder doch nur eine missverstandene, aber vielversprechende Technologie?

Die Technik

Beim Fracking wird kilometertief in die Erde gebohrt - und dann noch einmal horizontal, zuweilen sechs Kilometer weit. In die Kanäle wird ein Chemiecocktail gepresst, der den Boden aufreißt. Sand in der Flüssigkeit sorgt dafür, dass sich die Risse nicht wieder schließen. Durch sie treten das Erdgas - oder andere Rohstoffe - aus, die dann wie üblich gefördert werden können.

Die Szenerie

Im kanadischen Dawson Creek stand erst ein Bohrturm, 50 Meter hoch. Danach kam das eigentliche Fracking: Sechs gewaltige Trucks stehen dicht nebeneinander und pumpen die Lauge in die Bohrlöcher, 100.000 Kubikmeter pro Bohrfeld. Man versteht sein eigenes Wort nicht, aber die Arbeiter schauen fast gelangweilt auf die Messinstrumente. Ihre Schichten sind hart, der Lohn sind 70.000 bis 140.000 Euro im Jahr. Sind sie weg, ist auch der Lärm weg. Dann soll das Gas 20, 30 Jahre leise aus der Erde in die Pipelines steigen.

Die Gegner

Don Vander Velde ist 68 Jahre alt. Sein ganzes Leben hat er auf dem Land in Alberta, Kanada, gelebt, das seiner Familie seit 1904 gehört. Seit einem Jahrzehnt wird in der Nähe gefrackt. „Manchmal bebt der Boden“, sagt der Farmer. „Und was für Chemikalien kommen da rein?“ Don ist beunruhigt, weil er Kinder, Enkelkinder und eine Urenkelin hat. Die kleine Aspen ist zehn Monate. „Ich bin alt, aber ich möchte nicht ihre Zukunft verspielen.“ Dabei habe er nichts gegen die Förderung. „Ich will auch Energie. Alberta braucht das Gas, so wie es uns Farmer braucht. Also fördert! Aber macht es sicher!“

Das Unternehmen

Encana ist ein Fracking-Riese und Kellen Foreman ist seit elf Jahren dabei. „Wir wollen Transparenz“, beteuert der 29-Jährige. Deshalb würden für Millionen Dollar Zehntausende Wasserproben untersucht. „Und bei nicht einer einzigen ist irgendwo in Kanada eine Verunreinigung des Trinkwassers nachgewiesen worden.“ Und die Erschütterungen? Nur mit feinen Instrumenten messbar. Er könne die Sorgen der Menschen völlig verstehen. „Aber es steckt eine Menge Wissenschaft hinter Fracking. Wir sind keine Cowboys, die da rausgehen und die Erde aufwühlen. Das ist Hochtechnologie.“

Die Politikerin

Hannelore Kraft ist 8000 Kilometer weit gereist, um sich selbst ein Bild zu machen. Mit rotem Overall und weißem Helm steht die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen im Matsch von Dawson Creek in der Wildnis Kanadas, spricht mit den Arbeitern, untersucht die Bohrköpfe und befühlt die Chemielauge, die verpresst wird. „Ich kann mir das im Münsterland nicht so recht vorstellen“, sagt sie. Kraft ist beeindruckt, das merkt man ihr an. Auch von der Offenheit der Arbeiter und der Bohrfirma - in den Augen vieler doch „die Bösen“. Aber kann die Technik auch in Deutschland eingesetzt werden, einem Land das mehr als doppelt so viele Einwohner wie Amerika auf einem Dreißigstel der Fläche hat? „Es ist noch nicht reif, das zu entscheiden. Aber ich kann mir das im dicht besiedelten NRW kaum vorstellen.“

Der Wissenschaftler

Uwe Schneidewind ist einer der wenigen Fracking-Experten in Deutschland. Der Professor und Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie sieht vier Punkte zur Beurteilung von Fracking: klimapolitisch („Unkonventionelle Kohlenstoffvorkommen möglichst nicht anrühren“), volkswirtschaftlich („Arbeitsplatzeffekt ist vorhanden, aber beschränkt“; „Gaspreis sinkt, aber in Europa nicht nachhaltig“), geostrategisch („Abhängigkeit von anderen sinkt, bleibt aber bestehen“) und ökologisch („selbst bei Lösung vieler Probleme in Europa nicht wirklich attraktiv“).

Die Filme

„Gasland“ war ein Welterfolg. Der Dokumentarfilm von Josh Fox aus dem Jahr 2010 wurde nicht nur für den Oscar nominiert, sondern er hat das Thema Fracking auch für die breite Öffentlichkeit erst auf die Tagesordnung gesetzt. In der Schlüsselszene wird ein Wasserhahn aufgedreht und das Wasser angezündet – es brennt. Scharfe Kritik kam von der Branche, aber auch durch einen Kollegen: In „FrackNation“ bezichtigt Filmemacher Phelim McAleer seinen Kollegen Fox, wissentlich ungenau gewesen zu sein. So habe es Berichte über entzündetes Leitungswasser lange vor Fracking gegeben. Inzwischen gibt es „Gasland II“. Als die Dokumentation im April auf dem New Yorker Tribeca-Filmfestival gezeigt wurde, wurden Fans von „FrackNation“, trotz Karten, nicht eingelassen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte in der "Rheinischen Post" vom Mittwoch vor einer Woche angekündigt, die umstrittene Fracking-Technologie zur Förderung von Schiefergas bis mindestens 2021 zu verbieten. Gleichzeitig sollen für das konventionelle Fracking, das es in Deutschland seit Jahrzehnten gibt, erstmals strenge Auflagen gelten. Für die Bundesregierung habe der Schutz des Trinkwassers und der Gesundheit oberste Priorität, hieß es.

Bei der Fracking-Methode wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Sand, Wasser und Chemikalien in den Boden gepresst, um Gestein aufzuspalten und das darin enthaltenen Erdgas zu fördern. Die Technologie ist umstritten, weil durch die eingesetzten Chemikalien das Trinkwasser verunreinigt werden könnte.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr W. Dilling

18.09.2014, 20:39 Uhr

So ist es.

Der Landtag in Niedersachsen veröffentlichte in der Drucksache 16-3591 die in Söhlingen in den letzten Jahren eingesetzten Chemikalien.

Beispiele(!) aus der Drucksache:

Bohrung Söhlingen Z-15:
Kaliumchlorid: 46,6 Tonnen
Diesel: 5,3 Tonnen
2-Butoxylethanal: 0,8 Tonnen
Methanol: 29,5 Tonnen

Bohrung Söhlingen Z14
Kaliumchlorid: 211 Tonnen
Methanol: 1 Tonne
Nonylphenolethoxylat: 1,6 Tonnen

Herr karl psy

19.09.2014, 11:46 Uhr

Fracking ist ja so sicher, zu sehen war dies in Panorama 04.09.14 und sie wurden auch nicht von Exxon bezahlt, leider wurde dieses Fazit der Moderatorin nicht auf der Internetseite weiter gegeben. Aber wer sich für Fraking in den USA intressiert sollte sich mal den Beitrag von Arte ansehen, Gasland, zu sehen im Internet.

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