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30.07.2014

06:00 Uhr

E wie Elektrosmog

Eine unsichtbare Gefahr?

Er ist geruchlos, er ist unsichtbar, er ist geräuschlos. Aber dennoch können wir ihm kaum entgehen. Strittig ist, ob Elektrosmog der Gesundheit nun schadet oder nicht. Aber was ist er eigentlich?

Von Mobiltelefonen geht kurzfristig eine relativ hohe Strahlung aus – vor allem wenn der Empfang schlecht ist. dpa

Von Mobiltelefonen geht kurzfristig eine relativ hohe Strahlung aus – vor allem wenn der Empfang schlecht ist.

Smog ist als besonders schwere Schadstoffbelastung der Luft geläufig. Schon die Wortkombination der englischen Begriffe smoke (Rauch) und fog (Nebel) illustriert die dicken Dunstschichten, die über Ballungszentren liegen. Mit Mundschutz wollen etwa viele Chinesen dem Smog entgehen, wenn sie sich durch den zähen Verkehr Pekings schlängeln. Zumindest augenscheinlich verschwindend ist hingegen was umgangssprachlich als Elektrosmog geläufig ist. Gemeint sind sowohl niedrigfrequente elektrische und magnetische Felder sowie hochfrequente elektromagnetische Felder.

Niederfrequente und magnetische Felder: Mikrowelle, Föhn oder Leselampe – zahlreiche Geräte des alltäglichen Gebrauchs werden mit niederfrequentem Strom betrieben. Das heißt, die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde liegt unter 100 Kilohertz. Egal ob an- oder ausgeschaltet, angeschlossen ans Stromnetz sind die Geräte ebenso wie die Leitungen ständig von elektrischen Feldern umgeben. Zusätzliche magnetische Felder entstehen, wenn sie tatsächlich Strom fressen. Dicke Hauswände schlucken die Schwingungen aber fast komplett, und je weiter die Entfernung zur Quelle umso geringer die Strahlung.

Hochfrequente magnetische Felder: Ab einem Schwingungsbereich von 100 Kilohertz bis zu 300 Gigahertz gehen elektrische Felder immer mit magnetischen einher. Quellen sind etwa Funksendeanlagen, also Fernseh- und Radiosender, Mobilfunkmasten und -telefone oder W-Lan-Stationen. Hochfrequente Felder können sich von der Quelle, etwa einer Sendeantenne, ablösen und wellenförmig ausbreiten. So funktioniert etwa die Rundfunkübertragung. Diese elektromagnetische Strahlung ist nicht einfach abschirmbar und durchdringt ohne Weiteres gewöhnliche Wände und Fenster.

Die Debatte um Elektrosmog dreht sich vor allem um die hochfrequenten magnetischen Felder: Schaden sie der Gesundheit? Wissenschaftlich ist das nicht abschließend geklärt, was sich etwa am Beispiel vieldiskutierter Mobilfunkantennen zeigt. Die eine Seite argumentiert, die elektromagnetische Spannung in der Umgebung dieser Masten läge unterhalb der Grenzwerte. Für zweifelhaft halten andere Wissenschaftler diese Messungen. Unter anderem kritisieren sie, dass in der Regel nur der Hauptstrahl gemessen wird, nicht aber die sich davon abspaltenden Nebenstrahlen.

Kommentare (5)

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Herr Fred Meisenkaiser

30.07.2014, 08:02 Uhr

Natürlich ist die Gefahr da, und sie kann tödlich sein.

Aber die Lobbyisten der entsprechenden Gerätehersteller lassen eben keine Untersuchungen zu. Veröffentlichungen zu diesem Thema werden unterdrückt!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Net Ing

30.07.2014, 13:54 Uhr

Oje, was für eine Recherche-Posse.

"Dicke Hauswände schlucken die [niederfrequenten] Schwingungen aber fast komplett"

-- Was sollte wohl ein Magnetfeld daran hindern, durch eine Wand zu gehen? Betonwände mit viel Eisen drin... vielleicht. Aber eine normale Mauer?

"Diese [hochfrequente] elektromagnetische Strahlung ist nicht einfach abschirmbar und durchdringt ohne Weiteres gewöhnliche Wände und Fenster."

-- Leider ist es genau umgekehrt. Mit steigender Frequenz nimmt die Dämpfung sogar quadratisch zu. Deshalb standen früher die E-Netz-Telefonierer (höhere Frequenz) draußen vor der Tür, während D-Netz-Telefonierer (niedrigere Frequenz) prima in den Innenräumen plaudern konnten.

Außerdem suggeriert der Text auch noch, der magnetische Orientierungssinn der Vögel sei irgendwie "kaputt". Tatsächlich ist die Wirkung mit einem neuen Verkehrsschild vergleichbar. An der richtigen Stelle aufgestellt, sorgt es ein paar Tage für Verwirrung. Der Effekt ist aber vorübergehend und verschwindet anschließend.

Hat eigentlich mal jemand untersucht, ob große Radiosender von den Vögeln vielleicht heute sogar als "Funkfeuer" benutzt werden?

Herr Alexander Lerchl

31.07.2014, 11:41 Uhr

"Hochfrequente Felder können sich von der Quelle, etwa einer Sendeantenne, ablösen und wellenförmig ausbreiten." Das können sie nicht nur, das sollen sie sogar, sonst funktioniert das Senden nämlich nicht. Zum Kommentar von "Fred Meisenkaiser": " ... und sie kann tödlich sein." Tatsächlich? Das wird zwar von Profiteuren der Debatte (u.a. Hersteller von Messgeräten, Abschirmmaterial, manchen Baubiologen) immer wieder behauptet und schürt Ängste, ist aber durch keine einzige Studie belegt. Die WHO hat schon 2010 erklärt, dass Erwärmung der einzige biophysikalisch wirksame Mechanismus ist, mit dem sich Effekte erklären lassen, nur sind relevante Erwärmungen von Gewebe durch die Grenzwerte sicher ausgeschlossen.

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