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05.07.2013

05:30 Uhr

Einzigartige Medizinanlage

Irdisches Schwester-Labor der ISS eröffnet

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt eröffnete am Freitag in Köln die weltweit einzigartige Medizin-Forschungsanlage „envihab“. Astronauten werden dort aber nicht getestet.

Ein Schlaflabor wird Teil der neuen DLR-Großforschungsanlage sein. picture-alliance / dpa

Ein Schlaflabor wird Teil der neuen DLR-Großforschungsanlage sein.

KölnMit 3500 Quadratmetern hat das Gebäude auf dem Kölner Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) fast die Fläche eines kleinen Fußballfelds. Hinter den Mauern des 30 Millionen Euro teuren Neubaus verbirgt sich eine weltweit einzigartige Medizin-Forschungsanlage: "envihab" lautet der Name der DLR-Großforschungseinrichtung, in der unter anderem Isolationsbedingungen während Langzeit-Raummissionen simuliert werden können.

"'envihab' ist sozusagen das irdische Schwester-Labor zur internationalen Raumstation ISS", erläuterte der DLR-Raumfahrtmediziner Rupert Gerzer im Vorfeld der Eröffnung. Das Besondere an der Laboranlage, deren Name sich von "environmental habitat" herleitet und damit ein geschlossenes Lebenserhaltungssystem beschreibt, ist die Verzahnung der Raumfahrtmedizin mit der klassischen Medizin auf der Erde.

Denn im "envihab" werden keine Astronauten vor ihren Raumflügen medizinisch getestet. Vielmehr werden die geplanten Langzeituntersuchungen in der neuen Anlage an "normalen" Testpersonen vorgenommen. Ziel ist, Erkenntnisse sowohl für die Medizin im Weltall als auch auf der Erde zu gewinnen. Dabei stehen der Erhalt von Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Menschen im Vordergrund.

Unter anderem verfügt "envihab" über ein Schlaflabor für zwölf Probanden, das mehrwöchige Isolationsstudien ermöglicht. Eine weitere von insgesamt acht Forschungseinheiten in der Großanlage ist eine Zentrifuge, die die Beschleunigung eines Menschen bis zur sechsfachen Schwerkraft erlaubt. Mit einem weltweit neuartigen Roboterarm sind während der Beschleunigungsfahrt Ultraschall-Bilder der liegenden Testperson möglich. "Der Roboterarm kann ferngesteuert auf das Herz gelegt werden", erläuterte Gerzer, der das DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin leitet.

Zur Ausstattung gehören auch ein Gerät zur Magnetresonanztomographie sowie eine Druckkammer, in der Höhen bis zu 5500 Meter simuliert werden können. Dies ermöglicht unter anderem medizinische Studien im Vorfeld möglicher künftiger Mars-Missionen. Diese und weitere Module von "envihab" sind innerhalb des Gebäudes räumlich eng miteinander verknüpft. "Die Einrichtung ist in dieser Ausstattung weltweit einzigartig", sagte Gerzer.

Kommentare (1)

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Harald.Giese

05.07.2013, 14:56 Uhr

Wieder einmal werden Probleme der bemannten Raumfahrt untersucht, die man ohne sie nicht hätte. (Es dürfte genügend geeignete Bettlägrige in Kliniken für Untersuchungen geben.)
Es werden autonome Systeme und Telesensoren z.B. zum Tasten und Riechen entwickelt, aber dennoch sollen Menschen im All oder auf dem Mars unverzichtbar sein? Und wenn dies heute noch so sein sollte, warum nicht 10 oder 20 Jahre warten und das Geld solange in andere Forschungsfelder lenken?

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