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18.11.2013

06:00 Uhr

Dieter Hundt

„Sozialversicherungen müssen finanzierbar bleiben“

Am Montag endet die Ära von Dieter Hundt. 17 Jahre war er Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Zuvor sagt er noch, was ihn an den Plänen von Union und SPD zu Rente oder Mindestlohn stört.

BDA-Präsident Dieter Hundt: Am Montag übergibt er sein Amt in jüngere Hände. dpa

BDA-Präsident Dieter Hundt: Am Montag übergibt er sein Amt in jüngere Hände.

BerlinArbeitgeberpräsident Dieter Hundt macht aus seiner Überzeugung keinen Hehl: Von Garantierente für Geringverdiener oder gesetzlichem Mindestlohn hält er gar nichts. Die Hinzuverdienstregeln für Langzeitarbeitslose will er radikal ändern. Das macht er im Interview klar. Am 18. November tritt der 75-Jährige als Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ab. Designierter Nachfolger ist der Bremerhavener Unternehmer Ingo Kramer (60).

Was spricht eigentlich gegen eine Lebensleistungs- oder Solidarrente zur Verhinderung von Altersarmut?
Eine Lebensleistungsrente ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wenn der Gesetzgeber diese einführen will, muss das aus Steuermitteln finanziert werden. Alles andere widerspricht dem Prinzip der gesetzlichen Rentenversicherung: Die Beitragszahlungen bestimmen die Höhe der Rente. Um Altersarmut zu verhindern, gibt es nur zwei erfolgreiche Wege: Arbeit und Eigenvorsorge. Darüber hinaus gibt es die gesetzliche Grundsicherung, die bei Bedürftigkeit eine Aufstockung von geringen Renten ermöglicht.

Ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro könnte flächendeckend Lohndumping und - aus Unternehmersicht - Schmutzkonkurrenz einen Riegel vorschieben. Sie sind dagegen. Warum?
Ein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn trifft vor allem die Schwächsten auf dem Arbeitsmarkt: Langzeitarbeitslose, gering Qualifizierte und junge Menschen, die keine Ausbildung haben. Das zeigt die deutlich höhere Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit in allen europäischen Ländern, die einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn haben. Es gibt in Deutschland derzeit 41 laufende Tarifverträge mit DGB-Gewerkschaften mit unteren Tariflöhnen unter 8,50 Euro. Die Tarifparteien haben gute Gründe, in bestimmten Fällen solche Einstiegslöhne zu vereinbaren. Sie geben Berufsanfängern, Langzeitarbeitslosen und gering Qualifizierten wertvolle Chancen auf Einstieg in Arbeit. Ich hielte es für unverantwortlich, wenn der Gesetzgeber diese Tarifverträge mit einem Federstrich außer Kraft setzt.

Altersvorsorge: Wie viel gesetzliche Rente ist drin?

Altersvorsorge

Wie viel gesetzliche Rente ist drin?

„Die Rente ist sicher.“ Dieser Satz gilt schon lange nicht mehr – im Gegenteil.

Kritisiert wird von den Arbeitgebern, dass von den rund 1,3 Millionen Hartz-IV-Empfängern die Hälfte nur einer geringfügigen Beschäftigung nachgeht. Gäbe es denn genügend Vollzeitstellen?
Bei der weiterhin guten Arbeitsmarktlage und dem sich ausweitenden Fachkräftemangel ist es möglich und notwendig, mehr Menschen in Vollzeitstellen zu bringen. Es ist richtig, dass die Jobcenter dazu verstärkt Aufstocker ansprechen, die nur einen Minijob ausüben. Um Vollzeitstellen attraktiver zu machen, müssen die Hinzuverdienstregeln vom Kopf auf die Füße gestellt werden: Vollzeitnahe Einkommen sollten stärker freigestellt werden. Und im Gegenzug sollten Bruttoeinkommen bis zu 200 Euro monatlich künftig voll auf das Arbeitslosengeld II angerechnet werden.

Kommentare (4)

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Freidenker

18.11.2013, 09:45 Uhr

Ich frage mich ernsthaft, ob dieser Mann noch ganz dicht ist. Menschenhasser ist er ja bereits!

Zu seine dämlichen LÜGEN nur soviel:

http://content.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/916564_0_9223_-interview-langfristig-wird-die-arbeit-verschwinden-.html
Wir vollziehen gerade einen Wandel hin zu einem Markt, der zum allergrößten Teil ohne menschliche Arbeitskraft funktioniert.
Bis 2010 werden nur noch zwölf Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Fabriken gebraucht. Bis 2020 werden es weltweit nur noch zwei Prozent sein.
Immer dieselben drei, ja. Erstens: Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Zweitens: Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Und drittens: Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind absurd.
Allerdings meinte ich das wörtlich. Als ich dieses Buch
1995 schrieb, waren weltweit 800 Millionen Menschen arbeitslos oder unterbeschäftigt. 2001 waren es schon mehr als eine Milliarde. Die Entwicklung ist eindeutig.

Freidenker

18.11.2013, 09:47 Uhr

Ah, die sozialen Systeme. Darüber sprechen Sie hier schon seit Jahren, nicht wahr? Nun, ich will nicht sagen, dass es in Deutschland keinen Reformbedarf gibt. Aber wenn jemand daran denkt, den Weg der USA einzuschlagen, dann kann ich davor nur warnen. Je härter sie die Sozialsysteme beschneiden, desto eher tauchen die Probleme an anderer Stelle wieder auf. Schlechtere Gesundheit, größere Armut, weniger Sicherheit, mehr Kriminalität. Natürlich ist die US-Arbeitslosenquote niedriger als die deutsche. Aber bei uns sitzen allein zwei Millionen Leute in den Gefängnissen. Meinen Sie, das ist keine versteckte Arbeitslosigkeit? Glauben Sie mir, sie sind hier immer noch besser dran.

Account gelöscht!

18.11.2013, 09:52 Uhr

Dieter Hundt hat es als Arbeitgeberpräsident in n u r 17 Jahren geschafft, was seine Vorgänger in 40 Jahren kaum geschafft haben, nämlich den Abbau fast aller sozialen Leistungen seitens der Arbeitgeber und zwar zu Lasten der Arbeitnehmer!! Natürlich haben seine Freunde wie Hartz, Schröder und Mitglieder der "Neuen Sozialen Marktwirtschaft" kräftig mitgeholfen.
allein deswegen muß man Herrn Hundt kräftig feiern.
Zum Wohl!!!

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