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27.08.2013

14:15 Uhr

Druck von Konzernen

Ein neuer Geldhahn für die Atombranche

Der Strompreis steigt weiter. Zugleich könnten zu viele Kraftwerke mangels Betriebsstunden durch den Boom bei Solar- und Windenergie stillgelegt werden. Hinter den Diskussionen steckt ein Poker um staatliche Zuschüsse.

Zwischenlager eines Kernkraftwerkes: Die Konzerne erhöhen den Druck auf die Politik – denn sie wissen, dass sie gebraucht werden. dpa

Zwischenlager eines Kernkraftwerkes: Die Konzerne erhöhen den Druck auf die Politik – denn sie wissen, dass sie gebraucht werden.

BerlinIrgendwie ist es seltsam. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) bezeichnet die Energiewende gerne als „größte Herausforderung seit dem Wiederaufbau“. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wählt nicht minder große Worte: „Die Energiewende könnte eine Art deutsche Mondlandung sein“. Doch im Wahlkampf spielt sie kaum eine Rolle - und wenn, geht es immer nur um die Strompreise. Doch hinter den Kulissen erhöhen die großen Konzerne den Druck.

Denn sie, die vor Fukushima im Kreuzfeuer der Kritik standen, werden gebraucht. Bei allen Zuwächsen von Energiegenossenschaften, energieautarken Kommunen und privaten Solarkraftwerken auf dem Dach: Wenn immer mehr konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen und Neuinvestitionen abgeblasen werden, gibt es ein Versorgungsproblem gerade im Winter. Jüngst war die Rede von bis zu 25 Prozent der derzeitigen Kapazitäten, die vom Netz gehen könnten. Derzeit gibt es 15 aktuelle Stilllegungsanträge bei der Bundesnetzagentur. Der norwegische Statkraft-Konzern eröffnete im Juni in Hürth ein 350 Millionen Euro teures Gaskraftwerk, fährt es aber vorerst nicht an.

In der Energiebranche wird derzeit sogar ein früheres Abschalten von Atomkraftwerken erörtert, weil es statt über 50 Euro nur noch 35 bis 37 Euro pro Megawattstunde gibt - hinzu kommen die Belastungen durch die Kernbrennstoffsteuer. „Fakt ist, dass Kernkraftwerke durch die Kernbrennstoffsteuer momentan ganz überwiegend Geld für die Staatskasse verdienen“, klagt Eon-Vorstand Mike Winkel. Ein Sprecher betont, bei Eon stünden Stilllegungen „derzeit nicht zur Debatte“.

Die Branche versucht nun, einen neuen Geldhahn aufzudrehen. Die Bundesnetzagentur dürfte die neun verbliebenen Atomkraftwerke, die schrittweise eigentlich erst bis 2022 abgeschaltet werden sollen, als „systemrelevant“ einstufen. Im Fall der Fälle könnte sie daher ein Abschalten wegen drohender Engpässe untersagen. Dann müsste gemäß des sogenannten Wintergesetzes das AKW weiter betrieben werden - der Versorger bekäme dafür eine Sondervergütung. Damit würden über den Strompreis nicht nur Windparks, sondern auch Atommeiler bezuschusst.

Für Atomgegner sicher ein Graus. Aber wenn ein Viertel der Stromproduktion (erneuerbare Energien) mit derzeit 20 Milliarden Euro über die Stromrechnungen bezuschusst wird, ist der Markt kaum noch funktionsfähig. Der Ökostrom macht den Betrieb vieler konventioneller Kraftwerke (besonders Gas, Steinkohle, Atom) unrentabel, wenngleich der Grünen-Energiepolitiker Hans-Josef Fell vor Panik und Lobbydruck warnt: Befürchtungen, dass wegen des Abschaltens von Kraftwerken Engpässe entstehen, seien unbegründet. Es gäbe hohe Stromüberschüsse. Mit weniger Kraftwerken könnte auch der Börsenstrompreis steigen, was die Ökostrom-Umlage wiederum mindern würde, so der Grünen-Politiker.

Kommentare (6)

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Uran-fuer-Syrien

27.08.2013, 14:28 Uhr

So also entsort man seinen Atommüll.

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Der Einsatz von Uranmunition -
ein Verbrechen
Seit dem Golfkrieg 1991 verwenden die USA und ihre Verbündeten Geschoße aus abgereichertem Uran (DU-Munition). Im Irak und am Balkan wurden hunderte Tonnen dieses toxischen und radioaktiven Materials verschossen und dadurch als ultrafeiner Staub in der Umwelt verteilt. Die Folgen für verseuchte Soldaten und die Zivilbevölkerung sind Krebserkrankungen, Nerven- und Hirnschädigungen, schwere Mißbildungen ihrer Kinder und genetische Schäden. Obwohl die Auswirkungen von Uranstaub unter der Bezeichnung „Golfkriegssyndrom“ mittlerweile gut dokumentiert sind, üben sich Medien und offizielle Stellen in Verharmlosungen, Lügen oder Schweigen.

1. Schauplatz: Irak 1991-94, nach dem Golfkrieg von 1991.
Dem deutschen Arzt Prof. Siegwart Horst Günther fallen im Universitätskrankenhaus von Bagdad Menschen mit Krankheitssymptomen auf, die er in den 40 Jahren Arbeit in diesem Land noch nie gesehen hat. Als ein Mädchen, das in einem Bombenkrater gespielt hat, bald darauf an Leukämie erkrankt, schöpft Günther Verdacht. Er läßt eines der zigarrengroßen Geschosse, die schwerer als Bei sind, und im früheren Kampfgebiet überall herumliegen, im Diplomatengepäck nach Deutschland bringen und gibt es einem Universitätsinstitut zur Untersuchung – abgereichertes Uran wird festgestellt. Dr. Günther wird verhaftet und zu einer Geldstrafe von 3000 Mark verurteilt wegen Gesundheitsgefährdung durch die „Freisetzung ionisierter Strahlung“.

(*) www.arge-ja.at

HofmannM

27.08.2013, 15:08 Uhr

@Uran-für-Syrien
Was bist du den für ein Geschichten erzähler. Hast du irgend einen Hang zu Atomwaffen?!
Die Stromerzeugung per Kernkraft hat absolut NICHTS mit dem Atombombenbau gemeinsamm. Kernkraft bedeutet Wohlstand durch günstige und zuverlässig Energie für das Volk und die Atombombe bedeutet schwachsinniger Einsatz von Kernphysik Wissen in eben solchen schwachsinnigen ideologisch geführten Kriegen.

frozen

27.08.2013, 16:39 Uhr

Die Investition in Erneuerbare Energien wird sich erst für die folgenden Generationen auszahlen. Wenn wir diese Investition allerdings jetzt nicht machen, werden unsere Kinder mit viel höheren Kosten und Risiken zu kämpfen haben, als wir mit den momentanen Strompreisen.
Wir sind eigentlich auf dem richtigen Weg. Die EE müssen weiter stark ausgebaut werden. Allerdings muss das EEG dementsprechend reformiert werden. Es kann nicht sein, dass die größten Verbraucher die einzigen Profiteure der Energiewende sind. Diese Unternehmen kaufen den Strom zu Preisen vergleichbar mit 2005 und zahlen nichts für unsere Investition!
Weiterhin ist es nicht hinnehmbar, dass Kohle und Atomstrom deutlich unter Wert verkauft werden. In diese veralteten und umweltschädlichen Energieträger müssen endlich die gesamten Kosten eingerechnet werden, damit der Börsenstrompreis steigt und die Umlage sinkt.
Je schneller wir vom sinnlosen verbrennen umweltschädlicher Rohstoffe wegkommen, desto besser. Wir müssen nichts verbrennen, um Strom zu generieren. Es geht auch ohne!
Vor ca 100 Jahren gab es Menschen, die sich gegen die Entwicklung des Automobils stellten. Sie haben weiterhin auf Pferde gesetzt. Die heutigen Gegner der EE sind vergleichbar mit diesen Menschen.

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