Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.12.2013

10:34 Uhr

EEG-Umlage auf dem Prüfstand

Unternehmen drohen Milliarden-Nachzahlungen

Das EU-Verfahren gegen Entlastung bei Ökostrom-Abgaben könnte Unternehmen mehr als neun Milliarden Euro kosten. Teuer werden könnte es besonders für die Chemie- und Metallindustrie – und die Deutsche Bahn.

Hochspannungsleitungen bei Darmstadt: Energieintensive Unternehmen wurden in Deutschland bislang von der EEG-Umlage befreit. Dies könnte sich nun ändern. dpa

Hochspannungsleitungen bei Darmstadt: Energieintensive Unternehmen wurden in Deutschland bislang von der EEG-Umlage befreit. Dies könnte sich nun ändern.

Sechs Tage vor Weihnachten droht zahlreichen energieintensiven Unternehmen in Deutschland ein milliardenschwerer Schock aus Brüssel. Denn das Prüfverfahren der EU gegen die Befreiung deutscher Unternehmen von der Ökostrom-Umlage dürfte nicht nur die künftigen Stromkosten der betroffenen Firmen deutlich nach oben treiben.

Wenn Insider recht behalten, wird die EU mit der Eröffnung des Verfahrens am 18. Dezember auch eine Nachzahlung für die Entlastungen für die letzten zwei bis drei Jahre fordern. Das wiederum könnte für die betroffenen Firmen auf Zahlungspflichten von zusammen rund 9,4 Milliarden Euro hinauslaufen und in vielen Fällen schon für 2013 hohe Rückstellungen erzwingen.

Die Summen ergeben sich aus den Daten des Bundesumweltministeriums. Alleine 2013 blieben den Firmen rund vier Milliarden Euro an Umlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erspart. Für die beiden Vorjahre lag der Wert bei jeweils 2,7 Milliarden Euro; seit 2004 addieren sich die Entlastungen auf etwa 14 Milliarden Euro.

Am stärksten betroffen wäre die Deutsche Bahn, die als größter deutscher Stromverbraucher in den letzten drei Jahren mehr als 1,1 Milliarden Euro einsparte. Heftige Nachzahlungsforderungen müssen ferner Chemie-, Metall- und Papierhersteller fürchten. Bei Bayer Material Sciences etwa, der Kunststoff-Tochter von Bayer, dürften sich die EEG-Entlastungen der letzten drei Jahre auf mehr als 300 Millionen Euro addieren, bei Lanxess auf mehr als 100 Millionen Euro. Der Kautschukhersteller würde bei einem Wegfall der EEG-Entlastung wohl in die Verlustzone driften.

Wie hoch darf die EEG-Umlage Ihrer Meinung nach maximal liegen?

Thyssen-Krupp beziffert die Einsparungen seit 2011 auf 127 Millionen Euro, der Kupferhersteller Aurubis gibt sie mit 102 Millionen Euro an. Beide Unternehmen schreiben rote Zahlen.

Die Stahlindustrie hat für die letzten drei Jahre etwa 1,2 Milliarden Euro an EEG-Entlastung erhalten, für die Papierhersteller dürfte sich eine ähnliche Summe errechnen. „Wo sollen die Unternehmen das hernehmen?“, warnt der Sprecher des Verbands deutscher Papierfabriken, Gregor Geiger, mit Blick auf mögliche Nachzahlungen.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Michl

12.12.2013, 11:12 Uhr

Deutsche Unternehmen werden mit Steuern und Abgaben belastet, mit denen die Mitbewerber in der EU gefördert werden. Dann wundert sich die Regierung, dass diese Unternehmen ihre Standorte verlagern.
Nachdenken ist gut - VORAUSdenken ist besser!

Account gelöscht!

12.12.2013, 12:15 Uhr

Ganz gewiss ist die EU an vielen Fehlentwicklungen unserer Zeit schuld. Hier jedoch, in der Frage der EEG-Ausnahmen, hat sie eine blütenreine Weste.

Die Übeltäter sitzen nicht in Brüssel, sondern in Berlin. In Berlin wurde das EEG ausgeheckt und durchgesetzt, das geeignet ist, viele Unternehmen in Deutschland in den Ruin zu treiben und Hunderttausende von Arbeitsplätzen zu gefährden. Die Übeltäter sitzen in der Bundesregierung und den Vorständen unserer Altparteien. Sie betreiben mit dem EEG eine Politik der verbrannten Erde und der Zerstörung.

Wann fangen die besonderes betroffenen Unternehmen und ihre Gewerkschaften endlich an, offen denjenigen entgegenzutreten, die ihnen ihre Geschäftsgrundlage vernichten? Wann hören die Unternehmensleitungen auf, in aller Stille Arbeitsplätze und Produktionsstätten im Ausland statt in Deutschland zu schaffen und sich gegen das Würgeeisen, das ihnen die Politik in Gestalt des EEG um den Hals gelegt hat, zu wehren?

Wenn das Beihelfeverfahren der EU den Startschuss dazu geben sollte, dass die deutsche Industrie endlich ihren wahren Gegner erkennt und öffentlich angeht, dann wird die EU ein gutes Werk getan haben.

Hansmeier

12.12.2013, 12:16 Uhr

Die unterschiedliche Vergütung bei der Stromherstellung ist der schwerwiegende Verstoß gegen Marktwirtschaft.
Die Privilegien, mit politisch motivierten Garantiezahlung zu hohen Festpreisen, für eine deutschen „Wetterstrom“ ist der eigentliche, sittenwidrige Wettbewerbsverstoß.
Da liegt dieses nationale Grundübel einer parteipolitischen, den Wettbewerb verzerrenden, nicht marktkonformen Intervention vor. Nur die Auswirkungen, statt die Ursache bekämpfen zu wollen, ist Augenwischerei.
Alle Stromerzeuger sollten ihren Strom in einem marktwirtschaftlichen Wettbewerb anbieten und das in einem europäischen Strommarkt.
Die ungezügelte Bevorteilung einer privilegierten deutschen Öko-Kartell-Stromerzeugung ist das wahre Kern-Problem, was zum Nachteil aller Stromverbraucher führt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×