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16.07.2014

15:00 Uhr

Diabetes-Verbände

Eine Steuer für Kalorienbomben

Die Deutschen werden immer dicker, Kampagnen für gesunde Ernährung verhallen oft. Diabetes-Fachverbände haben es satt: Sie wollen, dass Fast Food, Chips und Süßwaren teurer werden, damit weniger junge Menschen erkranken.

Eine Frau spritzt sich eine Dosis Insulin: Allein in Deutschland gibt es jährlich 40.000 Amputationen infolge einer Diabetes-Erkrankung. dapd

Eine Frau spritzt sich eine Dosis Insulin: Allein in Deutschland gibt es jährlich 40.000 Amputationen infolge einer Diabetes-Erkrankung.

BerlinDiabetes-Verbände haben von der Politik erneut höhere Steuern auf ungesunde Lebensmittel wie Fast Food, Chips und Süßes gefordert. Grund sei die steigende Zahl von Zuckerkranken in Deutschland, inzwischen über sechs Millionen Menschen, teilte die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) am Dienstag in Berlin mit. Eine Ernährung mit zu viel Zucker und Fettstoffen gilt als hohes Diabetes-Risiko.

Ein sinnvoller Weg könnte der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf besonders kalorienreiche und ballaststoffarme Produkte sein, sagte DDG-Geschäftsführer Dietrich Garlichs am Dienstag in Berlin. Neben dieser Zucker-Fettsteuer sollten gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse dagegen bewusst gering besteuert werden. Für viele Lebensmittel gilt bisher ein Steuersatz von sieben Prozent.

Die zehn größten Mythen um das Körpergewicht

Alles in Maßen

Hilft Schokolade beim Abnehmen oder macht sie dick? So richtig geklärt ist die Wirkung des süßen Stoffes bis heute nicht. Aber es gilt: Alles ist erlaubt, wenn es nur in Maßen genossen wird - das gilt sowohl für schlanke als auch für etwas kräftigere Menschen.

Ohne Abendessen ins Bett

Es ist ein Irrglaube, dass nur dickere Menschen durch Fette krank werden: Man kann auch innerlich verfetten. Dann sammelt sich das Fett in Körperregionen, die für das Auge unsichtbar bleiben. Die Folge: Herz und Leber etwa umgibt Fett und das kann zu Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen führen. Um Abzunehmen, hilft es im Übrigen nicht, das Abendessen ausfallen zu lassen. Das führt eher zu noch mehr Heißhunger, vor allem in der Nacht.

Ausgewogene Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung mit Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten tut dem Körper am besten - dann entstehen auch keine Fettpolster. Denn auch Menschen mit einem normalen Körper-Masse-Index verstecken Fett in ihrem Körper. Denn sie ernähren sich teilweise zu fettig oder zu süß, bewegen sich dabei auch noch zu wenig. Gleichzeitig essen sie aber nicht genug, um übergewichtig zu werden.

Dicker und gesünder

Länger schon ist bekannt, das dicke aktive Menschen oft gesünder sind als die dünnen, aber wenig aktiven Menschen. Das zeigt sich vor allem im Sterblichkeitsrisiko. Auch ist es ein Trugschluss, dass bei einem Saunagang wirklich Gewicht verloren geht: Tatsächlich wurde nur Wasser ausgeschwitzt. Der Gesundheit tut er aber trotzdem gut.

Stoffwechsel

Sumo-Ringer, die nicht gerade ein Beispiel für besonders schlanke Menschen sind, haben häufig ein besseres Stoffwechselprofil als Menschen, die zwar schlank sind, aber keinen Sport machen. Die Erklärung ist denkbar einfach: Das Fett legt sich bei ihnen nicht um die inneren Organe, sondern lagert direkt unter der Haut. Sport ist also wichtig. Unwichtig hingegen ist, mit welcher Herzfrequenz man Sport treibt. Hauptsache man tut es.

Fettpolster

Durch bewusste Ernährung und Bewegung kann man die Fettpolster im Inneren schnell wieder loswerden, vielleicht sollte man dann aber auf eine Gans wie hier im Bild gezeigt, verzichten. Allerdings ist es auch ein Trugschluss, dass jedes Fett sofort auf die Hüfte wandert - das passiert nur, wenn wir unserem Körper zu viele Kalorien zuführen.

Light-Produkte

Light-Produkte enthalten weniger Zucker und auch Fett. Soweit so gut - über den Kaloriengehalt sagt das allerdings nur wenig aus. Denn sie enthalten oft auch Süßstoffe, die den Appetit anregen und machen damit den Hunger nur noch größer.

Zahl der Mahlzeiten

Man kann es gar nicht oft genug sagen: Es kommt darauf an, wie viele Kalorien man täglich zu sich nimmt - und nicht wie oder wann man ist. Denn bis heute gibt es keine wissenschaftliche Studie, die beweist, dass drei große Mahlzeiten besser wären als fünf kleine. Übergewicht entsteht nicht dann, wenn man ausgewogen isst, sondern bei dem, was man dazwischen isst - wie Chips oder Gummibärchen.

Lebensmittel

Gibt es Lebensmittel, die dem Körper weniger Kalorien zuführen, als der dann für ihre Verdauung benötig wird? Nein, obwohl es ein weitverbreitetes Gerücht und die ultimative Anleitung für eine Diät sein soll, ist das eigentlich Quatsch. Sie wirken höchstens ein bisschen unterstützend.

Jojo-Effekt

Aufpassen sollten Menschen, die gerne abnehmen möchten, vor allem auf den sogenannten Jojo-Effekt. Um wirklich dauerhaft abzunehmen, ist es notwendig, dass die Ernährung dauerhaft umgestellt wird.

Jeden Tag erkranken in Deutschland heute nach DGG-Angaben mehr als 700 Menschen neu an Diabetes. Darunter sei eine große Zahl von Kindern und Jugendlichen, die erst durch falsche Ernährung zuckerkrank wurde (Typ 2). Bei den über 70-Jährigen sei in Deutschland inzwischen fast jeder Dritte Diabetiker.

Im Vergleich zum Typ-2-Diabetes kommt der Typ 1 wesentlich seltener vor. Zum Entstehen dieser Form tragen eine Fehlsteuerung des Immunsystems und erbliche Faktoren bei.

Als Hauptargument für den bereits seit Jahren kontrovers diskutierten Steuerhebel nennt die DGG sichtbare Präventionserfolge bei Alcopops und Zigaretten. Nach Preissteigerungen seien diese Alkoholika weniger gefragt – und der Tabakkonsum von Teenagern erheblich gesunken, ergänzte Garlichs.

Reine Appelle an die Bevölkerung, auf gesunde Ernährung zu achten und Übergewicht zu vermeiden, seien dagegen nachweislich gescheitert. Zwei Drittel der Männer und jede zweite Frau in Deutschland sind nach DDG-Angaben heute übergewichtig – und hat damit auch ein Diabetes-Risiko. Zwischen 1998 bis 2011 seien die Erkrankungszahlen laut Robert Koch-Institut um 38 Prozent gestiegen.

Die Spätfolgen können für die Betroffenen der chronischen Stoffwechselkrankheit hart sein: Es geht nicht allein um Tabletten und Insulin-Spritzen. Pro Jahr gibt es laut Gesellschaft 40.000 Amputationen, 2000 Neuerblindungen und 2300 neue Nierenkranke mit Dialyse durch Diabetes. Das alles verursacht auch hohe Kosten für das Gesundheitssystem.

Der Bundesrat hat die Bundesregierung am 11. Juli aufgefordert, einen Nationalen Diabetesplan zu erarbeiten. Die Länderinitiative schlägt auch vor, noch in diesem Jahr ein Präventionsgesetz vorzulegen. Auch auf Ebene der EU und UN gibt es Bemühungen um mehr Vorbeugung.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Eberhard Steinweg

16.07.2014, 16:54 Uhr

Man koennte auch auf ein Marken-System aus dem Krieg und aus der Nachkriegszeit zurueckgreifen. Der Staat verteilt, was die Buerger fressen sollen.

Herr Dominic Scholz

16.07.2014, 20:00 Uhr

Da bei den meisten Fastfood-Stores die Umsatzsteuer davon abhängig ist, wo man sein Essen verköstigt, d.h. wer im Store isst bezahlt inkl. 19% USt und wer es mitnimmt zahlt inkl. 7% USt und dabei ändert sich auch nichts an dem Preis. Also was bringt dann eine einheitliche Änderung auf 19% USt?
Außerdem glaube ich, nur dadurch dass das Fastfood teuerer wird, werden kaum weniger bei McDonald's, BurgerKing, KFC uvm. essen gehen. Ich selbst arbeite bei einem Pizza-Store, bei dem nach und nach die Preise gestiegen sind und die Bestellungen sind auch nicht dadurch weniger geworden, ganz im Gegenteil es gibt immer wieder neue Kunden.
Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob eine solche Änderung etwas mit sich bringt, allerhöchstens kommt es dem Staat zu Gute, da durch die Steuererhöhung lediglich die Unternehmen mehr Umsatzsteuer an die Finanzämter abführen müssen aber die Gesundheit der Deutschen wird dadurch ganz sicher nicht besser.

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