Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.07.2013

06:00 Uhr

Edelmetall

Warum fällt der Goldpreis, obwohl die Angst vor Inflation steigt?

Als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten gilt das Edelmetall bei vielen Anlegern. Das hat sich vor allem seit Ende 2011 gezeigt. Doch die Hausse hat jüngst ein jähes Ende gefunden – und das obwohl die Krise noch tobt.

Anleger lassen vermehrt die Finger von Gold: Warum endet der Boom gerade jetzt? dpa

Anleger lassen vermehrt die Finger von Gold: Warum endet der Boom gerade jetzt?

Fast zehn Jahre hielt die Gold-Hausse. Der Preis für die Feinunze Gold stieg beschleunigt durch die Finanzkrise um sagenhafte 590 Prozent auf sein Allzeithoch von 1923,70 Dollar. Das war im September 2011. Der Grund: Die extrem lockere Geldpolitik der Notenbanken als Instrument gegen die Krise schürte die Angst vor Inflation. Doch während die Finanzkrise weiter tobt, endete der Gold-Boom abrupt. Seit seinem Allzeithoch ist der Preis um 35 Prozent auf jetzt 1 237 Dollar gefallen. Regelrecht abgestürzt ist der Preis in den vergangenen drei Monaten.

Was ist passiert? In jüngster Zeit haben einflussreiche Investmentbanken ihre Preisprognosen radikal gesenkt. Goldman-Sachs-Analyst Jeffrey Currie etwa erwartet 2014 einen Goldpreis von 1050 Dollar.

Fakt ist: Trotz ständiger Warnungen von Ökonomen – weltweit ist nirgends Inflation in Sicht. Die Inflationsangst ist ein deutsches Phänomen. Und selbst hierzulande beträgt die Inflationsrate aufs Jahr gerechnet derzeit nur 1,8 Prozent. In Europa insgesamt droht eher Deflation. Und auch Japan kämpft nach Jahren immer noch gegen sinkende Preise. Hinzu kommt: Die US-Notenbank hat angedeutet, ihren lockeren geldpolitischen Kurs zu verlassen. Auch das ist Gift für den Goldpreis.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Kommentare (23)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Tom

10.07.2013, 06:55 Uhr

Ausgerechnet Goldman & Sachs: Die zwielichtigste Firma im Finanzsektor. Der Preisverfall ist künstlich herbeigeredet und manipuliert von Goldman Sachs- und wie die Lemmlinge rennen sie alle hinterher. Die Leute sollen mit Aktien, Optionsscheinen, Anleihen etc. SPEKULIEREN- dann kann man sie wieder übers Ohr hauen- daran verdient G&S am meisten. Mit Gold lässt sich nichts verdienen...

Account gelöscht!

10.07.2013, 07:11 Uhr

Warum sinken die Renditen von Staatsanleihen, obwohl die Staaten Pleite sind ? Los HB, kämpft mal an dieser Front !

Adio

10.07.2013, 08:10 Uhr

Eischätzung zu Goldmann & Sachs teile ich soweit, befürchte aber sie sind auch der "Manipulator" mit Gold, weil da läßt sich schon was verdienen. Sie verkaufen Ihr Gold und setzen Gold manipulativ auf Verkauf, wenn der Preis im Keller ist kaufen sie wieder selbst ein über eigene Fonds Stück für Stück und beim nächsten Aufflammen der Kriese und Anstieg des Goldpreises sind sie wieder reicher. das geht nur wenn man die Größenordnung hat und auch die FED praktisch bestimmt ....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×