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25.04.2014

08:24 Uhr

Deutsche Solarbranche

Neustart in der Sonne

Nach bitteren Jahren mit einer dramatischen Pleitewelle schöpft die deutsche Solarbranche wieder Hoffnung. Dabei rücken vor allem Märkte in Übersee in den Fokus. Das gilt gerade für die einstigen Branchengrößen aus Ostdeutschland.

Solaranlage in Nordrhein-Westfalen: Deutsche Solarunternehmen haben einen dramatischen Job-Abbau hinnehmen müssen. dpa

Solaranlage in Nordrhein-Westfalen: Deutsche Solarunternehmen haben einen dramatischen Job-Abbau hinnehmen müssen.

Halle/BerlinAuf ihrem Weg aus der tiefen Krise nimmt die schwer gebeutelte Solarwirtschaft neue Märkte ins Visier. Gerade Unternehmen wie Q-Cells galten einst als Branchenriesen und waren rasanter Jobmotor, mussten aber in der Vergangenheit kräftig Federn lassen. Heute will das Unternehmen aus „Solar Valley“ in Sachsen-Anhalt - wie auch andere in der Branche - dort noch stärker Fuß fassen, wo verlässlich die Sonne scheint.

Laut BSW soll die Exportquote der Photovoltaik-Industrie von 65 Prozent 2013 auf 80 Prozent im Jahr 2020 steigen. Der einstige Weltmarktführer Q-Cells, der im April 2012 Insolvenz angemeldet hatte und dessen Fertigung und Forschung dann vom koreanischen Hanwha-Konzern übernommen worden war, hat jetzt in Indianapolis in den USA nach eigenen Angaben einen 17 Hektar großen Solarpark gebaut. Diese Investition ist nach Angaben von Wolfgang Hummel vom Berliner Zentrum für Solarmarktforschung exemplarisch. Mit deutschem Know-how werde im Ausland investiert, so der Analyst. Auch Brasilien und Chile seien „en vogue“.

Was ist aus Ihrer Sicht das größte Argument für die Energiewende?

„Die Zukunft der Solarbranche liegt im Projektentwicklungsgeschäft, das ist eine Stärke deutscher Ingenieurleistungen“, so Hummel. „Unsere Fokusmärkte liegen in Europa und Japan“, sagte ein Sprecher der Hanwha Q-Cells GmbH (Bitterfeld-Wolfen). Das Unternehmen hat weltweit rund 1200 Beschäftigte, vor der Insolvenz waren es 2200. Im Geschäft mit Kraftwerkslösungen sei die Firma auch in Nord- und Lateinamerika aktiv.

Laut Branchenverband zog in Asien und Amerika die Photovoltaik-Nachfrage „erfreulich an“. Hingegen brach der Absatz in Deutschland um nahezu 60 Prozent ein. Große Solarparks würden hierzulande kaum noch gebaut.

Der deutsche Markt sei für Hanwha Q-Cells vom Volumen her nicht mehr der wichtigste Markt. „Jedoch ist Deutschland unser Heimatmarkt und weiterhin wichtig als Land, in dem sich neue Geschäftsmodelle um Eigenverbrauch und Direktvermarktung als erstes entwickeln“, sagte der Firmensprecher. Dem dürfe die Politik keine Steine in den Weg legen. Gerade auf dem deutschen Markt sorgen die EEG-Reformpläne der Bundesregierung zu Förderkürzungen für Klagen der Branche.

Die Unternehmen haben einen dramatischen Job-Abbau hinter sich: Laut Bundesverband waren 2013 rund 50.000 bis 65.000 Menschen durch die Photovoltaik-Technologie beschäftigt - im Jahr zuvor waren es noch 100.000. Die Firma Sovello aus Sachsen-Anhalt mit 1300 Beschäftigten etwa verschwand gänzlich von der Bildfläche. „Ein harter internationaler Wettbewerb und überzogene Fördereinschnitte haben in den letzten Jahren bereits jeden zweiten Arbeitsplatz in Deutschland gekostet“, erläutert auch Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Solarwirtschaft BSW Solar.

Der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch hatte nach einem Milliardenverlust den kompletten Ausstieg aus dem Solargeschäft beschlossen und sein Werk in Thüringen aufgegeben. Insgesamt waren 1400 Beschäftigte am Standort Arnstadt von dem Aus der Solarsparte betroffen. Die Bonner Solarworld AG übernahm das frühere Bosch-Werk und einen Großteil der Beschäftigten. Hinter Solarworld wiederum liegt eine harte Restrukturierung mit scharfem Schuldenschnitt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

25.04.2014, 11:22 Uhr

@ Marc_Hofmann

sie haben die Weisheit auch mit Löffeln gefressen. So ein Unsinn den Sie hier von sich geben ist nicht zu überbieten!
Die Preise von PV Anlagen sind innerhalb der letzten Jahre um 80% gesunken, so das PV Anlagen konkurenzfähig zu der fossilen Energieerzeugung geworden sind. Entsprechend wird diese Energieerzeugung jetzt Weltweit interessant und das ist auch ein Verdienst des EEG's! Es ist nur ziemlich dämlich, das Deutschland jetzt wo PV Anlagen so günstig sind, den Ausbau bremst und quasi die Früchte nicht erntet! Das ist nur für die 4 großen Energieversorger ein Vorteil bzw. bekommen die mit ihren Kohlekraftwerken mehr Zeit, was sie aber nicht retten wird, sondern ausschließlich der Umwelt schadet! Es ist unverantwortlich!

Account gelöscht!

25.04.2014, 11:36 Uhr

Hallo Loco,
Sonnenkraft allein, wird das Industrieland Deutschland nicht versorgen können und das wissen Sie. HB von heute: voestalpine geht mit Neuinvestitionen in die USA (550 Mio grösste Einzelinvestition des Konzerns in der Geschichte). Begründung : Energiekosten dort liegen bei einem Drittel des Preises in Europa. Siehe Seite 20. Andere Konzerne werden folgen!

Übrigens:
Wie bestellt kam gestern abend ein Bericht über den Windkraft-Wahnsinn in RLP. Ich wohne in der Nähe von Simmern im Hunsrück. Wenn Sie wollen können Sie sich den Bericht über den Link unten ja mal ansehen, dann wissen Sie was aus unserer TOP-Region mittlerweile geworden ist: ein Industriegebiet! Auf Dauer wirds dann in ganz Deutschland so werden (müssen).
Hier sind durch die Luftaufnahmen auch die grossflächigen Abholzungen zu sehen (alles im Namen des Klima- und Naturschutzes), die für die Installation dieser Dinger notwendig werden. Ein Rentner klagt, dass er seinen Strom nicht mehr bezahlen kann, andere können nicht mehr schlafen. Eine Gemeinde wird gegen die andere aufgebracht usw. Ein Bundestagsabgeordneter: "Ich (die Betonung lag auf ICH) bin gegen Atom und Kohle. Und was besseres als Wind ist uns nicht eingefallen." Unausgesprochen: also habt Ihr die Verschandelung eurer Heimat zu dulden. Basta."
Alle dies ficht die grüne Landesregierung nicht an. Weiter wie bisher!


http://swrmediathek.de/tvshow.htm?show=586a9b90-1d6c-11e0-b25b-0026b975f2e6

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